Was tun für mehr Klimaschutz? Bewusstsein allein reicht nicht

Die Proteste für einen schnellen Kohleausstieg werden häufiger. Foto: dpa

Der Klimawandel ist im öffentlichen Bewusstsein. Doch allzu selten ziehen die Menschen auch im Privatleben daraus die richtigen Konsequenzen, kommentiert Hanna Spanhel.

Stuttgart - Keine Frage, Nachhaltigkeit liegt im Trend. Das haben Tausende von jungen Menschen am Wochenende bei den Anti-Kohle-Protesten in Garzweiler wieder bewiesen. Aber auch im Alltag zeigt sich ein Wandel: In den Städten öffnen Unverpackt-Läden und Faire-Mode-Boutiquen, in den Regalen der Drogeriemärkte finden sich Bambus-Zahnbürsten, Supermärkte werben mit wiederverwendbaren Gemüsenetzen. Dass selbst große Handelskonzerne auf solche Angebote setzen, zeigt den Bedarf – und das wachsende Bewusstsein. Kein Wunder – die große Mehrheit der Deutschen, das ergab eine repräsentative Studie des Bundesumweltministeriums, hält Klimaschutz für sehr wichtig. 96 Prozent meinen, dass die Verantwortung für eine intakte Umwelt bei jedem und jeder Einzelnen liegt. Das Problem ist nur: Kaum jemand verhält sich so.

 

Der Alltag bremst das Bewusstsein

Tatsächlich wird der ökologische Fußabdruck der Deutschen seit Jahren nicht kleiner. Dass Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, hat einen einfachen Grund: Auch wer umweltbewusst denkt, lebt meist nicht so. 2016 hat das Umweltbundesamt in einer Studie gezeigt, dass Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen zwar gerne mal zu Bioprodukten greifen, sie haben trotzdem oft eine schlechtere Ökobilanz als Geringverdiener. Wer mehr Geld hat, verreist häufiger und in weiter entfernte Regionen, fährt ein größeres Auto, lebt in einer größeren Wohnung. Mobilität, Wohnen und Ernährung aber sind die Lebensbereiche, die die eigene Klimabilanz entscheidend beeinflussen.

Während die Treibhausgasemissionen in manchen Bereichen tatsächlich zurückgehen, sieht es anderswo schlechter aus. So sind Automotoren heute zwar effizienter, gleichzeitig werden die Fahrzeuge größer – und zahlreicher. Die Emissionen im Verkehr sind seit 1990 so gut wie nicht gesunken. Dabei findet etwa die Hälfte der Deutschen, dass umweltfreundlicher Verkehr Priorität haben soll. Das zeigt, dass der Wunsch nach Veränderung da ist – nur kommen ihm Alltagszwänge, fehlende Alternativen, Bequemlichkeit oder die Kosten in die Quere. Das ist nicht nur beim Umweltschutz so, sondern auch beim Tierschutz, wie das Beispiel der massenhaften Tötung von Küken zeigt.

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Auch die Großen müssen handeln

Wer im Alltag umweltbewusster leben will, muss deutlich stärker als bisher an den Stellschrauben drehen: Fahrrad oder Bahn fahren statt Auto, Urlaub in der Region machen statt wegfliegen, mehr Gemüse essen statt Fleisch, die Wohnung energetisch sanieren oder gleich in eine kleinere ziehen. Das reicht weit und ist unbequemer, als ab und an zu Bioprodukten zu greifen. Doch es wäre blauäugig zu glauben, dass alles weitergehen kann wie bisher – und Klimaschutz von ganz alleine passiert. Genauso vermessen wäre es zu argumentieren, dass die Vielfliegerei, die kurze Autofahrt zum Briefkasten oder der tägliche Fleischkonsum ein unverzichtbares Menschenrecht ist. Wer nur ein paar Jahrzehnte zurückdenkt, weiß, dass es auch anders geht. Der Lebensstandard, den wir heute hierzulande haben, hat gravierende Kosten – und die sind bislang viel zu wenig spürbar.

Dass jede und jeder Einzelne nachhaltiger handeln kann, entlastet Industrie und Politik aber keineswegs. Allzu oft berufen diese Akteure sich auf die vermeintlich handlungsunwilligen Verbraucher – und verfehlen dabei sämtliche ihrer selbst gesteckten Klimaziele. Selbst die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg wagt sich nicht an echte Veränderungen. Doch ohne Anreize, ohne die richtigen politischen Rahmenbedingungen wird eine ökologische Wende nicht gelingen. Der Wunsch, dass sich etwas ändert, ist da. Aber ohne Unterstützung durch die großen Spieler geht es nicht.

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