Wahlkampf vor der OB-Wahl CDU-Kandidatenkür spaltet auch die Liberalen

Wer wird Chef im Stuttgarter Rathaus? Foto: Zweygarth
Wer wird Chef im Stuttgarter Rathaus? Foto: Zweygarth

Altstadträte empfehlen der FDP, den Unternehmer Sebastian Turner zu unterstützen. Darüber wundert sich die Ratsfraktion.

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Stuttgart - Die Kür des OB-Kandidaten der CDU für die Wahl im Herbst schlägt auch bei den Stuttgarter Liberalen Wellen. Deren Gemeinderatsfraktion verbittet sich Empfehlungen von Stadträten im Ruhestand, die auf eine Wahlempfehlung für den parteilosen Unternehmer Sebastian Turner dringen und der FDP den Verzicht auf einen eigenen Bewerber nahelegen.

Der Auslöser des Disputs ist ein Brief vom Altstadtrat Matthias Werwigk an die Stuttgarter FDP-Mitglieder. Er sorge sich vor dem Hintergrund des grün-roten Wahlsieges bei der Landtagswahl 2011 um die „ausgewogene Balance der demokratischen Kräfte“ in der Stadt und dem Land, schreibt Werwigk, dessen Partei jahrzehntelang dort zusammen mit der CDU die Mehrheit stellte – und sich dabei auch nicht auffallend um die politische Ausgewogenheit sorgte.

Werwigk für Turner

Der Ex-Stadtrat lässt keinen Zweifel daran, wen er für den geeignetsten Kandidaten des bürgerlichen Lagers hält, um einen grünen oder roten OB zu verhindern: Sebastian Turner. „Wir brauchen einen OB, der möglichst ohne Parteibrille auf alle Menschen in der Stadt zugehen kann“, schreibt Werwigk. Zudem sei Turner mit 45 Jahren jung genug, um zwei Amtszeiten auszufüllen. Der Satz, der nun die aktuelle FDP-Riege im Rathaus vergrätzt, die seit Wochen mit dem Kreisvorstand über einen eigenen Bewerber nachdenkt, lautet: „Auch wenn wir selbst keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken, sollten wir uns als politische Kraft bei der Wahl positionieren.“

Der frühere FDP-Fraktionschef Rolf Zeeb sekundierte umgehend: Er könne nicht verstehen, dass „unsere Partei“ noch vor dem mit Spannung erwarteten CDU-Parteitag „nicht unmissverständlich zum Ausdruck bringt“, dass man – wenn überhaupt – nur den unabhängigen Wirtschaftsmann Turner unterstützen könne.

Verwunderung in der Fraktion

Die sechsköpfige FDP-Fraktion wundert sich dagegen geschlossen über Werwigks Brief an die Parteibasis, insbesondere über dessen Einschätzung, die Liberalen würden auf einen eigenen Kandidaten verzichten. Ein solcher Satz sei „kontraproduktiv“. Der Altstadtrat hätte besser im Familienkreis herumgehorcht, meinen der aktuelle Fraktionschef Bernd Klingler und seine Kollegen. „Ihre werte Frau ist Mitglied der Findungskommission und weiß, dass Gespräche mit potenziellen FDP-Kandidaten laufen“, heißt es in einer Antwort an den Gatten der Ex-Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck. Tatsächlich hat sich die Runde bisher nicht auf einen Personalvorschlag verständigen können. Allerdings soll es, so der FDP-Kreischef Armin Serwani, in den nächsten Tagen Gespräche mit einem ernst zunehmenden Bewerber geben. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Anfang der kommenden Woche ein Kandidat präsentiert werde.

Fraktionschef Klingler, der in der Vergangenheit deutlich machte, dass er persönlich Turner nicht für ausreichend qualifiziert halte und deshalb den CDU-Bewerber Andreas Renner präferiere, war dafür vom Kreisvorstand gerüffelt worden. Nun liest er seinerseits Werwigk die Leviten: „Wir finden es schade, dass durch Ihren Brief der Eindruck entstanden ist, Ihre Meinung wäre die Meinung der FDP. Unsere ist es nicht“, steht in der Antwort der Fraktion auf den Wahlaufruf für Turner. Diskussionsstoff für die Kreismitgliederversammlung am Dienstag ist also garantiert.

 

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