Wahlkreis Ludwigsburg – die FDP-Kandidatin Stefanien Knecht Quereinsteigerin setzt auf Frische-Bonus

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Stefanie Knecht trat nach der Wahl-Schlappe der FDP bei der Bundestagswahl 2013 in die Partei ein. Nun will sie für die Liberalen in den Landtag – auch, wenn sie dafür im Wahlkampf die Plakate selbst kleben muss.

Stefanie Knecht ist gern geritten, sitzt aber keineswegs auf dem Hohen Ross. Foto: privat, factum
Stefanie Knecht ist gern geritten, sitzt aber keineswegs auf dem Hohen Ross. Foto: privat, factum

Ludwigsburg - Der späte Sonntagabend am 20. September 2013. Stefanie Knecht sitzt fassungslos vor dem Fernseher. Gerade eben hat die FDP bei der Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde nicht gepackt und den Einzug ins Parlament verpasst. Knecht setzt sich sofort an ihren PC und schreibt dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner eine E-Mail. Sie wird Parteimitglied der Liberalen.

Aber warum eigentlich? Was treibt eine junge Frau, die lange Zeit für die Freien Wähler aktiv war – zum Beispiel Wahlplakate für den FW-Granden Hartwig Bronner geklebt hat – dazu, der FDP beizutreten? „Ich sehe mich als bürgerrechtlich-liberal“, sagt die Immobilienverwalterin. Im Grunde ist es indirekt ihren Kindern zu verdanken, dass die Ludwigsburgerin jetzt als Kandidatin der Liberalen in ihrem Wahlkreis antritt. Sie sei kurz davor gewesen, für die Freien Wähler als Stadträtin zu kandidieren – doch dann kamen die Kinder. „Dann musste halt mein damaliger Mann ran“ – gemeint ist der Gastronom Andreas Rothacker, der bis heute im Gemeinderat sitzt. Die beiden leben inzwischen „freundschaftlich in Scheidung“, sagt Knecht.

2013 trat Knecht in die FDP ein – nach der Bundestagswahl

Das Vorurteil der Quereinsteigerin, der Amateurin im politischen Geschäft, die nicht auf alle Fragen gleich eine kluge Antwort parat hat, stört Stefanie Knecht nicht. Im Gegenteil: sie sieht darin ihr Markenzeichen und durchaus einen Vorteil. Oft werde sie im Wahlkampf auf Probleme angesprochen, die ihr neu seien. „Aber solche Fragen sind gut, ich lerne jeden Tag dazu“, sagt die durchaus sympathisch wirkende Kauffrau und Mutter, „keiner kann auf alles immer eine gute Antwort haben.“ Ihr Stil sei daher anders: Meist notiere sie die Kontaktdaten ihres Gesprächspartners, informiere sich und liefere dann per Mail ihre Meinung nach. „Wissenslücken sind mir nicht peinlich, ein Politiker muss auch mal zuhören können.“

Warum sie sich trotz ihres knappen Zeitbudgets eine Kandidatur antut? „Ich war schon immer politisch, im Elternhaus war Politik allgegenwärtig.“ Als Studentin habe sie sogar einmal gegen Studiengebühren protestiert – heute sieht sie die Sache differenzierter. Sie wolle im Landtag dazu beitragen, dass individuelle Freiheit und Eigenverantwortung gefördert und unnötige Bürokratie abgebaut werde. „Das ist meine Motivation als Mutter: ich möchte die Menschen stark machen.“

12-Stunden-Tage sind gerade der Normalfall

Dass ihr mit ihrer Kandidatur allenfalls Außenseiterchancen zugesprochen werden, ficht sie nicht an. Prognosen oder Vorab-Kalkulationen hält sie für überflüssig. „Die Wähler werden am Wahltag entscheiden. Punkt“, sagt Stefanie Knecht. Sie ist stolz darauf, als Bewerberin einer kleinen Partei viel im Wahlkampf selbst machen zu müssen – zum Beispiel Plakate kleben. Auch, wenn bei ihr zurzeit 12-Stunden-Tage der Normalfall seien.

Ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe habe sie eines gelehrt: es sei zwingend nötig, dass alle Flüchtlinge bei der Einreise registriert werden, um Missbrauch zu vermeiden. Das funktioniere leider noch nicht richtig. Zurzeit habe sie das Gefühl, „dass der Staat in der Flüchtlingsfrage versagt hat – und das Ehrenamt muss es auffangen“. Grenz-Hotspots zur Erfassung der Einwanderer seien deshalb zwingend nötig, „sonst wird der Rechtsstaat massiv in Frage gestellt“.