Er trifft auf seinen Ex-Club – und ist vom Klassenverbleib des VfB Stuttgart überzeugt. Wie es danach weitergeht? Will Alexander Wehrle nach Saisonende knallhart analysieren.

Er demonstrierte gute Laune, Zuversicht und Vorfreude. „Anspannung“, meinte Alexander Wehrle zwei Tage vor dem Saisonfinale in der Fußball-Bundesliga, sei „der falsche Ausdruck“. Schließlich sei die Ausgangssituation des VfB Stuttgart seit dem Sonntag ja „neu“. Und „viel, viel besser als noch vor einigen Wochen“.

Tatsächlich haben der VfB und sein Vorstandsvorsitzender am letzten Spieltag nun noch die Möglichkeit, den Abstieg auch ohne den Umweg über die Relegation zu vermeiden. Die Voraussetzungen: eine Niederlage von Hertha BSC in Dortmund. Und ein Erfolg der Stuttgarter am Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den 1. FC Köln – für den Wehrle bis vor wenigen Wochen neun Jahre lang als Geschäftsführer tätig gewesen ist.

Es geht um alles oder ein bisschen, in der möglichen Relegation um alles oder nichts. Und danach? Geht es gerade so weiter.

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Diesen Eindruck jedenfalls konnte man bekommen, als Alexander Wehrle Antworten gab auf Fragen zu den Entscheidungen nach dieser Saison. Wie geht es weiter? Mit Sven Mislintat, dem Sportdirektor? Mit Pellegrino Matarazzo, dem Cheftrainer? Mit Alexander Wehrle in seiner Zusatzfunktion als Sportvorstand? „Unser Fokus ist momentan, die Klasse zu sichern, dann in eine Saisonanalyse zu gehen, diesen Saisonverlauf zu betrachten und in die Zukunft zu schauen“, sagte Wehrle am Donnerstagmittag ganz generell – und ließ dabei Raum für Spekulationen.

Gemeinsame Analyse der Saison

Zwar verwies er auf über die Saison hinaus gültige Verträge von Mislintat und Matarazzo und lobte deren Arbeit, vor allem in der vergangenen Saison 2020/2021, als der VfB als Aufsteiger begeisterte und Talente reihenweise ihren Marktwert steigerten. Nach der geplanten Analyse, für die die Termine schon stehen, würden dann aber „alle drei“ zu Erkenntnissen gelangt sein. Und dann müsse man „besprechen, was wir in der neuen Saison anders machen werden“. Gemeinschaftlich werde entschieden, „wie wir in die neue Saison gehen“.

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Das zeigt: Wehrle lässt zwar für die aktuelle Saison mit den großen Abstiegssorgen zum Teil mildernde Umstände gelten – er betonte die Verletzungsmisere vor allem in der Hinrunde: „Das kann man nicht wegwischen.“ Der 47-Jährige ist aber auch mit dem Selbstbewusstsein nach Stuttgart zurückgekommen, eigene Sichtweisen nicht nur einzubringen, sondern auch umzusetzen. Den Kölner Aufschwung in den vergangenen Monaten – der FC hat die Conference League sicher und kann am Samstag noch die Europa League erreichen – darf er sich immerhin ans Revers heften.

Überzeugt vom Klassenverbleib

Gemeinsam mit Horst Heldt als Sportchef hatte er den Abstieg in der Relegation vermieden, den aktuellen Kölner Kader geplant und den Trainer Steffen Baumgart verpflichtet. Nach Heldts Abschied war Wehrle viele Monate alleiniger Geschäftsführer im Geißbockheim. Die Analyse dieser VfB-Saison wird – auch mit den Sport-Verantwortlichen – also alles andere als oberflächlich werden. Wovon Wehrle aber auch überzeugt ist: Dass man in einigen Tagen die Planungen für ein weiteres Jahr in der ersten Liga anschiebt.

Sogar „felsenfest“ davon überzeugt sei er, sagte der Vorstandsvorsitzende der VfB AG, dass der VfB erstklassig bleibt. Egal, ob es das Team am Samstag regelt oder dann in zwei Relegationsspielen gegen den Zweitligadritten. Obwohl viel auf dem Spiel steht.

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Ein deutliches Umsatzminus in der zweiten Liga, rund 20 Millionen Euro weniger an TV-Geldern – und wohl einige namhafte Abgänge. Zwar betonte Wehrle, der VfB müsse in Liga zwei nicht deutlich mehr Transfererlöse generieren wie im Falle des Klassenverbleibs. Spieler, die man gerne halten würde, zieht es dann aber viel eher weg aus Stuttgart. Wegen der sportlichen Perspektive – und der reduzierten Bezüge. Ein Abstieg würden den Club, der in den nächsten zwei Jahren auch den Stadionumbau finanziell und atmosphärisch stemmen muss, um mindestens ein oder zwei Jahre zurückwerfen.

Alexander Wehrle erwartet einen „Hexenkessel“

Kommen die VfB-Profis mit diesem Druck klar? Wehrle sagt: Ja. Und lässt sich auch von der Erfahrung am 24. April nicht schrecken. An jenem Sonntag hätte der VfB in der Partie bei Hertha BSC seine Ausgangslage klar verbessern können – doch das Team brachte beim 0:2 rein gar nichts zustande. Nun, versichert Alexander Wehrle, sei aber alles anders.

Die Mannschaft habe beim 2:2 in München „ein Ausrufezeichen“ gesetzt – und anders als vor drei Wochen trete sie nun zuhause an. „Es wird ein Hexenkessel“, prognostiziert der VfB-Chef, er hofft auf fast 60 000 „unfassbar laute Schwaben“ und ist sich sicher: „Die Mannschaft wird das annehmen und performen.“ Damit es sich danach etwas entspannter analysieren lässt.