Was taugen die Konzerthauspläne am Neckar? Chance für die Musikstadt Stuttgart

Von der Sektkellerei zum Konzertsaal? Aus dem Rilling-Sekt-Gebäude könnte ein kultureller Hotspot am Neckar werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Konzertforum am Neckar könnte in der Musikstadt Stuttgart einige Probleme lösen und den Neckar endlich kulturell aufwerten. Doch manchen Interessen dürfte das Projekt auch zuwiderlaufen, kommentiert unsere Mitarbeiterin Susanne Benda.

Stell dir vor, einer will dir Geld schenken, und du sagst: Nein. Schön blöd, oder? Zugegeben, ganz so schlicht ist die Sache nicht, aber tatsächlich befeuert jetzt eine private Anschubfinanzierung die zähe Diskussion um ein neues Konzerthaus in Stuttgart. Der Deal: Knapp ein Drittel der Baukosten von 80 Millionen Euro tragen private Förderer, zwei Drittel die Stadt. Auch die laufenden Kosten von jährlich etwa 370 000 Euro müssten aus dem Stadtsäckel kommen. Im Gegenzug hätte Stuttgart das Problem einer Interimsspielstätte für seine Philharmoniker während der Sanierung des Siegle-Hauses gelöst. Die Stadt würde 2027 über ein nachhaltig gebautes Vorzeigeprojekt zur IBA verfügen. Und sie würde die Achse zwischen Stuttgart und Multikulti-Bad Cannstatt kulturell und gastronomisch beleben.

 

Chance für die Stadtgesellschaft an der Peripherie

In Hamburg hat die Elbphilharmonie bewiesen, wie geschätzte 77 Millionen Baukosten explodieren können. Allerdings wurde dort 16 Jahre lang geplant und gebaut. Beim Konzertforum am Neckar wären es bei gutem Willen etwa vier. Danach gäbe es ein Konzerthaus, dessen Saalgröße dem derzeitigen Publikumstrend bei Klassikkonzerten widerspiegelte – eine ideale Heimat für Kammerorchester, Philharmoniker, womöglich auch die Bachakademie. Eine Chance nicht nur für die Musikstadt Stuttgart, sondern auch für die bunte Stadtgesellschaft an der Peripherie, die ausdrücklich eingeladen werden soll. Allein der Konzerthaus-Initiative, die um ein großes Gebäude mit einem 1600-Plätze-Saal kämpft, dürfte das neue Projekt im Magen liegen.

Ja, es braucht auch ein neues Gebäude für das SWR-Symphonieorchester und für die großen Gastensembles in den Konzertreihen der SKS Russ. Aber sollte der Gemeinderat den Neckar-Deal annehmen, dürfte das sein Engagement für ein zusätzliches Konzerthaus deutlich mindern. Schließlich gibt es noch die alte Liederhalle. Dort jedoch präsentiert sich Kultur immer noch so, wie sie einem jungen Publikum nicht entgegenkommt: von oben herab.

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