Wasserschaden in Fellbach So geht es nach dem Rohrbruch weiter
Ingrid Renz ist nach dem Wasserrohrbruch in Fellbach von der Baustelle umzingelt. Sowohl ihre Galerie als auch ihre Wohnung liegen mittendrin. Warum brechen immer wieder Wasserleitungen?
Ingrid Renz ist nach dem Wasserrohrbruch in Fellbach von der Baustelle umzingelt. Sowohl ihre Galerie als auch ihre Wohnung liegen mittendrin. Warum brechen immer wieder Wasserleitungen?
Der Bagger greift mit der großen Schaufel zu. Ingrid Renz kann das von ihrer Galerie aus genau beobachten. Die Bauarbeiten finden vor ihrer Haustüre statt, ein defekter Schieber im Untergrund der Cannstatter Straße in Fellbach hatte vor rund einer Woche den Wasserschaden verursacht.
Sie seien ein paar Meter weiter beim Weingut Heid gewesen, als ein Anruf kam. „Bei euch ist ein Wasserrohrbruch, hieß es“, erzählen Klaus und Ingrid Renz. Das war am Montagmittag des Fellbacher Herbsts, Wasser floss die Cannstatter Straße herunter. „Unser Keller ist unter Wasser gestanden“, sagt Ingrid Renz. Neben der Aufregung bedeutete dies Einbußen in der Galerie. „Der Herbstsonntag war toll, mit vielen Besuchern, das hätten wir gerne fortgesetzt.“
Das Ehepaar lobt den schnellen Einsatz der Stadtwerke: „Wir hatten bald wieder eine funktionierende Wasserversorgung.“ Trocknungsgeräte seien prompt bereitgestanden. Der Schaden lag bei einem Leitungssystem von 1979. Ursache war ein defekter Schieber, ein Regelventil. Bis die Wasserversorgung nach dreieinhalb Stunden wieder aufgenommen werden konnte, hätten einige Gastrobetriebe über eine Notversorgung Wasser erhalten, teilte die Stadt mit. In Oeffingen hatte vor rund drei Wochen ein Riss an einem Rohr von 1903 dafür gesorgt, dass Asphalt unterspült und Löcher in die Straße gerissen wurden.
Warum brechen immer wieder Wasserleitungen? Wie die Stadtwerke Fellbach mitteilen, stammt die älteste Wasserleitung von 1902 und liegt in Teilabschnitten in der Bahnhofstraße, Cannstatter und Fellbacher Straße. Das Alter der Leitung mache jedoch keine Aussage über deren Qualität und Zustand. Das Leitungsnetz zur Wasserversorgung in Fellbach umfasse insgesamt 236 Kilometer. Davon entfallen rund 60 Prozent auf Hauptleitungen und 40 Prozent auf Anschlussleitungen. 2,6 Prozent der Leitungen haben ein Baujahr vor 1950.
Um die Qualität eines Wassernetzes zu bewerten, könnten, so die Stadtwerke, „am sinnvollsten die jährlichen Wasserverluste herangezogen werden“. Diese werden nach den Vorgaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches errechnet. „Die Kennziffern der jährlichen Wasserverluste bewegen sich seit vielen Jahren für das Wassernetz Fellbach im niedrigen Bereich“, so die Stadtwerke. Der Zustand einzelner Leitungsabschnitte sehr alten Baujahres lasse sich schwer einschätzen. Die Leitungserneuerungen würden sich jährlich zwischen drei bis fünf Kilometer belaufen. 2018 bis 2022 habe es jährlich durchschnittlich acht Rohrbrüche an Hauptleitungen und 20 Rohrbrüche an Anschlussleitungen gegeben. „Damit liegen wir in einem niedrigen Bereich“, so die Fellbacher Stadtwerke.
„Unsere älteste Wasserleitung stammt aus dem Jahr 1926“, teilt der Technische Leiter der Stadtwerke Waiblingen, Bernhard Zipp, mit. Pauschal lasse sich schwer sagen, ab wann eine Rohrleitung als „sehr alt“ gelte. „Die Qualität der Rohrleitungen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, einschließlich des verwendeten Materials und der Verlegequalität“, macht Zipp deutlich. Weitere Faktoren seien die Bodenklasse und -beschaffenheit sowie mögliche Erdbewegungen. 2022 seien rund zwei Kilometer in den Haupt- und Versorgungsleitungen erneuert worden. Im Durchschnitt gebe es bei den Haupt- und Versorgungsleitungen neun Rohrbrüche pro Jahr. Viel Verkehr könne eine bedeutende Rolle bei der Belastung von Rohrleitungen spielen, da Druck und Erschütterungen einwirken, sagt Zipp. „Der Klimawandel erhöht die Anforderungen an die Instandhaltung von Wasserrohren. Wetterereignisse wie zum Beispiel Starkregen können zu Bodenbewegungen führen, die die Wasserleitungen beschädigen oder anderweitig negativ beeinflussen“, so Zipp. Zusätzlich seien erhöhte Temperaturen ein Faktor. „Höhere Temperaturen können die Wassertemperatur in den Leitungen erhöhen, was die Qualität des Trinkwassers beeinträchtigen kann. Infolgedessen sind aufwendigere Überwachungen und Anpassungen der Wasserinfrastruktur notwendig“, teilt Bernhard Zipp mit.
In Backnang liege die älteste bekannte Versorgungsleitung in der Winterhalde und fortlaufend Sachsenweiler Straße, am westlichen Ortsrand von Sachsenweiler größtenteils im Feldbereich von 1926 und 1927, teilt Thomas Steffen, Geschäftsführer der Stadtwerke Backnang mit. Die ältesten bekannten Wasseranschlussleitungen von 1921 seien in der Mühlstraße und aktuell erneuert worden. Weitere Anschlussleitungen von 1921 bis 1930 gebe es in der Aspacher Straße, Am Koppenberg, Häfnersweg, Maubacher Straße, Im Benzwasen, Zwischenäckerle, Karlstraße und der Sulzbacher Straße. „Wir haben im geringen Maße Versorgungsleitungen von vor 1950, in Summe 277 Meter. Dies sind Graugussleitungen, die ohne Verkehrsbeeinflussung sehr lange haltbar sind“, so Steffen. Darüber hinaus gebe es 1500 Meter Versorgungsleitungen aus den Jahren 1950 bis 1959, größtenteils in Grauguss und rund 6100 Meter aus den Jahren 1960 bis 1969 als duktile Gussleitungen, bei denen wegen des nicht vorhandenen Korrosionsschutzes Erneuerungsbedarf bestehe. „In den letzten drei Jahren wurden immer zwischen vier und fünf Kilometer Leitungen erneuert“, so Steffen. Im Schnitt habe es rund 18 Rohrbrüche in den vergangenen fünf Jahren gegeben. Diese seien gleichmäßig auf Versorgungs- und Anschlussleitungen verteilt.
„Bei sprödbruchempfindlichen Grauguss-Leitungen bis circa Ende der 1960er Jahre ist die Verkehrsbeeinflussung kritisch zu sehen. Die stark verkehrsbelasteten Einfallstraßen in Backnang sind mit duktilen Grauguss-Leitungen ausgestattet, die nicht sprödbruchempfindlich sind“, so Steffen. Der Klimawandel mache die Instandhaltung nicht zwingend aufwendiger. Bei Grauguss-Hausanschlussleitungen könne man jedoch wegen der Austrocknung der Böden und der daraus resultierenden Bodenbewegungen vermehrt Rohrbrüche verzeichnen.
Die Arbeiten rund um die Galerie Renz laufen noch. Das Ehepaar wohnt im selben Haus, im Alten Pfarrhaus (Ein SWR-Fernsehteam hat „Wohnen im Mini-Format“ gedreht). Für Anlieger sind die Zufahrtsstraßen frei. Letztes ist ansässigen Betrieben ein Anliegen: „Wir haben offen und sind erreichbar.“ Auch die Galerie Renz hat geöffnet und freut sich über Gäste.