Wärmeplanung in Leinfelden-Echterdingen Wie ist die Wärmewende zu schaffen?

Die Technik des Stadtwerkegebäude in Leinfelden-Echterdingen beschreibt Stadtwerkechef Peter Friedrich als vorbildhaft. Foto: /Philipp Braitinger

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen und ihre Stadtwerke wollen weg vom Gas, um bei der Wärmegewinnung bis 2040 klimaneutral zu werden. Allerdings gilt es, zuvor noch mindestens zwei Probleme auszuräumen.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen und ihre Stadtwerke müssen – wie viele andere Kommunen auch – die Wärmewende schaffen. Denn schon vom Jahr 2040 an soll die Wärmegewinnung in Leinfelden-Echterdingen klimaneutral sein. Dieses Ziel hat sich die Stadt gesetzt. „Wenn wir diese Vorgabe umsetzen wollen, kann ich nicht mehr voll auf Gas setzen“, sagt der Stadtwerkechef Peter Friedrich. Und fügt an: „Wir müssen eine 180-Grad-Wende machen“.

 

Wärmepumpen, die mit Geothermie funktionieren, sollten laut Peter Friedrich künftig das Mittel der Wahl sein. „Vorbild ist unser eigenes Gebäude“, erklärt er. Der Stadtwerke-Neubau werde im Winter mit Geothermie beheizt und so im Sommer auch gekühlt. Das sei extrem effizient, betont Friedrich. Kommunale Wärmenetze könnten beispielsweise in Leinfelden im Gebiet zwischen dem Hallenbad und der Ludwig-Uhland-Schule sowie im Neubaugebiet Kaepsele entstehen, in der Historischen Mitte von Echterdingen sowie in Echterdingen Nord in einem Energiecampus.

Der Verzicht auf Gas findet Peter Friedrich zufolge weitgehend kommunalpolitischen Konsens. Einfach aber werde die Umsetzung der geplanten Wärmewende dennoch nicht werden. Verschiedene Probleme gilt es zuvor zu meistern. Da ist zum einen das Thema Personal. Um den Umstieg zu bewältigen, wollen die Stadtwerke möglichst bald drei neue Mitarbeiter einstellen. Zwei Versorgungsingenieure und ein Wirtschaftsingenieur sollen gewonnen werden. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vor der Sommerpause diese Stellen auch bewilligt, besetzt sind sie deshalb aber noch lange nicht, wie Friedrich verdeutlicht. „Das wird extrem schwer“, sagt er. Aber auch: „Wir brauchen dieses Personal.“

Die Gesetzeslage im Bund zu diesem wichtigen Thema sei noch immer unklar. Ein weiteres Problem sei die Frage, wie die Stadtwerke den Umstieg finanziell hinbekommen werden. „Wir haben einen gewaltigen Bedarf an Kapital, das auch von der Stadt kommen muss“, sagt der Leiter der Stadtwerke. Er findet: Leinfelden-Echterdingen sollte sich ein Beispiel an Stuttgart nehmen. Dort wurde im Dezember entschieden, dass die Stadt die Stuttgarter Stadtwerke bis 2026 hierfür mit einer Milliarde Euro ausstattet. Umgerechnet auf Leinfelden-Echterdingen würde das laut Friedrich eine Investition von 62, 5 Millionen Euro bedeuten. Das aber ist bisher noch nicht vom Gemeinderat abgesegnet.

In der jüngsten Gemeinderatsitzung wurde von der CDU-Fraktion eingefordert, technologieoffen zu arbeiten. Die Freien Wähler/FDP sehen große Chancen beim Thema Wasserstoff. Zum Verständnis: Es ist momentan angedacht, die Region Stuttgart mit Wasserstoff zu versorgen. Es gibt aber laut Friedrich noch keine eindeutige Aussage dazu.

Die SPD-Fraktion erklärte dazu, dass die Menge an Wasserstoff, die bis 2030 und auch darüber hinaus produziert werden könne, noch nicht einmal dafür ausreichen werde, die Flugzeuge deutschlandweit am Himmel zu halten. Peter Friedrich sagt dazu unserer Zeitung: „Wasserstoff wird kommen.“ Aber auch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das Erdgas eins zu eins ersetzen wird.“ Wasserstoff werde als erneuerbarer Energieträger wichtig werden, für Bereiche in denen sehr hohe Temperaturen gefordert sind – beispielsweise in Zement- oder Stahlwerken. Es sei gespannt, ob es künftig wirtschaftlicher sein wird, die wenigen Tage im Jahr, wenn es draußen extrem kalt ist, mit Strom oder mit Wasserstoff abzudecken.

Ins Straucheln werden die Stadtwerke aufgrund der Wärmewende nicht kommen, betont Friedrich. Allerdings könnten sich die Netzkosten weiter verteuern und das werde dann auf die Kunden umgelegt. Will heißen, wer weiter Gas bezieht, muss wohl künftig mit noch höheren Kosten rechnen.

Fokus Klimaschutz

Klimaneutralität
 Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat sich zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 bekannt. Die örtlichen Stadtwerke müssen sich daher stärker auf den Klimaschutz fokussieren und haben dafür Handlungsfelder ausgemacht.

Handlungsfelder
 Die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen wollen regenerative, kommunale Wärmenetze aufbauen. In den kommenden Jahren sollen Öl und Gas durch Wärmequellen wie Geothermie, Solarthermie, Biomasse, grünes Gas, Außenluft oder Strom ersetzt werden. Ein Wärmecampus soll in Echterdingen – möglicherweise auch als Ersatz für die Biogasanlage – entstehen. Es soll mehr umweltfreundliche Mobilitätsangebote geben. Die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität soll weiter ausgebaut werden – auch in den Parkhäusern. Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sollen bereit gestellt werden.

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