Feuerwehrleute in Schutzanzügen und ein großes Aufgebot an Einsatzkräften haben am Samstag in Weinstadt-Endersbach für Aufregung gesorgt. Ausgelöst wurde der Einsatz in einem Lebensmittelmarkt in der Strümpfelbacher Straße. Dort hatte ein 55 Jahre alter Mitarbeiter versehentlich die falschen Reinigungsmittel zusammengemischt, woraufhin sich Chlorgas bildete. Der Supermarkt wurde geräumt, der Mitarbeiter verschloss das betroffene Kühlhaus. Auch die Strümpfelbacher Straße wurde gesperrt. Die Feuerwehr konnte das Chlor bis um 22 Uhr binden und beseitigen. Verletzt wurde niemand – allerdings muss nun ein Teil der Lebensmittel vernichtet werden. Die Polizei schätzt den dadurch entstandenen Schaden auf rund 20 000 Euro.
So entsteht Chlorgas beim falschen Umgang mit Reinigern
Chlorgas kann entstehen, wenn säurehaltige Reiniger wie Essigreiniger oder Entkalker mit hypochloridhaltigem Reinigungsmittel gemischt wird, das oft als „Aktivchlor“ beworben wird. Auch im Haushaltsgebrauch sollten entsprechende Reiniger nie gemischt werden. Chlor ist bekannt in seiner Funktion als Desinfektionsmittel von Schwimmbadwasser. Auch hier ist im Umgang mit der Chemikalie und bei ihrer Dosierung Vorsicht geboten, immer wieder kommt es zu Unfällen. So trat erst Mitte März in einem Hallenbad bei Tuttlingen Chlorgas aus, sieben Grundschüler wurden verletzt. Im Juli 2023 führt ein defektes Messgerät im Murrhardter Freibad zum Austreten des Gases.
Im Zusammenhang mit Reinigungsarbeiten sind derartige Vorfälle ebenfalls nicht selten: Im Mai 2022 musste in Breisgau im Hochschwarzwald ein Lebensmittelgeschäft geräumt werden, nachdem die falschen Reinigungsmittel vermischt wurden. Im März 2022 ereignete sich ein Chlorgas-Unfall auf dem Gelände der US-Armee am Stuttgarter Flughafen. Laut der Darstellung des Militärs war auch hier ein Vermischen von Reinigungsmitteln die Ursache, mehrere Personen wurden verletzt.
Chlorgas verätzt beim Einatmen die Atemwege, kann aber auch über die Haut oder die Augen aufgenommen werden. Durch Lungenödeme, welche durch das Gas verursacht werden, kann es sogar zum Tod führen, vor allem Allergiker oder Asthmatiker sind hiervon gefährdet. Chlorgas wurde seit dem Ersten Weltkrieg sogar als chemische Waffe eingesetzt: Da es eine höhere Dichte als Luft aufweist, sinkt es nach unten, wo es sich in den Schützengräben sammelte. Bald wurde es großteils durch andere Substanzen ersetzt, die schwerere Verletzungen verursachen und schneller zum Tod führen können. Laut den Vereinten Nationen gibt es aber auch Hinweise darauf, dass die syrische Regierung das Gas mehrfach im Bürgerkrieg eingesetzt hat.
Unter den Feuerwehrleuten, die am Samstag im Einsatz waren, war übrigens auch ein prominenter Landespolitiker: Siegfried Lorek (CDU), Staatssekretär für Migration, ist Angehöriger des Gefahrgutzuges der Winnender Feuerwehr und rückte als solcher im Chemieschutzanzug an.