Das Jahr 2024 wird wohl das Jahr sein, in dem im Asemwald wegweisende Entscheidungen fallen, was die Heizung betrifft. Der Asemwald, das sind drei Hochhäuser mit insgesamt 1137 Eigentumswohnungen. Will die Stadt Stuttgart ihr Klimaziel bis 2035 erreichen und dann kein CO2 mehr ausstoßen, muss sie bis dahin beim Umbau klotzen statt kleckern.
Allerdings: Ob die Energiewende in Stuttgart zügig gelingt, hängt maßgeblich auch vom privatem Kapital und Willen ab. Wo man wieder beim Asemwald wäre. In der Wohnstadt auf der Filderebene werden circa 0,3 Prozent der Wärme in Stuttgart verbraucht. Weil in den Gebäuden so viele wie nirgendwo sonst in der Stadt beieinander wohnen, wäre der Asemwald ein wichtiger Hebel. Wenn die Mehrheit der privaten Eigentümer mitmacht.
Dabei ist noch im Ungefähren, bei was sie überhaupt mitmachen könnten. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatten die Hausverwaltung und der Verwaltungsbeirat, ein Gremium der Bewohner, eingeräumt, dass die Wohnstadt bei der Energiewende vor einer großen Herausforderung steht. Noch recht frisch sind die Ergebnisse eines Ingenieurbüros, das die Möglichkeiten aufzeigen soll. Kurz zusammengefasst: Es gebe derzeit nicht die eine Lösung, sagte Stefan Geiger von der Hausverwaltung Klauß & Partner.
Termin im Asemwald mit der Stadt Stuttgart
Jürgen Görres, der Leiter der Energieabteilung der Stadt Stuttgart, hätte da Ideen, wie sich der Asemwald auf den Energiewende-Kurs bringen ließe. Diese Themen seien teils schon vor anderthalb Jahren besprochen worden, teils sollen sie bei einem Termin, der demnächst ansteht, diskutiert werden.
Könnte Görres entscheiden, was das Beste für den Asemwald wäre, dann wäre dies ein Nahwärmenetz mit Großwärmepumpe gespeist aus Geothermie. Die Bedingungen im südlichen Stuttgart seien bei der Erdwärme nicht schlecht, sagt Görres. So ist zum Beispiel in Stuttgart-Plieningen ein weiteres Geothermie-Projekt geplant. „Rund um den Asemwald ist Potenzial vorhanden“, sagt der Leiter der Energieabteilung. Die Wärmepumpe hätte seiner Einschätzung nach die Dimension der heutigen Gasheizung.
Allerdings: An bitterkalten Wintertagen dürfte die Wärmepumpe an ihre Grenzen kommen. Daher seien die Dämmung und neue Fenster wichtig; und für die Warmwasserbereitung bräuchte jede Wohnung eine Frischwasserstation, um eine Temperatur von 45 bis 50 Grad zu gewährleisten. Das sei ein kleiner Kasten, so . Auch, um Legionellen vorzubeugen, so Görres.
„Was mir ansonsten im Asemwald total fehlt, ist das Thema Photovoltaik“, sagt er. Ob auf Sportplatz, Dach, Fassade oder Balkonbrüstungen – „das wäre gigantisch“. Und Görres hat keine Sorge wegen der Windlasten in den oberen Stockwerken? „Null.“ Es gebe Möglichkeiten, die Module wind- und sturmfest anzubringen.
Was wirklich umgesetzt wird, darauf haben Görres und die Stadtverwaltung nur bedingt Einfluss. Mit Förderungen setzen sie Anreize, mit Beratungen helfen sie bei der Entscheidung. Das gilt für den Asemwald. Das gilt letztlich aber auch für jeden anderen Stuttgarter Immobilienbesitzer. „Die Stadt kann es nicht allein machen“, sagt Görres. Dem Termin im Asemwald blickt er daher mit Neugierde entgegen. „Bisher hatten wir konstruktive Gespräche.“