Wasseraufbereitungsanlage Provokation oder Notwendigkeit?

Von Markus Heffner 

Die Bahn hat die Bäume im Schlossgarten fällen lassen, um dort eine Sicherungsanlage zum Schtz des Mineralwasservorkommens aufzubauen.

Auf der freigeräumten Fläche im Schlossgarten soll eine zentrale Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut werden. Foto: dpa
Auf der freigeräumten Fläche im Schlossgarten soll eine zentrale Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut werden. Foto: dpa
Stuttgart - Immer noch wird zwischen den Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 und den Befürwortern heftig darüber gestritten, ob ein Teil der Bäume, die im Stuttgarter Schlossgarten dem Vorhaben weichen müssen, schon zu einem so frühen Zeit hätten gefällt werden müssen. Die Projektgegner halten die nächtliche "Abholzaktion" zum frühestmöglichen Zeitpunkt für eine Provokation und "obszöne Machtdemonstration". Befürworter sprechen von einem legitimen und notwendigen Schritt.

Die beiden Stuttgart-21-Projektsprecher Udo Andriof und Wolfgang Dietrich hatten noch einen Tag vor dem Einsatz im Schlossgarten angekündigt, dass bis Ende Februar nächsten Jahres 105 Bäume rund um den Bahnhof gefällt werden. Dass damit gleich eine Stunde nach Beginn des rechtlich möglichen Zeitraums zwischen dem 1. Oktober und dem 1. März begonnen wurde, begründet das Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm mit den Vorarbeiten für das sogenannte Grundwassermanagement.

Die Bahn ist durch zahlreiche Auflagen in den Planfeststellungsbeschlüssen zum Schutz der Stuttgarter Mineralwasservorkommen verpflichtet. Zu diesem Zweck soll im Schlossgarten auf etwa 1000 Quadratmetern der "freigeräumten Fläche" eine zentrale Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut werden. Daran angeschlossen wird ein 17 Kilometer langes Netz an oberirdischen Wasserleitungen, durch die dann das aus den Baugruben abgepumpte Grundwasser in die Wiederaufbereitungsanlage geleitet wird. Dort wird das Wasser gereinigt und anschließend wieder ins Erdreich infiltriert, um das Grundwasserniveau stabil und damit den Druck auf das darunter liegende Mineralwasservorkommen aufrechtzuerhalten.

Gleichzeitig können in der Anlage laut Bahn alle relevanten Daten und etwaigen Veränderungen im Wasser erfasst und überwacht werden. Seit Juli 2009 wurden dafür an 90 Messstellen in Stuttgart Kontrollwerte ermittelt. Kommt es während der Bauzeit zu einer Veränderung dieser Werte, so Projektsprecher Udo Andriof, könnten mit Hilfe dieser Anlage gezielte Gegenmaßnahmen eingeleitet werden,

Den Zuschlag für den Aufbau des Grundwassermanagements hat das Essener Unternehmen Hölscher erhalten. Das Auftragsvolumen soll bei rund 30 Millionen Euro liegen. Wie lange die Arbeiten an der Anlage im Schlossgarten andauern werden, konnte das Kommunikationsbüro am Sonntag auf Anfrage nicht sagen.