Bei einer Wanderung im Kleinwalsertal geraten Schüler und Lehrer aus dem Raum Ludwigshafen in Not. Die Bergwacht rettet 107 Personen mit Hubschraubern. Ein Bergsteiger erklärt, was schief gelaufen ist.

Das haben sich die 99 Schüler und acht Lehrer aus Maxdorf, nahe Ludwigshafen, sicherlich anders vorgestellt, als sie am Dienstagnachmittag bei schönem Wetter im österreichischen Kleinwalsertal zu einer Wanderung zum Walmendingerhorn aufgebrochen sind. Hatten sich die Lehrkräfte doch eine „klassische Feierabendroute“ für die Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren ausgesucht.

Stattdessen musste die Gruppe wenige Stunden später von der Bergwacht mit zwei Hubschraubern gerettet werden: Sie brachten die völlig erschöpften und aufgelösten Jugendlichen zu einem Zwischenlandeplatz, von wo sie mit Fahrzeugen der Bergrettung und Feuerwehr zurück in ihre Unterkunft gefahren worden sind.

Der Grund für die dramatische Rettungsaktion: Die Lehrer hatten im Internet diese Tour ausgewählt – in dem Glauben, sie sei für ihre Schüler geeignet. Dabei ist die Route, die über den Heuberggrat zum Walmendingerhorn führt, nicht mehr in offiziellen Wanderführern zu finden. Nach Angaben der Polizei Vorarlberg verfüge sie über Kletterpassagen, die Schwindelfreiheit, Trittsicherheit sowie Erfahrung im alpinen Gelände erfordere.

Regen macht Wege rutschig

Hinzu kam, dass der Boden vom Regen in den Vortagen nass und rutschig gewesen sei. Doch nicht nur wegen der Beschaffenheit des Weges, sondern auch mit Blick auf die Ausrüstung und Fähigkeiten der Jugendlichen findet die Polizei, dass die Tour für Jugendliche zu schwer sei.

Schüler verletzten sich bei Versuch umzukehren

Das habe auch eine Lehrkraft realisiert. Diese habe sich dazu entschieden, mit einer Gruppe von Schülern umzudrehen. Dabei seien zwei Jugendliche abgerutscht und hätten sich leichte Verletzungen am Oberkörper und den Beinen zugezogen. Daraufhin seien einige Schüler in Panik verfallen. Schließlich setzten die Lehrer einen Notruf ab.

Internet als Reiseführer

Laut Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein komme es in den vergangenen Jahren immer häufiger vor, dass sich Personen zu sehr auf Internetbeschreibungen von Wandertouren verlassen und sich dann auf Routen begeben, denen sie nicht gewachsen sind. „Problematisch sind nicht die Tourenportale, sondern Social Media“, sagt der Leiter des Ressorts Sportentwicklung. „Personen sehen auf Instagram Bilder und denken sich, da will ich auch hin, ohne sich weiter zu informieren“, erklärt er.

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Im Gegensatz zu den Posts auf Social Media gäbe es bei den Einträgen auf Tourenportalen ausführliche Informationen über die Routen sowie Bilder, die auf die Gefahren hinweisen. Allerdings sind auch diese genau zu lesen, warnt Stefan Winter: So haben etwa bei der Tour zum Walmendingerhorn die Verfasser des Eintrags zu sehr ihre subjektive Meinung einfließen lassen: Sie beschrieben die Route für sie als erfahrene Bergsteiger als einfach.

Große Wandergruppen schnell in Panik

Grundsätzlich sei es wichtig, Wanderungen mit kleineren Gruppen vorzunehmen. Mehr als 20 Personen sollten es nicht sein, sagt Stefan Winter. Das habe der Vorfall im Kleinwalsertal gezeigt: „Wenn etwas passiert, dann lässt sich eine große Gruppe schwieriger betreuen“, erklärt er.

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Um eine solche Schreckenswanderung wie die der Pfälzer zu verhindern, rät Winter zu einer systematischen Tourplanung. Diese umfasse drei Punkte: Erstens müsse man sich vor Ort über die Verhältnisse informieren. Zweitens sollte der Schwierigkeitsgrad abgeklärt werden. Und drittens sei es wichtig, sich zu überlegen, ob alle Teilnehmer körperlich den Anforderungen der Route gewachsen sind.

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