Von der Kita in die Schule Wertvolle Tipps einer Lehrerin für den Schulstart

Mit dem ersten Schultag beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Foto: /Jenny Sturm

Für Kinder ist die Einschulung ein großer Schritt – für Eltern auch. Wie der Übergang von der Kita zur Schule gut klappen kann und inwiefern die eigene Schulzeit der Eltern damit zu tun hat.

Saskia Niechzial ist Grundschullehrerin und dreifache Mutter. Ihr Thema ist die „Schule auf Augenhöhe“, wie sie es nennt. In ihrem ersten Buch „Hallo Schulanfang“ erklärt sie, wie der Übergang von der Kita zur Schule gut klappen kann und warum die eigene Schulzeit der Eltern mehr damit zu tun hat, als man annehmen würde.

 

Frau Niechzial, in Ihrem Instagram-Kanal zeigen Sie viele Aspekte von Schule. Warum dreht sich Ihr erstes Buch ausgerechnet um den Schulanfang?

Dieses Buch ist eine Fortsetzung der Arbeit, die ich seit vielen Jahren mache. Als Grundschullehrkraft empfange ich Klassen zum Schulstart und begleite die Einschulung, bin mit Kindergärtner*innen in Kontakt. Das ist schon lange mein Steckenpferd. Der Schulanfang ist auch das Thema, zu dem ich mit Abstand die meisten Anfragen bei Instagram bekomme.

Sie haben drei Kinder, sind eine engagierte Lehrkraft, machen diese vielen Instagram-Posts und jetzt auch noch ein Buch. Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe tatsächlich kein neurotypisches Gehirn, ich habe ADHS gepaart mit Hochbegabung. Mein Gehirn läuft permanent auf Hochtouren. Ich brauche diesen Input. Andere laufen eine Runde um den See und fühlen sich ausgelastet. Geschrieben habe ich das Buch dann in der Elternzeit meines dritten Kindes.

In Ihrem Buch wenden Sie sich mehrfach direkt an die Eltern und sprechen an, welche Gedanken und Gefühle die Eltern mit Schule verbinden. Wie kamen Sie darauf?

Ich habe selbst mein Kind eingeschult und so die Elternseite kennengelernt. Und obwohl ich fachlich so viel weiß und großes Vertrauen in meine Kolleg*innen habe, war da doch ein unangenehmes Gefühl, dass mein Kind das ganz alleine ohne mich schaffen muss. Die Einschulung ist für viele Eltern der erste Berührungspunkt mit Schule, seit sie selbst Schülerinnen und Schüler waren. Da kommen viele Dinge aus der eigenen Kindheit hoch. Wenn ich als Elternteil nicht so schöne Schulerfahrungen gemacht habe und ich diese bisher beiseitegeschoben habe, kommen die zum Schulstart meines Kindes wieder hoch. Das ist menschlich total nachvollziehbar, aber es kann zu Sorgen und Konflikten führen, die von den Eltern ausgehen. Eben weil sie ihre eigene Erfahrung auf die Kinder übertragen. Wenn ich als Elternteil die Gedanken transportiere, dass ich mir Sorgen mache, weil die Schule kein schöner Ort ist, überträgt sich das auf die Kinder.

Was können Eltern tun, wenn sie merken, dass sie eigene Themen in Bezug auf ihre Schulzeit haben – beispielsweise selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Es ist ganz wichtig, sich als Eltern der eigenen Schulzeit zu stellen und es davon zu trennen, was Schule für unser Kind bedeuten kann und wird. Der erste Schritt ist, zu erkennen, dass die Einschulung des Kindes auch etwas mit mir als Elternteil macht. Es macht Sinn, darüber mit dem anderen Elternteil zu sprechen und rauszulassen, was die eigenen Sorgen und Ängste sind. Das auszusprechen und sich einzugestehen, kann ganz viel lösen. Ein Leitsatz in meinem Buch ist: Das Kind wird gute Erfahrungen in der Schule machen, es wird schlechte Erfahrungen machen, aber es wird nicht die gleichen Erfahrungen machen wie ihr als Eltern.

Eltern haben zum Schulanfang viele Fragen: Wann soll mein Kind eingeschult werden? Welche Schulform ist die richtige? Und vieles mehr. Wo sollten Eltern denn anfangen?

Das Buch hat viele Themen, weil die Schulwelt und die Welt der Familie sehr vielseitig sind. Nicht jede Frage davon müssen sich Eltern stellen. Nicht jede Familie fragt sich, welche Schulform die richtige ist. Vielleicht wohne ich auf dem Land und es gibt nur eine Grundschule im Dorf. Oder ich habe finanziell gar nicht die Wahl. Nicht alle Fragen sind für Eltern relevant, aber die Fragen, die relevant sind, werden sehr schnell sehr groß. Deshalb beantworte ich so viele unterschiedliche Fragen in meinem Buch.

Nehmen wir das Beispiel: Woher weiß ich das als Elternteil welche Schulform die richtige ist?

Was Eltern stresst, ist, diese Entscheidung treffen zu müssen, und zu befürchten, das später zu bereuen. Dazu habe ich auch einen Leitsatz in mein Buch geschrieben: Diese Entscheidung treffen wir nicht auf Lebenszeit, wir dürfen sie verändern. Wir können nur für den Moment entscheiden.

Sie schreiben, dass Eltern ihre Kinder emotional auf die Schule vorbereiten können. Was meinen Sie damit?

Schulvorbereitung ist mehr als den richtigen Stift für die richtige Stifthaltung und das richtige Heft zu besorgen, mit dem sich Kinder auf die Schule vorbereiten können. Es ist ein massiver emotionaler Schritt für Kinder, in die Schule zu kommen. Die Umgebung, die Menschen, die Inhalte, alles ist neu. In der Schule müssen sie eine neue Art von Lernen erlernen. Es geht auch darum, Frust auszuhalten und als Kind zu zeigen, was mit einem los ist. Die Lehrkraft hat bei bis zu 30 Kindern oft nicht die Kapazität, jedes Kind und seine Gefühlslage die ganze Zeit im Blick zu behalten. Da ist emotional viel mehr Selbstständigkeit von den Kindern gefordert.

Und wie kann man das üben?

Es geht vor allem darum, schon etwas Selbstkompetenz erlernt zu haben. Das Kind kann lernen, zu merken und zu artikulieren, wenn es Hunger hat, wenn es traurig ist, wenn es auf Toilette muss. Wenn es seine Gefühle äußern kann und Fragen stellen kann, um die Probleme zu lösen, ist das hilfreich. Ein wichtiger Punkt ist auch der Umgang mit Misserfolgen. Versuchen Eltern, sei es auch mit guten Absichten, ihren Kindern immer wieder alles aus dem Weg zu räumen, könnte das problematisch werden. Es ist ein wichtiger Prozess, wenn Kinder in einem sicheren Rahmen etwas ausprobieren, das sie beim ersten Versuch nicht schaffen. Es ist viel besser, wenn sie das zu Hause erleben, statt das erste Mal als frisch eingeschultes Schulkind.

Gibt es einen idealen Zeitpunkt für Mütter und Väter, den Übergang des Kindes zur Schule vorzubereiten?

Letztendlich beginnt das fast schon mit der Geburt. Wenn man Einjährige beim Laufenlernen beobachtet, dann fallen die Kinder ständig auf den Popo und probieren es noch mal. Und immer wieder. Solche Prozesse sind für Kinder sehr wertvoll. Es geht darum, als Eltern dem Kind etwas zuzutrauen. Das fängt ganz früh an, lange bevor es konkret um die Schule geht.

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