Wandern im Schönbuch Wanderweg berichtet über Arbeit der Vergangenheit
Auf der neuen Zeitsprung-Runde bei Gärtringen-Rohrau geben sechs Schautafeln Einblicke in den Lebensalltag vergangener Generationen – ehrenamtliches Engagement ebnete den Weg.
Auf der neuen Zeitsprung-Runde bei Gärtringen-Rohrau geben sechs Schautafeln Einblicke in den Lebensalltag vergangener Generationen – ehrenamtliches Engagement ebnete den Weg.
Ein lang gezogener, tiefer Geländeeinschnitt, der sich den Schönbuchhang zum Rohrauer Schlossberg hinaufwindet und eine vermeintliche Bodenvertiefung neben dem Wegesrand am Schönbuchtrauf haben eines gemeinsam: Sie zeugen als Spuren vom Leben und Arbeiten vergangener Generationen. Denn bei der Geländevertiefung handelt es sich um einen über Jahrhunderte durch Nutzung entstandenen Hohlweg und die Bodensenkung ist durch den Abbau von Sandstein entstanden.
Diese und weitere Bodendenkmäler rund um Rohrau für die breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen, hatten sich die fünf Mitglieder der Gruppe „Bodendenkmale“, die sich innerhalb des Vereins „Zeitsprung – Ortsgeschichte Gärtringen/Rohrau“ gebildet hat, auf die Fahne geschrieben. Jede Menge Beharrlichkeit war auf dem Weg von der Idee von Gruppenleiter Wolfgang Losert im Jahr 2016 bis zur Realisierung gefragt. Auch viele Akteure mussten dabei gemeinsam an einem Strang ziehen, wie die zahlreichen Grußworte bei der offiziellen Einweihung des neuen Rundwanderwegs am Freitagnachmittag zeigten.
„Sie haben durchgehalten“, freute sich beispielsweise Christine Bengel-Fritz, die stellvertretende Geschäftsführerin des Naturpark Schönbuchs, die für die Besucherlenkung zuständig ist. „Ohne den Naturpark hätte das nie funktioniert“, betonte Torsten Widmann die gute Zusammenarbeit – auch mit dem Staatsforst. Widmann, der sowohl als Rohrauer Ortsvorsteher als auch als Vereinsvorsitzender in das Projekt involviert war, lobte das Ergebnis in den höchsten Tönen: „Ein weiterer Edelstein“ bereichere nun die ‚Perle am Schönbuchrand‘.
Dem Lob für dieses Engagement schlossen sich auch Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch und Katalin Puster an, die den Entstehungsprozess der sechs Schautafeln als Volontärin beim Landesamt für Denkmalpflege fachlich begleitet hat. Insbesondere wenn es darum gehe, lokale Denkmale der Öffentlichkeit zu präsentieren, sei die Behörde auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen, so Puster weiter. Die Zeitsprung-Runde ist aus ihrer Sicht „perfekt“, um einen Blick für die Geländedenkmäler der Umgebung zu entwickeln. Genau dieses Ansinnen hat die Gruppe angetrieben, betonte Beate Losert – auch mit dem Hintergedanken, dass historische Hinterlassenschaften nur dann zukünftig vor Zerstörung geschützt werden können, wenn ihre Existenz überhaupt bekannt ist.
Interessierte können nun im wahrsten Sinn in die Historie „eintauchen“, wenn sie die Rundwanderung durch den Hohlweg führt. Mit etwas Fantasie wird zudem das harte Leben der Rohrauer greifbar, die früher mit Spitzhacken und anderem Werkzeug Sandstein abgebaut und in Sandmühlen zu Feg- und Scheuersand weiterverarbeitet haben. Der Mahlgang einer solcher Mühle beim Rohrauer Waldspielplatz bildet den Aufhänger für eine weitere Tafel auf dem Rundweg.
Auch dem Gipsabbau, der einst als Dünger benutzt wurde, wird thematisiert. Weitere Themen auf der Runde sind Grenzsteine und wie diese gegen Positionsveränderungen geschützt wurden. Außerdem wird der Frage nachgegangen, was es mit dem einstigen „Wildbann“, von dem heute noch ein niedriger Erdwall samt flachem Graben zeugt, der sich am Rohrauer Waldrand entlangzieht, auf sich hat.
Länge und Höhendifferenz
Rund 4,5 Kilometer lang ist die Wanderrunde, die von Rohrau an den Schönbuchtrauf hinauf- und wieder zurückführt. Knapp 100 Meter Höhendifferenz liegen zwischen tiefstem und höchstem Punkt.
Wegbeschaffenheit
Asphaltierte Abschnitte gehören ebenso zur Strecke wie geschotterte Forstwege sowie Naturwege und -pfade.
Startpunkte
Der Rohrauer Sportplatz oder der Wanderparkplatz „Rohrauer Köpfe“ gegenüber dem Rohrauer Waldspielplatz bieten sich als Einstiegspunkte für die Rundwanderung an.
Markierung
Die grünen Rundweg-Wegweiser des Naturparks Schönbuch weisen auf die Zeitsprung-Runde hin. Zusätzliche Orientierung bieten kleine weiße Schilder mit einem gelben Ring als Symbol.