Brachflächen – so zeigt sich an vielen Orten – sind eine Chance für kreative Pioniere. Gebäude stehen leer, weil die Eigentümer entweder alles neu gestalten oder gar abreißen wollen, es aber Jahre dauert, bis ihre Bauanträge durch sind. Wenn der Leerstand gute Ideen hervorruft,blühen Pop-up-Projekte mit Kultur oder Gastronomie auf. Das Zauberwort lautet: Zwischennutzung.
In unserer Zeitung hatte Dan Ostendorfer vom STR.711 Kollektiv gelesen, dass nach dem Auszug von 2000 Mitarbeitern der Wüstenrot & Württembergische Gruppe (sie sind nun im neuen W &-W-Campus in Kornwestheim) eine „Geisterstadt im Westen“ entstanden ist. Die Lage am Feuersee, findet er, ist bestens geeignet für Künstlerinnen und Künstler sowie für DJs, die sich mit ihren Ideen präsentieren und Stuttgart attraktiver machen wollen. Ostendorfer griff zum Telefon, rief die Versicherung an – und schon nach kurzer Zeit gab es grünes Licht für einen Wintermarkt.
Das Kollektiv darf aber nur die Freiflächen nutzen. „Die Gebäuden mit den Räumen gelten als Baustellen, die man nicht betreten darf“, berichtet Ostendorfer. Das brach liegende Gelände umfasst 13 000 Quadratmeter, ist so groß wie zwei Fußballfelder. „Das können wir gar nicht alles nutzen“, sagt der Sprecher der Künstlergruppe.
Noch kann man sich beim Kollektiv bewerben
Von Donnerstag, 16. November, bis Sonntag, 19. November, verwandelt sich das Areal in einen „Temporary Pop-up-Space“, in einen Wintermarkt mit Musik von DJs, Speisen und Getränken von Gastronomen. Mehrere Künstler wollen „einmalige Sinneserlebnisse auf allen Ebenen“ bieten. In Kürze wird dafür mit Plakaten und Flyer geworben. Noch können sich Interessenten bei dem Kollektiv (per E-Mail an hello@str711.de) melden, die beim Programm oder beim Verkauf mitmachen wollen.
„Der Stuttgarter Westen ist eines der am dichtesten besiedelten Wohngebiete und mittendrin findet sich mit dem leer stehenden W&W-Areal eine Oase mit viel Platz zur kreativen Entfaltung“, findet Dan Ostendorfer. Beim Wintermarkt soll es handgefertigte Geschenke, Kunsthandwerk und regionale Weihnachtsdekorationen geben. Bisher hat das Kollektiv unter anderem Dachterrassen mit Rooftop Grooves bespielt, etwa über dem Citizen Long und über den Dächern der Königstraße, selbst auf dem Riesenrad des Schlossplatzes haben sich DJs mit Musik gedreht und auch bei der Christopher-Street-Day-Hocketse war die Gruppe dabei.
Was wird aus diesem Areal?
Die Württembergische hatte 1906 ihr erstes Gebäude im Stuttgarter Westen bezogen, einen Neubau an der Ecke Johannesstraße/Gutenbergstraße. Seitdem hat sich die Versicherung mit wachsenden Aufgaben immer weiter ausgebreitet. Im Jahr 1975 genehmigte der Gemeinderat etwa den Bau der Kantine an der Gutenbergstraße, an der Rotebühlstraße sind Büros für mehrere Hundert Mitarbeiter geschaffen worden, in den 1990er Jahren wurde auch noch der Block bis zur Senefelderstraße und zur Ludwigstraße vollends bebaut.
Was wird aus diesem Areal? Noch will sich die Versicherung nicht zu ihren Plänen äußern. Nur drei Häuser sind nicht im Besitz der W&W, der Rest soll abgerissen oder saniert werden. Marode ist das mittlere Gebäude, in dem Hunderte von Stützpfosten in der Tiefgarage für Stabilität sorgen. Laut Stadt soll eine Mischung aus Wohnen, Büros und Gewerbe entstehen. In Kürze sollen sich die Gremien im Rathaus damit befassen.