Vor 30 Jahren tötete Norbert Poehlke sechs Menschen Der Hammermörder

Von Kerstin Rech 

Vor 30 Jahren verbreitete Norbert Poehlke im Raum Ludwigsburg Angst und Schrecken. Der Polizist tötete sechs Menschen und überfiel vier Banken. Ein Rückblick.

Im Juli 1985 misslingt  Poehlke ein Überfall auf  die Volksbank in Spiegelberg Foto: Steffen Honzera
Im Juli 1985 misslingt Poehlke ein Überfall auf die Volksbank in Spiegelberg Foto: Steffen Honzera

Ludwigsburg - Donnerstag, 3. Mai 1984: Der 47 Jahre alte Verkaufsingenieur Siegfried P. aus Aschaffenburg ist geschäftlich im Raum Ludwigsburg unterwegs. Er besucht verschiedene Firmen in der Region. Es ist kurz vor 10 Uhr, als er auf einem Waldparkplatz beim Gruppenklärwerk Häldenmühle in der Nähe von Marbach am Neckar eine Rast einlegt. Dieser Waldparkplatz ist ihm von früheren Aufenthalten in dieser Gegend vertraut. Als er aus seinem weißen BMW steigt, kommt Norbert Poehlke mit einer Pistole auf ihn zu und schießt ihm ins Gesicht. Diesen menschenverachtenden Mord begeht Poehlke aus einem einzigen Grund: Er will sich in den Besitz des Fahrzeugs bringen.

Gegen 12.25 Uhr fährt der 32-jährige ­Poehlke mit dem BMW des Ermordeten bei der Volksbank in Erbstetten vor und betritt mit einem Vorschlaghammer in den Händen den Schalterraum. Der Bankangestellten, die die Filiale allein betreut, gelingt es noch, den stillen Alarm auszulösen, den Geldschrank zu schließen und sich in einem Nebenraum in Sicherheit zu bringen. Poehlke zertrümmert mit dem Vorschlaghammer die Sicherheitsverglasung zum Kassenraum. Dabei verletzt er sich und hinterlässt Blutspuren. Eilig stopft er das Papiergeld der Tageskasse in seine Tasche und verschwindet. Die Beute dieses Überfalls fällt mit 4800 Mark mager aus.

Die Bankangestellte beschreibt den maskierten Täter als 35 bis 40 Jahre alten Mann von schlanker Gestalt mit dunkelblonden, glatten Haaren. Bekleidet gewesen sei er mit einem dunkelblauen Anzug. Zeugen beschreiben das Fluchtfahrzeug als einen weißen BMW mit Aschaffenburger Kennzeichen. Direkt nach dem Überfall wird eine Ringfahndung ausgelöst. Der BMW wird von einer Polizeistreife auf der Straße zwischen Affalterbach und Erdmannhausen entdeckt.

Derweil findet ein Spaziergänger die Leiche von Siegfried P. in einem Gebüsch neben dem Waldparkplatz. Anhand der Papiere kann die Polizei die Identität des Toten sofort feststellen. Die Verbindung zu dem gefundenen Fluchtauto wird hergestellt: Jetzt ist offensichtlich, dass man nicht nur einen Bankräuber, sondern auch einen Mörder sucht.

Die Suche nach dem Täter beginnt

Eine zwanzigköpfige Sonderkommission wird gegründet. Die Polizei mahnt die Bevölkerung in einem Fahndungsaufruf zur Vorsicht, „da der Gewalttäter vermutlich rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch machen wird“.

Es vergehen mehr als sieben Monate, bis Norbert Poehlke erneut zuschlägt. Es ist der 21. Dezember 1984. Der 37 Jahre alte Engländer Eugene Richard W. aus Nürnberg ist in seinem grünen VW Golf auf dem Weg in die Schweiz, wo er mit seinen Eltern die Weihnachtsfeiertage verbringen möchte. Auf dem Waldparkplatz Rohrtäle bei Großbottwar unterbricht er seine Fahrt, um eine kleine Pause einzulegen. Auch er wird von Norbert Poehlke ins Gesicht geschossen und ist auf der Stelle tot. Poehlke schleppt die Leiche zehn Meter weiter in den Wald hinein und bedeckt sie mit Laub.

Nach dem Mord fährt er mit dem Golf nach Cleebronn zur Volksbank, jedoch kann er an diesem Tag den geplanten Überfall nicht ausführen: Ein Rentner, der den grünen Golf mit dem Nürnberger Kennzeichen auf der Straße vor der Bank stehen sieht und ihn für das Fahrzeug seines Neffen hält, vereitelt unbeabsichtigt die Tat.