Protest in Böblingen IBMer trommeln für zehn Prozent mehr Gehalt

Mehr als 200 IBM-Mitarbeiter kamen in ihrer Mittagspause zur Kundgebung. Foto: Stefanie Schlecht

Mehr als 200 IBM-Mitarbeiter blasen vor den Toren des Interims-Hauptsitzes in Böblingen in ihre Verdi-Trillerpfeifen: Dem Arbeitgeber schwebt eine Nullrunde vor, die Belegschaft fordert zehn Prozent mehr Gehalt. Am Dienstag wird verhandelt.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

In weiser Voraussicht hatten manche der IBMer am Mittwoch Ohrstöpsel dabei, die technikaffinen von ihnen sogar Noise-Cancelling-Kopfhörer. Aus gutem Grund: Um 13 Uhr bliesen einige der mehr als 200 Protestler in ihre Verdi-Trillerpfeifen für mehr Gehalt. Der Lärm sollte bis in die Chefetagen der IBM-Gebäude auf dem Rauhen Kapf in Böblingen dringen. Das Motto: Zehn Minuten für zehn Prozent. Ganz so kurz war die Kundgebung in der Mittagspause mit 23 Minuten zwar nicht. Doch sie war als Weckruf vor den Verhandlungen gedacht.

 

Kurios: Auf dem Gelände sollten eigentlich schon die Abrissbagger wüten. Doch aufgrund von US-Sanktionen gegen den Gebäudeeigentümer in Ehningen verlegte man im Februar kurzerhand Vertrieb und Management nach Böblingen. Die Gebäude-Querelen waren am Mittwoch aber Nebensache.

Die Belegschaft machte vor der nächsten Runde der Tarifverhandlungen am kommenden Dienstag ihrem Unmut Luft. „Null Prozent ist ein bisschen wenig“, rief Verdi-Mitglied Stephan Hiller ins Mikrofon und spielte auf die Nullrunde an, die die Arbeitgeberseite derzeit noch vorschlägt. Für Verdi-Verhandlungsführerin Dorothea Ritter ist das Nicht-Angebot gar „eine Ohrfeige ins Gesicht.“ Schließlich habe die Inflation im Land in den beiden zurückliegenden Jahren 6,9 beziehungsweise 5,9 Prozent betragen, die Belegschaft einen Reallohnverlust erlitten.

Zehn Prozent oder 500 Euro mehr Gehalt

Sie fordert eine „klare Kurskorrektur“ und ein deutliches Signal: zehn Prozent mehr Gehalt oder mindestens 500 Euro pro Monat mehr für jeden. Die Auszubildenden und Dual-Studierenden sollen ebenfalls zehn Prozent oder 170 Euro mehr bekommen. Ein spitzer Dorn im Auge sei ihr außerdem der Vorschlag, es dem Management zu überlassen, wer eine leistungsbezogene Zulage erhalte und wer nicht.

Der Verdi-Branchenbeauftragte Hans-Jürgen Rehm nannte das „Gutsherren-Willkür“ und forderte die Belegschaft zu lautstarkem Protest auf. Der DGB-Kreisvorsitzende Georg Patzek kritisierte die „veraltete Gehaltskultur“ der IBM und warnte in Zeiten des Fachkräftemangels vor einem Abwandern von Talenten: „Allen soll eine Karotte vor die Nase gehalten werden, aber belohnt wird am Ende nur einer“, sagte er.

Kluft sei „Teil des Theaters“

Die jetzige Kluft zwischen Arbeitnehmerforderung und Arbeitgeberangebot sei „Teil des Theaters“, sagte Dorothea Ritter nach der Kundgebung. Vor einem Jahr sei man mit der gleichen Forderung ins Rennen gegangen. Damals kamen 3,5 Prozent mehr heraus, im Jahr zuvor 3,2. Dennoch stünden beiden Seiten nun harte Verhandlungen bevor. IBM-Sprecher Michael Kiess vermeldete lediglich kühl, das Unternehmen kommentiere laufende Verhandlungen grundsätzlich nicht. Am Dienstag wollen sich beide Seiten in einem Konferenzhotel in Stuttgart treffen.

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