Vorbereitung auf den Leonberger Pferdemarkt Aus der Feuerwache wird ein Gasthaus

Noch stehen die Autos drin: Markus Bittler (links) und Volker Röckle im Leonberger Feuerwehrmagazin Foto: Simon Granville

Die Leonberger Feuerwache verwandelt sich jedes Jahr zum Pferdemarkt in einen riesigen Gastronomiebetrieb. Dabei vernachlässigen die Retter ihre eigentliche Aufgabe jedoch keineswegs.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Still liegt der Hof hinter der Leonberger Feuerwache im Februardunst. Ab und zu huschen am Montagnachmittag ein, zwei Wehrleute zwischen Schlauchturm und Fahrzeughalle hin und her und erledigen notwendige Arbeiten. Sogar ein Vogel singt. Die Szenerie ist fast schon idyllisch. Dass davon nur wenige Minuten später kaum mehr etwas übrig sein wird, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Die Feuerwehr wird ausrücken, zu einem Brandmeldealarm im Gewerbegebiet am Autobahnanschluss West. Der Hof auf der anderen Seite der roten Rolltore wird zugeparkt sein mit den Autos der freiwilligen Retter. Es wird alles schnell gehen – und sehr routiniert.

 

Bei den Brandschützern sitzt jeder Handgriff

Routine ist genau das Stichwort, das dem Leonberger Abteilungskommandanten Volker Röckle in den Sinn kommt, als er eine knappe Stunde vor dem Einsatz in dem großen Besprechungsraum im ersten Stock der Wache sitzt. Denn nicht nur, wenn sie zu einem Einsatz ausrücken, sitzt bei den Wehrleuten jeder Handgriff. Auch beim Pferdemarkt muss ein Rädchen reibungslos ins andere greifen – obwohl sie da etwas anderes tun als das, was eine Feuerwehr eben so tut, nämlich Brände löschen, Menschen retten. Beim Pferdemarkt sind andere Fertigkeiten gefragt: In der Fahrzeughalle und an der Bar im Außenbereich werden Gäste bewirtet – bei gutem Wetter werden am Dienstag mehr als 10 000 Menschen erwartet, die sich mit deftigen Speisen, Kuchen und natürlich allerlei Getränken stärken wollen.

Die Vorbereitungen dafür beginnen Ende dieser Woche. Und sie haben noch nicht direkt etwas mit der Verköstigung der Pferdemarkt-Besucherschar zu tun. „Am Freitag werden wir hier in diesem Raum die Einsatzleitung für den Pferdemarkt einrichten“, sagt Volker Röckle. Vertreter von Feuerwehr, Polizei, THW, Rotem Kreuz und der Stadtverwaltung werden am Dienstag im Konferenzraum vertreten sein, mit Funkgeräten und Laptops, mit Leinwänden und Echtzeitübertragungen vom Umzug. Und alles, was in Sachen Einsätze beim Pferdemarkt bei den Rettern aufschlägt, wird über diese provisorische Leitzentrale abgewickelt. „Und unten, bei der regulären Einsatzleitung, kümmern wir uns um alle weiteren Alarmierungen“, sagt Markus Bittler. Wie Volker Röckle ist auch er Teil der städtischen Referats Feuerwehr und Bevölkerungsschutz – und hauptverantwortlich für die temporäre Zentrale im ersten Stock. Sollte zum Beispiel, wie 2013 kurz vor dem Umzug, am Marktplatz eine Verkaufsbude brennen, würde der Einsatz von dort aus gelenkt werden. Aber auch Wind und Wetter seien stets Thema, sagt Bittler. Ganz allgemein gehe es „hier oben dann ganz schön wuselig zu“.

Bei der Wehr gilt am Pferdemarkt ein strenger Dienstplan

Seit Ende der 1970er Jahre verwandelt die Feuerwehr ihre Wache beim Pferdemarkt zur Gastronomie auf Zeit, so Röckle. Natürlich war der Andrang in den Anfängen nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Seit etwa zehn Jahren wird im ersten Stock koordiniert, im Erdgeschoss wird hingegen serviert. Und bei der Party in der berühmt-berüchtigten Pferdemarktbar, für die der große Carport im Hof umfunktioniert wird, gibt es mitunter auch die eine oder andere Eskalation. Das trift aber vor allem auf die Gäste zu. Für die Feuerwehrangehörigen selbst gilt beim Pferdemarkt ein strenger Dienstplan – und der besagt auch, wann sie sich einsatzbereit zu halten haben.

Dass das alles erst einmal aufgebaut werden muss, versteht sich von selbst. Am Wochenende wird der Carport ausgeräumt, in dem derzeit Container und Autos stehen. Der Außenbereich der Bar wird vorbereitet, dazu müssen Holzplatten befestigt werden. „Zum Glück gibt es genug Leute, die wissen, wo sie hingreifen müssen“, sagt Röckle.

Am Sonntag wird schließlich die Großküche am Ende der Halle aufgebaut. Dort muss zuvor selbstredend noch alles gesäubert werden, schließlich geht es um Nahrungsmittel. Es folgt der Kuchenbereich rechts des Eingangs, und auch die Toiletten werden noch mal geschrubbt. „Die Bierbänke kommen erst am Dienstagmorgen in die Halle“, erklärt Röckle. Gleichzeitig werden die zwölf Feuerwehrautos aus der Halle in den Hof umgeparkt und weiter an den Strom angeschlossen. „Insgesamt sind wir bei der Vorbereitung locker bei 1000 Arbeitsstunden, verteilt auf alle Helfer“, zählt Röckle zusammen, „fast alles ehrenamtlich.“

Um 10 Uhr am Dienstag öffnet die Wache, um 11.11 Uhr die Bar

Und dann, um 10 Uhr am Dienstag, öffnet schließlich die Halle – und um Punkt 11.11 Uhr auch die Bar. Viele Besucherinnen und Besucher des Pferdemarkts werden dann die Gelegenheit nutzen, erst über den Krämermarkt in der Steinstraße zu bummeln und sich danach in der Wache eine rote Wurst, ein gutes Stück Fleisch, Pommes und natürlich das ein oder andere Bier zu genehmigen. Und die Einkehr nach dem Umzug ist für viele ebenfalls obligatorisch. Das Speisen- und Getränkeangebot ist groß. „Und wir beziehen fast alles von hiesigen Händlern und Betrieben“, betont Volker Röckle.

Jetzt rückt die Wehr aber erst einmal aus. Denn wie gesagt: Auch das „Tagesgeschäft“ muss weiterlaufen, nicht nur am Leonberger „Nationalfeiertag“.

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