Dicke Schneeflocken vom Himmel, würziger Duft von Glühwein, gebannten Mandeln oder Waffeln: In vielen Städten und Gemeinden im Kreis Böblingen hat die Weihnachtsmarktzeit begonnen. Natürlich locken die größeren Märkte wie in Böblingen oder der am nächsten Wochenende in Herrenberg auch ein größeres Publikum – aber auch in den kleinen Flecken im Kreis haben Vereine und Helfer viel dafür getan, die Bevölkerung in Adventsstimmung zu versetzen. So wie man das seit 40 Jahren in Ehningen macht.
Für die meisten kleineren Gemeinden sind Weihnachtsmärkte nicht nur eine nette Tradition, sondern auch ein Mittel der Existenzsicherung von Vereinen. Sport- und Musikvereine, Hilfsorganisationen und Seniorenwerkstätten haben hier die Möglichkeit, sich und ihr Angebot zu präsentieren, Einnahmen zu genieren und vielleicht sogar neue Mitglieder an Land zu ziehen.
So kann man zum Beispiel auf dem Ehninger Weihnachtsmarkt Maultaschenburger von der Volleyballabteilung und Waffeln von der Schwimmabteilung des TSV kaufen. Der Harmonikaclub wirbt mit warmer Suppe und die Ehninger Hexen bieten selbst gebrauten Glühwein, Kräuterbrot und Punsch an. „Für uns ist der Weihnachtsmarkt die Haupteinnahmequelle“, erklärt Yvonne Guschelbauer. Die Hexen genießen auch das Zusammensein. „Wir machen hier mit, seit unserer Gründung“, meint Sandra Zeidler. Nur im vergangenen Jahr hätten die Hexen pausiert. „Dafür ist es diesmal umso schöner“, so Lopi Gerst.
Erstmals stattgefunden hat der Ehninger Weihnachtsmarkt im Jahr 1983. Ulla Heckmann zählt zu den Marktbeschickern, die schon von Stunde eins an mit dabei waren. Seit 40 Jahren bietet die Ehningerin jedes Jahr Schmalzbrot und Glühwein im Backhaus an. Bis auf das Brot, das mittlerweile die Bäckerei Sehne spendet, ist alles handgemacht. „Unser gesamter Erlös geht an Kinderhilfsorganisationen“, sagt Ulla Heckmann, die bei der Arbeit von ihren Freundinnen unterstützt wird. Das Motiv für Ihr Engagement: „Mir geht es gut und meinen Kindern geht es gut, deshalb möchte ich etwas von meinem Glück zurückgeben.“
Nicht nur in Ehningen tummeln sich an diesem Wochenende die Besucher auf den verschneiten Gassen, auch in Gätringen, im Hofgut Mauren oder Darmsheim waren Buden aufgebaut. Wohl auch wegen des herrlichen Winterwetters herrschte überall reger Betrieb – man hat Lust auf Advent, anders als bei Regen oder 15 Grad. Und natürlich gehört immer auch das Ambiente dazu: In Böblingen zum Beispiel kommt der Umzug auf den Marktplatz nach fast 20 Jahren offenbar sehr gut an. Schon am ersten Tag mehren sich die Stimmen, wie gut diese Idee war. Vor allem abends, wenn alles illuminiert ist, lockt er Platz mit den Buden, der Kirche und dem Rathaus viele Besucher.
Neben dem Angebot der Vereine, Schulen und Organisationen präsentieren in Ehningen auch einige Hobby-Handwerker ihre Arbeiten. So bietet die Familie Klausmann zum Beispiel handgefertigte Häkel- und Strickhandpuppen an. Bunte Papageien, Wölfe, Füchse. Alles selbst gemacht von Oma Monika. „Wir sind jetzt das zweite Jahr auf dem Ehninger Weihnachtsmarkt“, erzählt diese. „Es ist schön, so etwas gemeinsam mit der Familie zu machen und sich dabei noch ein kleines Taschengeld zu verdienen.“ Mittlerweile kenne sie auch ihre Standnachbarn ein bisschen. „Da kann man dann jedes Jahr gucken, wie es ihnen so ergangen ist.“
Und etwas weiter verkauft die Seniorenwerkstatt handgemachte Holzarbeiten, selbst gebrauten Schnaps und Socken. Der Erlös soll der Gemeinde Ehningen zugutekommen. „Ein Teil geht zum Beispiel an die Kindergärten, ein anderer ans Haus Magdalena“, erklärt Claudia Kramer, die die Seniorenwerkstatt ehrenamtlich unterstützt.
Wie in vielen Gemeinden wie in Ehningen sind die Weihnachtsmärkte zwar klein, aber fein. Die Stände schlängeln sich zwischen den beleuchteten Häusern des Ortskerns entlang, die Bürger genießen es, Bekannte zu treffen und sich durch das Glühwein- und Punschsortiment zu probieren. Als es dämmert, beginnt der Musikverein, Weihnachtslieder zu spielen. Die Adventszeit hat offiziell begonnen. Am kommenden Wochenende geht der Budenzauber andernorts weiter.