Vor dem Schulstart in der Pandemie Schulen im Kreis Böblingen sehen sich gewappnet

Von der Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte haben viele Städte Abstand genommen und die Investitionen gescheut. Regelmäßiges Lüften und die Überprüfung der Raumluft mit CO2 -Ampeln gelten in erster Linie das Gebot der Stunde. Foto: Jürgen Bach

Verpflichtende Tests, großzügiges Lüften, einzelne Luftfiltergeräte. Die Schulen im Landkreis vertrauen kurz vor dem Start ins neue Schuljahr auf ihre Schutzmaßnahmen.

Kreis Böblingen - Am Montag beginnt nach über sechs Wochen Sommerferien wieder der Unterricht. Es ist das dritte Schuljahr unter Pandemiebedingungen. Fern- und Wechselunterricht soll es nicht mehr geben, so die politischen Absichtserklärungen: Trotzdem hat man sich in Holzgerlingen auf alles vorbereitet.

 

„Wir haben für alle Klassenzimmer 180-Grad-Kameras und Lautsprecher angeschafft. So können bei einem Wechselunterricht auch die Schüler daheim alles verfolgen, was im Klassenzimmer stattfindet“, sagt Ioannis Delakos, der Bürgermeister von Holzgerlingen. Vier weiterführende Schulen gibt es in der Kommune: eine Förderschule, die Werkrealschule, eine Realschule sowie das Schönbuch-Gymnasium. 350 000 Euro hat die Gemeinde im Sommer in die pandemiegerechte Ausstattung investiert. „Alles zusammengenommen gehen unsere Investitionen der vergangenen anderthalb Jahren in die Millionenhöhe“, sagt Delakos.

Holzgerlingen hat keine mobilen Luftgerätesysteme angeschafft

Nicht investiert hat Holzgerlingen in mobile Luftreinigungsgeräte, „weil diese laut dem Umweltbundesamt nur eine Ergänzung zum Fensteröffnen sind“, sagt Delakos. „Eine Studie der Universität Stuttgart hat dies kürzlich bestätigt.“ Als sinnvoll hätten sich zentrale Lüftungsanlagen erwiesen, die es jedoch nur in neuen Gebäuden gibt. „Unsere Mensen und einige Anbauten sind damit ausgestattet. Diese sind auch mit sogenannten Covid-Filtern ausgerüstet“, so der Rathauschef.

Alle anderen Schulräume seien von Mitarbeitern des Bauamts darauf überprüft worden, ob es ausreichend Fenster zum Lüften gibt. Jedes Klassenzimmer hat darüber hinaus eine CO2-Ampel, die anzeigt, wenn der CO2-Gehalt im Klassenzimmer zunimmt – und damit auch die Virenbelastung. Dann heißt es Fenster öffnen. Regelmäßiges Lüften – das galt bereits vor den Sommerferien. „Wir hatten nur vereinzelt infizierte Schüler, die das Virus vermutlich in die Schule gebracht haben. Das zeigt, dass unser Konzept stimmt“, sagt der Bürgermeister überzeugt.

Böblingen hat insgesamt 30 Lüftungsgeräte gekauft

In Böblingen setzt man vor allem auf die Ampeln und das herkömmliche Lüften. Auch im dortigen Rathaus stützt man sich dabei auf die Studie der Stuttgarter Wissenschaftler. Nur Schulräume, die durch Fensteröffnen nicht ausreichend belüftet werden können, erhalten ein mobiles Lüftungsgerät. „Das betrifft von den rund 400 Klassenräumen in unseren 15 Schulgebäuden etwa 20 Klassenzimmer“, sagt Tobias Heizmann, Erster Bürgermeister. 30 Geräte für 120 000 Euro hätte die Stadt bestellt. Die Hälfte der Kosten übernimmt das Land. Bis Montag sollen die Geräte stehen. Länger dauern wird es wohl wohl noch, bis für alle Klassenzimmer und Kitas CO2-Ampeln da sind. Mit 100 bis 150 Euro pro Ampel rechnet Heizmann – macht mindestens 100 000 Euro, um alle Einrichtungen auszustatten.

Die Nachbarstadt Sindelfingen ist Trägerin von 17 Schulen im Stadtgebiet. In den Schulen dort soll eine Kombination aus Lüften, Belüftungsgeräten und CO2-Messinstrumenten für einen höchstmöglichen Schutz vor dem Virus sorgen. In den Sommerferien habe man im Zuge der Vorbereitungen für den Schulstart „überall dort, wo eine nicht ausreichende Belüftbarkeit der Unterrichtsräume festgestellt wurde, bauliche Maßnahmen, zum Beispiel Umbauarbeiten an Fenstern, in die Wege geleitet“, erklärt Lara Brückner, Pressesprecherin der Stadt.

Weitere CO2-Messgeräte sind angeschafft worden, insgesamt gibt es jetzt 336 Stück. Sie wurden „bedarfsorientiert“ an den Schulen verteilt. In der Frage der mobilen Luftreinigungsgeräte sagt Brückner: „Gemäß eines Gemeinderatsbeschluss wurden für einzelne, nicht ausreichend belüftbare Räume Luftreinigungssysteme bestellt.“

Testpflicht für ungeimpfte Schüler – eine Regel mit Konfliktpotenzial

Maskentragen im Unterricht, Abstandsregeln und weiterhin regelmäßige Coronatests – das gilt weiterhin in den Schulen. Wobei nicht alle Lehrkräfte glücklich über diese Regeln sind. „Geimpfte Schüler sind von der Testpflicht ausgenommen. Wir befürchten, dass es eine Spaltung in den Schulen gibt“, sagt Bürgermeister Delakos. Er ist der Meinung: „Wenn man Coronatests will, dann bitte für alle.“

In Sindelfingen wird auch getestet – zweimal pro Woche, ab dem 27. September bis zu den Herbstferien drei mal die Woche. „Die in der Corona-Verordnung vorgeschriebene Testpflicht gilt nicht für geimpfte Schülerinnen und Schüler“, betont Brückner auch aus Sindelfinger Sicht. Geimpfte Schüler seien in der Regel auch bei einem Infektionsfall in der Klasse von der Testpflicht ausgenommen, sodass sie ohne Einschränkungen am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, so die Pressesprecherin der Daimlerstadt.

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