Wahlkampf in Baden-Württemberg Grüne und Rote hoffen auf Bestätigung

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„Ich bin nicht gegen die Gemeinschaftsschule“, sagt er. „Sie kann gelingen, wenn sie Zeit bekommt und genug gutes Personal da ist.“ Aber man hätte sie länger probieren lassen sollen. „Das Projekt ist zu schnell umgesetzt worden“, meint Kremer. „Das kreide ich der Landesregierung an.“ Und: „Die Realschulen sind zu wenig mitgenommen worden.“ In Mössingen gibt es keine Realschule mehr, sie ist in einer Gemeinschaftsschule aufgegangen. Doch scheint man diese Stimmung in Stuttgart registriert zu haben, zuletzt „hat sich etwas zum Besseren verändert“, so Kremer. Spätestens als Grün-Rot von dem Plan abgelassen hat, massiv Lehrerstellen zu streichen.

Als Naturschützer stellt er fest, dass „die Regierung Fortschritte gemacht“ habe. Aber „die Vorgängerregierung war auch nicht untätig“. Auch als Naturschützer meint er, die Sache mit der Windenergie „geht in eine gute Richtung“. „Irgendwo muss man Windräder hinstellen, das stört immer.“ Aber die Planer hätten bei der Standortsuche zum Glück das nötige Problembewusstsein. „Es wäre schade, wenn das nach der Wahl anders würde.“

Schöne Erinnerungen an 2011

Grüne Ideen haben in Mössingen Tradition. Hier entstand „einer der ersten Ortsverbände, wir waren eine Keimzelle der Grünen“, sagt Ralf Stahl. Er erzählt – und wieder klingt es fast genauso wie bei den anderen Parteienvertretern: Vor einer Wahl melden sich Sympathisanten schon, „aber in der Partei macht man nicht mit“. Bei den Grünen malochen „viele, die schon Jahrzehnte dabei sind“. Die Grünen in Mössingen überlegen sich schon, ob sie selber plakatieren sollen – weil es allmählich gefährlich für sie wird, so hoch auf Leitern zu steigen. Auch Veranstaltungen plant man defensiv. „Wir haben immer wieder versucht, etwas aufzuziehen – und dann hocken sechs, sieben Leute da ...“, so der selbstständige EDV-Dienstleiter. Vor fünf Jahren war das nicht anders. Dem Ergebnis hat es nicht geschadet.

Wie war das damals? Arno Valin erinnert sich noch genau. „Es war ein tolles Gefühl, als Kretschmann gewählt wurde“, sagt der Sozi. Er glaubt, dass es auch am 13. März wieder für Grün-Rot reichen könnte. Valin sieht CDU und Grüne gleichauf bei 30 Prozent, seine SPD bei 20. Das würde ja reichen – trotz der AfD im Parlament. Die Umfragewerte schocken den Genossen gewaltig. „Die Sozialdemokratisierung der CDU durch Merkel spürt man natürlich schon“, sagt der Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt der Stadt Reutlingen.

Eine Ampel? Oder Schwarz-Grün?

„Die Hoffnung ist da“, kommentiert der Grüne Stahl den Fortbestand der Koalition in Stuttgart. Aber er zeigt auch seine Realo-Seite: „Es war nie eine Liebesheirat und wird es auch keine werden“ – die Koalition zwischen seiner Partei und der SPD. Die Grünen hätten einiges schlucken müssen. Diejenigen, die bei der SPD „jetzt dran sind“, sind ihm zu machtorientiert, gehen ihm „zu sehr nach dem Wind“. Aber Schwarz-Grün sei erst recht keine Option. Es gebe kaum Überschneidungen mit der Union. „Wenn die richtigen Leute drankommen, will ich es nicht ausschließen.“ Aber das würde zu heftigsten Diskussionen in der Grünen-Basis führen.

Wie wäre es mit einer Ampel, wenn es für Grün-Rot nicht mehr reichen sollte? Das kann sich nun Lars Fuhrmann nicht vorstellen. Er ist die FDP in Mössingen, ein aufrechter Liberaler. „Man soll nicht immer auf andere setzen“, ist seine Devise. „Baden-Württemberg ist ein freidenkerisches Land,“ sagt der Getränkehändler. „Hier ist man nicht so staatsgläubig.“ Deshalb „kann ich mir fast nicht vorstellen, dass das mit den Grünen geht“. Denn die, so Fuhrmann, hätten doch eher oberlehrerhafte Allüren, wollten gerne diktieren. Womöglich hätten CDU und Grüne da mehr Überschneidungen, sagt der Liberale.

Wirklich? CDU-Mann Abel betont die christlichen Wurzeln, die „bedeutende Rolle der Kirchen in der Stadt“. Das erwähnt sonst keiner. Die CDU sei „einen Schritt weiter“ als nach dem Debakel von 2011. Es gebe bei der Landespartei jetzt „mehr Bereitschaft, die Mitglieder einzubinden“. Im Wahlkampf müsse man das „Wir-schaffen-das“ der Kanzlerin „besser erklären“. Die Leute sollten spüren, dass man „die Gesellschaft nicht überfordern“ wolle mit der Flüchtlingspolitik. Abel setzt auf eine „Regierungsbildung nicht ohne die CDU“. „Den Rest lässt man auf sich zukommen.“

Und was sagt der ältere Herr da vor der Bäckerei?

Was glauben Sie, wie geht die Wahl aus; erleben wir wieder einen Regierungswechsel?
Ich finde den Kretschmann schon gut. Das ist einer von uns. Aber was die Partei angeht, tendiere ich eher zur CDU.
Kennen Sie den Herrn Wolf von der CDU?
Den kenne ich nur aus der Berichterstattung. Er bringt nicht so die Führungsqualitäten rüber. Aber der Strobl wär’s auch nicht. Dabei brauchen wir angesichts der Probleme, vor denen wir stehen, keine schwachen Figuren vorne dran.
Was sagen Sie zur AfD?
Wir brauchen auch keine Extreme, weder links noch rechts; das müssten wir aus unserer Geschichte gelernt haben.
Und was erwarten Sie, was passiert?
Na, es wird wohl eine Koalition aus CDU und SPD werden, oder?

Das ist dann doch eine klare Ansage.