Vorschlag der Esslinger Grünen Yalcin Bayraktar soll Kulturbürgermeister werden

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Die Esslinger Grünen nominieren den Friedrichshafener Amtsleiter für Soziales, Familie und Jugend als Nachfolger von Markus Raab.

Yalcin Bayraktar ist der Wunschkandidat der Grünen. Foto: privat
Yalcin Bayraktar ist der Wunschkandidat der Grünen. Foto: privat

Esslingen - Die Entscheidung ist mit Spannung erwartet worden – und es ist den Esslinger Grünen tatsächlich gelungen, den Namen ihres Kandidaten bis zuletzt geheim zu halten. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist hat die Gemeinderatsfraktion der Grünen nun am Montag ihren Kandidaten für die neu zu besetzende Stelle des Ordnungs-, Sozial-, Kultur- und Schulbürgermeisters bekannt gegeben: Die Findungskommission und die Gemeinderatsfraktion haben sich dabei einstimmig für den 40-jährigen Yalcin Bayraktar ausgesprochen.

Yalcin Bayraktar würde – wird er am 11. November gewählt – vom Bodensee an den Neckar wechseln. Der in Oberschwaben beheimatete Bayraktar hat in den vergangenen fünf Jahren in Friedrichshafen zunächst als Integrationsbeauftragter, dann als Sachgebietsleiter Migration und Asyl und seit 2016 als Amtsleiter für Migration und Integration im Bodensee-Landratsamt gearbeitet. Seit 13 Monaten ist er bei der Stadt Friedrichshafen Amtsleiter für Soziales, Familie und Jugend.

Darüber hinaus ist er seit mehr als zwölf Jahren Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Türkischen Akademiker-Vereins in Ravensburg, der sich mit vielen, teilweise bundesweit beachteten Projekten – etwa einem Grundrechte-Comic – um die Integrationschancen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kümmert.

Professionell – und ein angenehmer Zeitgenosse

Dem 40-Jährigen eilt ein guter Ruf aus Friedrichshafen voraus. Nicht nur bei der Bewältigung der Flüchtlingsproblematik, so ist zu hören, habe er vorbildliche und engagierte Arbeit geleistet. Auch sonst arbeite er höchst professionell und sei darüber hinaus ein angenehmer Zeitgenosse.

Yalcin Bayraktar selbst beschreibt sich als „sozialpolitischen Menschen“, der dabei Privates und Berufliches oft nur schwer auseinanderhalten könne: „Wenn ich irgendwo Missstände sehe, kann ich nicht daran vorbeilaufen.“ Auf Esslingen freut er sich wegen des breit gefächerten Aufgabengebiets, das das neue Amt bietet – und natürlich auch wegen der größeren Gestaltungsmöglichkeiten, die der Bürgermeisterposten mit sich bringe. Als zentrale Themen der kommenden Jahre nennt er gesellschaftliche Teilhabe, die Digitalisierung und die Mobilität.

Die Esslinger Grünen sind überzeugt davon, eine gute Wahl getroffen zu haben. Carmen Tittel betont, dass der Kandidat „vielfältige Verwaltungs- und Führungserfahrung vorweisen kann und sich durch breite Fachkompetenz auszeichnet. Das waren für uns die ausschlaggebenden Kriterien, die ihn aus unserer Sicht als ausgezeichneten Kandidaten qualifizieren.“

Yalcin Bayraktar verfügt über Führungserfahrung

Bayraktar, der in Augsburg Deutsche Philologie, Politikwissenschaften und Medienpädagogik studiert hat, kenne beide Seiten des Jobs aus der Praxis: Einerseits als Führungspersönlichkeit in der Verwaltung, andererseits aus der Sicht der Sozialwirtschaft, für die er lange Jahre bei verschiedenen Trägern in Leitungspositionen gearbeitet habe.

„Wir wissen, dass dieses Bürgermeisteramt ein herausforderndes Verantwortungs- und Aufgabenfeld umfasst – mit unterschiedlichsten Personen- und Interessenskreisen. Hier braucht es eine gute Moderation und gleichzeitig Durchsetzungskraft für die besten Entscheidungen für unsere Stadt“, erklärt Carmen Tittel. Die grüne Fraktion freue sich, „mit Bayraktar einen fachlich versierten und sympathischen Bürgermeisterkandidaten vorschlagen zu können“. Als gebürtiger Schwabe bringe er frischen Wind nach Esslingen, habe den Blick von außen und verjünge die Bürgermeisterriege.

Irritationen wegen der Kandidatur von Brigitte Häfele

Zuletzt hatte es wegen der Kandidatenkür für die Bürgermeisterwahl erhebliche Irritationen in der Esslinger Gemeinderatsfraktion der Grünen gegeben: Deren stellvertretende Vorsitzende, Brigitte Häfele, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich ebenfalls zur Wahl stellen zu wollen. Parteiintern war sie mit ihrer Kandidatur gescheitert.

Auch nachdem bekannt ist, wen die Grünen nominieren, hält Brigitte Häfele an ihrer Bewerbung fest. Den Blick von außen habe sie ebenfalls, schließlich arbeite sie bei Daimler in der Wirtschaft: „Zudem kenne ich die Verhältnisse in Esslingen deutlich besser, und ich bin schon jetzt gut vernetzt.“

Weil die Grünen bei der Kommunalwahl im Mai zur stärksten Fraktion im Esslinger Gemeinderat aufgestiegen ist, hat die Partei das Vorschlagsrecht für den Posten des Kultur-, Sozial-, Sport- und Ordnungsbürgermeisters von der CDU übernommen. Der bisherige Kulturbürgermeister Markus Raab (CDU) war nach 16 Jahren aus Altersgründen aus seinem Amt ausgeschieden. Die Stelle ist seit dem 31. August vakant.




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