Vorsicht beim Renovieren Asbest steckt noch in vielen Häusern

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Nicht nur in Häusern vor Baujahr 1993 kann Asbest stecken: Auch in Fliesenklebern, Spachtelmassen und Verputze können die gesundheitsgefährdenden Fasern enthalten sein. Was Besitzer beim Renovieren beachten sollten.

Vorsicht bei Bauwerken, die vor 1991 gebaut wurden: Sobald man anfängt, zu bohren, zu schleifen, zu stemmen oder sogenannte abrasive Arbeiten durchzuführen, können Asbestfasern freigesetzt werden. Foto: dpa
Vorsicht bei Bauwerken, die vor 1991 gebaut wurden: Sobald man anfängt, zu bohren, zu schleifen, zu stemmen oder sogenannte abrasive Arbeiten durchzuführen, können Asbestfasern freigesetzt werden. Foto: dpa

Stuttgart - Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) warnt Handwerker, aber auch Haus- und Wohnungsbesitzer, die Renovierungen vornehmen wollen, unbedingt auf Asbest zu achten: „Bei allen Gebäuden, die vor dem Jahr 1993 gebaut oder saniert worden sind, ist das Thema Asbest zwingend zu berücksichtigen“, sagt ein Sprecher unserer Zeitung.

Wie gefährlich sind Asbestfasern für die Bewohner eines Hauses?

Zunächst einmal gilt: Sind Asbestfasern fest eingebaut, bedeutet dies nicht automatisch, dass von dem Baustoff eine akute Gefahr ausgeht. Werden diese aber freigelegt – beispielsweise bei Renovierungen –, kann Asbest Krebs in der Lunge, im Kehlkopf sowie am Rippen- und Brustfell auslösen.

Welche Baujahre sind betroffen?

In den 1960er und 1970er Jahren wurde mit Abstand am meisten Asbest verbaut. Zahlreiche Schul- und Verwaltungsgebäude sind betroffen. Aber auch Altbauten, die in dieser Zeit renoviert oder im größeren Stil saniert worden sind, stecken zum Teil voll mit asbesthaltigen Materialien.

Eine Sanierung oder Renovierung steht an, – was ist zu beachten?

Sobald man anfängt, zu bohren, zu schleifen, zu stemmen oder sogenannte abrasive Arbeiten durchzuführen, können Asbestfasern freigesetzt werden. Der Verein Haus und Grund rät, dass Bauunternehmer grundsätzlich Maßnahmen gegen Stäube und Gefahrstoffe auf sämtlichen Baustellen ergreifen sollten. Gerade in Deutschland werden viele Baumaßnahmen von Laien durchgeführt. Daher müssten auch Baumärkte, der Baustoffhandel, Geräte- und Maschinenverleiher mit einbezogen und passende Informationsmaterialien entwickelt werden. Dies ist auch eine Forderung des Nationalen Asbestdialogs.

Wo überall kann Asbest enthalten sein?

In den klassischen Asbestzementplatten, in Eternit-Welldachplatten, in alter Mineralwolle, in Brandschutz- und Balkonverkleidungen, aber ebenso in Bodenbelägen im Badezimmer. Vorsicht ist also auch beim Abschlagen von Fliesen geboten, da in Fliesenklebern, aber auch in Klebern unter Parkett Asbest enthalten sein könnte. Weitere Infos bietet das Nationale Asbest-Profil Deutschland.

Wie sollten sich Bauherren verhalten?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt das Informationsblatt mit dem Titel „Asbest aufspüren und die richtigen Maßnahmen treffen“. Der Flyer ist unter diesem Titel kostenlos als PDF im Internet zu bekommen. Der wohl wichtigste Merksatz lautet: „Unterlassen Sie jede Arbeit mit Stoffen, wenn Sie nicht wissen, ob sie Asbest enthalten.“ Daher sollten in jedem Fall Proben entnommen werden. Je nachdem, welches Material untersucht werden soll, unterscheiden sich auch die Techniken zur Probenentnahme. Vermutet man Asbest in Staubablagerungen, weil die Arbeiten vielleicht schon begonnen haben, so wird der Fachmann mit einem klebrigen Staubabdruckstempel eine Probe nehmen. Wenn in das Material eingegriffen werden muss, wird die Stelle mit Wasser benetzt, an der die Probe genommen wird. So entsteht möglichst wenig Staub. Dann wird beispielsweise ein sogenannter Schleusenbeutel verwendet, bei dem durch den Beutel durchgebohrt wird, um die Probe direkt in einem staubdichten Plastikbeutel ins Labor transportieren zu können. Hinterher wird die entsprechende Entnahmestelle verspachtelt und verklebt, damit keine schädlichen Fasern freigesetzt werden.

Was kostet eine solche Analyse?

Je nachdem wie groß die Wohnung oder das Haus ist, liegen die Kosten zwischen 500 und 1000 Euro. Auch spielt es eine Rolle, wer die Probe entnimmt. Oft ist es sinn­voll, dass Profis die Proben vor Ort selbst nehmen, heißt es bei der Stiftung Warentest. Allerdings sind derartige Analysen inklusive An- und Abfahrt relativ teuer. Die Alternative: Bei vielen Prüf­instituten können Haus- oder Wohnungsbesitzer Material­proben zur Analyse einschi­cken. Das ist billiger. In diesem Fall muss der Laie aber bei der Probenahme vorsichtig vorgehen. Am besten ist es, ein ohnehin schon vorhandenes Bruch­stück an ein Prüfinstitut einzusenden – etwa in einem dicht verschlossenem Gefrierbeutel. Notfalls kann die Probe mit einem Cutter­messer auch selbst abgetrennt werden. Dazu sollte man vorher die Stelle mit spül­mittel­haltigem Wasser besprühen.

Wo findet man geeignete Prüfinstitute?

Geeignete Prüf­institute findet man zum Beispiel über Gelbe Seiten oder ähnliche Verzeich­nisse sowie über die gezielte Suche im Internet, heißt es bei der Stiftung Warentest. Es ist auch möglich, sich bei Gesund­heits- und Umwelt­ämtern zu erkundigen. Oft helfen auch die Verbraucherberatungs­stellen. In dem Preis ist dann ein Termin vor Ort enthalten, bei dem sich ein Sachverständiger alles ansieht und eine Einschätzung abgeben kann, wo im Haus überall Asbest stecken könnte. Außerdem werden die Proben fachgerecht entnommen und in einem akkreditierten Labor untersucht.

Wie funktioniert die Entsorgung?

Zum Schutz von Mensch und Umwelt muss ein systematisches Vorgehen zwingend erfolgen. Es dürfen nur zertifizierte Betriebe mit der Entsorgung beauftragt werden.