Von Südfrankreich nach Sachsenheim Eine Krippe mit Bürgermeister und Boulespielern
Im Pflegeheim am Sonnenfeld in Sachsenheim steht aktuell eine typische provenzalische Krippe. Alle Figuren stammen aus der Partnerstadt Valréas in der Provence.
Im Pflegeheim am Sonnenfeld in Sachsenheim steht aktuell eine typische provenzalische Krippe. Alle Figuren stammen aus der Partnerstadt Valréas in der Provence.
Als Christiane Hähnle 1980 mit 14 Jahren eine Brieffreundschaft mit France Vanel aus Valréas in der Provence startete, dachte sie nicht im Traum daran, was sich in all den Jahren daraus entwickeln würde. Seit 1994 ist Valréas die offizielle Partnerstadt von Sachsenheim, angestoßen von den beiden jungen Frauen.
Typisch für die Gegend in Südfrankreich sind die besonderen Krippen, auch „Créche“ genannt. Bei ihren Besuchen in Frankreich wurde Hähnle mit der traditionellen provenzalischen Krippe bekannt gemacht, und sammelte im Lauf der Jahrzehnte zahlreiche Figuren an. Nun hat sie im Pflegeheim am Sonnenfeld in Sachsenheim auf kapp acht Quadratmetern eine Krippe aufgebaut und erklärt Interessierten dort die Geschichte der südfranzösischen Tradition. Am Montag, 18. Dezember, ist sie ab 14.30 Uhr vor Ort.
Die Geschichte der provenzalischen Krippe reicht bis in die Zeit der Französischen Revolution zurück, und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu der besonderen Szene, die sie heute ist. Anders als die Krippen, die wir hierzulande kennen, spielt die Szene nicht in Bethlehem, sondern in Valrèas. Oder jetzt eben in Sachsenheim.
„Ich finde es toll, dass die Szene immer den Ort darstellt, indem die Krippe aufgebaut wird“, sagt Hähnle. Bestand die Krippe anfangs nur aus Figuren der Weihnachtsgeschichte, wurde die Szene im Laufe der Jahre mit neuen Figuren ergänzt. Dabei diente das provenzalische Brauchtum als Vorbild. Viele Figuren haben Berufe aus der Gegend.
„Auch bekannte Personen, die im Ort leben, bekommen als neue Figur einen Platz in der Krippe“, so Hähnle. So lassen sich in der Szene etwa ein Müller, eine Gruppe Boule spielender Männer, ein DRK-Mitarbeiter und sogar der Bürgermeister von Sachsenheim, Holger Albrich, finden. „Der Bürgermeister wurde 2019 ergänzt, als ich die Krippe in der Kirche in Großsachsenheim aufgebaut habe“, erklärt die 58-Jährige. So sei jede Krippenszene an jedem Ort ganz individuell und habe ihre eigene Geschichte.
Die Tatsache, dass das Jesuskind fehlt, und sich keine der Figuren so wirklich für den Stall zu interessieren scheint, dürfte wohl auch einige irritieren. „Noch sind alle vom Stall weggedreht und gehen ihren Tätigkeiten und Gesprächen nach“, sagt Hähnle. An Heiligabend wird das Jesuskind schließlich in die Krippe gelegt – und die komplette Szene dreht sich zu ihm. Dann kommen auch die Heiligen Drei Könige am Stall an.
Alle Figuren, die Hähnle besitzt, stammen aus der Partnerstadt. Dort werden die wertvollen Figuren von Hand gefertigt und bemalt. Die Meisten tragen sogar Stoffkleider. Pro Figur habe sie zwischen 35 und 120 Euro ausgegeben. Die größten Figuren sind um die 70 Zentimeter groß, die kleinsten nur etwa zwei. So lasse sich eine dreidimensionale Szene aufbauen. „Es macht mit unglaublich viel Spaß, diese Szenen zu kreieren“, sagt sie.
Übrigens: Auch das Krippenspiel, das in der Provence in den Kirchen gezeigt wird, hat eine eigene Geschichte. Jeder Schauspieler bringt eine Figur mit, die dann lebendig wird. Nachdem Jesus geboren wurde, passieren viele kleine Wunder. Im Zentrum des Stücks steht das Liebespaar Mireille und Vincent.