Wangen Das Bezirksrathaus ist endlich barrierefrei

Von Mathias Kuhn 

Ohne steile Treppen ins Bezirksrathaus in Wangen. Der neue Aufzug machts möglich. Zeitgleich wurden die Räume der Bezirksverwaltung neu gestaltet.

Barrierefrei ins  Bürgerbüro: Ein Bürger aus   Heumaden kam extra  nach Wangen gefahren, weil es dort einen Lift   gibt. Foto: Kuhn Foto:  
Barrierefrei ins Bürgerbüro: Ein Bürger aus Heumaden kam extra nach Wangen gefahren, weil es dort einen Lift gibt. Foto: Kuhn

Wangen - Noch stehen Farbeimer im neuen Flur, an einigen Stellen hängen Leitungen von der Decke und in den Räumen links und rechts des Büros der Bezirksvorsteherin stehen die Handwerker auf Leitern. Die Wände werden tapeziert und gestrichen. „Die nervenaufreibendsten Tage haben wir aber hinter uns“, sagt Bezirksvorsteherin Beate Dietrich. Seit mehr als einem Jahr gehen Handwerker im Bezirksrathaus ein und aus, es wird gehämmert und gebohrt, werden Leitungen gezogen, Wände versetzt und neue Durchbrüche geschaffen. „Alles unter laufendem Betrieb“, betont Dietrich und bedankt sich bei ihren Kolleginnen und Kollegen sowie den Besuchern dafür, dass sie Lärm, Staub und Schmutz ertragen haben. Was die Bürger von außen nicht sehen: Das denkmalgeschützte Rathausgebäude erhielt innen eine neue Struktur. Räume wurden neu angeordnet und saniert. Auslöser der Modernisierung war der Wunsch nach dem barrierefreien Zugang. Die steilen Treppen am Marktplatz waren für Gehbehinderte oder Eltern mit Kinderwagen ein unüberwindliches Hindernis. Jahrelang suchten Planer nach Lösungen. Eine lang gezogene Rampe stand zur Auswahl, wurde aber abgelehnt.

Die Alternative: ein Aufzug. Vom Denkmalschutz wurde ein Zugang von der Hinterseite akzeptiert. Dies erforderte allerdings aufwendige Umgestaltungsmaßnahmen. Die bisherigen Toiletten und ein Teil des früheren Bürgerbüros fielen dem Aufzugschacht zum Opfer. Dies hatte im Erdgeschoss zur Folge, dass das Bürgerbüro auf die andere Seite des Flurs wechselte. Das einstige Sitzungszimmer mit Blick auf den Marktplatz wurde zur Anlaufstelle für Bürger. Dort können Stuttgarter jetzt ihre Pässe beantragen, Kraftfahrzeuge ummelden, Führerscheine abholen und den Wohnsitz ab- oder anmelden. Auf der anderen Seite des Flurs hat das Jobcenter eigene, nun restaurierte Räume erhalten.

Erreichbar sind das hoch gelegene Erdgeschoss sowie das erste Stockwerk mit den Büros der Bezirksverwaltung über den neuen Aufzug. „Er wurde vor Kurzem vom TÜV freigegeben und ist jetzt während der regulären Öffnungszeiten in Betrieb“, sagt Renate Markgraf, die stellvertretende Bezirksvorsteherin beim Rundgang. Erreichbar ist der Lift – ebenerdig – über den Hinterhof. Die Parkplätze und der Hofbereich wurden neu gestaltet, ein Behinderten-Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Aufzugs eingerichtet. Von dort bringt der geräumige Aufzug die Bürgerinnen und Bürger direkt ins gewünschte Stockwerk. Die neue Möglichkeit hat sich bereits herumgesprochen. Etliche, auch ältere Bürger umgehen die steilen Treppenstufen und lassen sich mit dem Aufzug bequem zur Bezirksvorsteherin oder zu anderen Ansprechpartnern fahren. „Ein toller Service“, lobt ein Bürger aus Heumaden. Er sei deswegen extra nach Wangen gefahren.

Noch versperren dem Rollstuhlfahrer im ersten Stock Farbkübel, Leitern und Werkzeug den Weg. Für die Handwerker hat der Endspurt begonnen. Das Stockwerk ist kaum wiederzuerkennen. Ein langer Flur führt von Dietrichs Büro nach hinten. Er ist neu entstanden. Zuvor waren die Räume direkt verbunden. Bürger mussten durchs Büro eines Mitarbeiters zum gewünschten Sachbearbeiter geführt werden. Durch den neuen Gang sind die Büros nun voneinander getrennt. Diskretion und Datenschutz werden gewahrt. „Durch die Umstrukturierung hat das Rathaus gewonnen, wir haben attraktivere Arbeitsplätze und einen Sozialraum erhalten“, sagt Dietrich. Es müssten zwar noch einige kosmetische Arbeiten erledigt und die Räume neben Dietrichs Büro eingerichtet werden. Der kleinere wird die Registratur beherbergen, der andere – das frühere Vorzimmer der Bezirksvorsteherin samt Standesamt – wird zum Trauraum. „Paare, die nicht im Keltersaal getraut werden wollen, können dort im Rathaus den Bund fürs Leben schließen. Unentgeltlich“, so Dietrich. Der Raum könne zudem für Besprechungen genutzt werden. Sobald alle Arbeiten abgeschlossen sind, werde dies mit einem Tag der offenen Tür für die Bürger gefeiert.

Das Bezirksamt Wangen mit den Dienststellen Allgemeine Verwaltung, Bürgerinformation, Soziale Leistungen, Rentenstelle und Standesamt ist am Donnerstag, 14. November, wegen eines internen Umzuges geschlossen. In dringenden Fällen ist die Dienststelle unter der Rufnummer 216-57270 erreichbar.

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