Kinderlachen und Regenrauschen liegen in der Luft an diesem nassen Mittwochmorgen im Waldheim der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) an der Heuwegflosche. Einige sitzen noch beim Frühstück, andere wuseln schon über das weitläufige Gelände am Waldrand. Sie klettern, schaukeln und toben. Der bindfadenartige Dauerregen scheint hier niemanden großartig zu interessieren.
„An alle, die noch keine Regenjacke anhaben“, dröhnt eine Durchsage über die Lautsprecher, „zieht sie euch bitte an und kommt nach draußen.“ Dort wartet nämlich schon jemand auf die Kinder. Es sind Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann und Jugendamtsleiter Josef Fischer, die an diesem Vormittag auf Waldheim-Besuchstour sind. Die Helfermannschaft um das pädagogische Leitungsduo Laura Kurz und Franziska Gruber hat passend zum diesjährigen Mittelalter-Motto ein Wettkampfspielchen vorbereitet. Tobias Heizmann darf dabei gegen den zwölfjährigen Lars aus Malmsheim antreten und sein Wissen rund um Ritter und Burgen unter Beweis stellen.
„Wir waren schon zu Pfingsten ausgebucht.“
Zuvor hatten Organisationsleiterin Julia Tenaglia und AWO-Geschäftsführer Thomas Brenner die Gäste aus dem Böblinger Rathaus auf den neuesten Stand gebracht: Knapp 40 meist jugendliche Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich in dieser Woche um 200 und kommende Woche um 170 Kinder. Den Betreuungsschlüssel von 1:7 einzuhalten, funktioniere hier recht gut, zumal viele der Ehemaligen dem Waldheim treu bleiben und schon mit Erreichen des 14. Lebensjahres als „Trainees“ mithelfen würden.
Bereits seit 1949 findet das AWO-Waldheim am Böblinger Ostrand – von einer pandemiebedingten Ausnahme abgesehen – jedes Jahr statt. Die Nachfrage ist offenbar unverändert groß: „Wir waren schon zu Pfingsten ausgebucht“, sagt Julia Tenaglia. Gegen eine Gebühr von 120 Euro (abzüglich Ermäßigungen je nach Wohnort und finanzieller Ausstattung der Familien) sind die Kinder jeweils von 8.30 bis 17 Uhr versorgt.
Anders als im Waldheim Tannenberg klappt hier der Bustransport: Vier Linien bringen die Kinder morgens her und holen sie abends wieder ab. Allerdings habe man auch bei der AWO zunächst bangen müssen, berichtet Julia Tenaglia – nur gab es hier etwas mehr Vorlauf, denn das Böblinger Busunternehmen Pflieger habe schon Anfang Juni abgesagt. Schließlich sei man bei einem Stuttgarter Anbieter gelandet.
Wenige Kilometer Luftlinie entfernt, am Ende des Murkenbachwegs, veranstaltet das Evangelische Jugendwerk (EJW) gerade sein Waldheim am Tannenberg. Um die seit 1952 angebotene Ferienfreizeit hatte es zuletzt einige Aufregung gegeben, weil das beauftragte Busunternehmen hier erst sehr kurzfristig abgesagt hatte und das EJW auch bei 27 weiteren Firmen abgeblitzt war. „Die Lösung, die wir gefunden haben, funktioniert“, kann Waldheim-Leiterin Claudia Kächele mittlerweile aber Entwarnung geben.
Statt Verkehrschaos gibt es Anwohnerlob
Die Eltern hätten Fahrgemeinschaften gebildet, man habe entlang der Strecke 15 Helfer im Einsatz und zudem vier Koordinatoren für den kurzerhand zur Bring- und Abholstelle umfunktionierten Bolzplatz. „55 Autos passen da drauf“, sagt Claudia Kächele in Richtung von Jugendamtsleiter Josef Fischer. Der Pendelverkehr auf der engen Zufahrtsstraße funktioniere jetzt reibungsloser als sonst mit den Bussen. „Es gab dafür sogar schon Lob von den Anwohnern“, lächelt Kächele.
300 Kinder nehmen am Waldheim Tannenberg teil, 350 in der kommenden und „nur“ 150 in der dritten Woche. „Da sind dann aber 14 Minis angemeldet“, verweist Kächele, die hier alle nur Claudi nennen, auf drei- bis fünfjährige Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf. Hinzu kommen fünf Inklusionskinder.
Über die drei Wochen sind insgesamt 138 Betreuungskräfte im Einsatz. Zum Teil müsse man dabei improvisieren. „Viele Unis und FHs legen Prüfungen mittlerweile in die Ferienwochen“, erklärt Kächele, warum man die Gruppengrößen und die Helferteams manchmal entsprechend anpassen müsse.