„We are the Future“-Festival in Waiblingen Lokalpolitik im Skaterpark

In Waiblingen zeigen BMX-Fahrer, Skater und viele mehr, was sie drauf haben. Foto: Gottfried Stoppel

Sport, Kultur und Nachhaltigkeit waren die großen Themen beim „We are the Future“-Festival in Waiblingen. Jugendliche konnten ihre eigenen Wünsche vorbringen. Möglicherweise wird es das Event in den kommenden Jahren wieder geben.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Gewagte Barspins, gekonnte Boardslides und perfekt abgestimmte Dancemoves: Im Skatepool in der Waiblinger Talaue war am Wochenende deutlich mehr los als üblich. Beim „We are the Future“-Festival zeigten nicht nur einige der besten deutschen BMX-und Skateboard-Athleten, was sie können, sondern auch Bands, Tänzer von Eric Gauthiers „Moves for Future“, Graffiti-Künstler und Parkour-Läufer. Wer mochte, konnte all das auch bei verschiedenen Workshops selbst ausprobieren.

 

Die Veranstalter mochten angesichts dieses Programms erst einmal überraschen: Eingeladen hatten die Stadt Waiblingen und das Landratsamt. Der Zweck des Festivals war nicht ausschließlich die Unterhaltung: „Wichtig war uns, dass wir nicht nur etwas zum Konsumieren bieten, sondern auch Mitmachangebote“, sagte Thomas Vuk, Fachbereichsleiter Kultur und Sport in Waiblingen. Das Festival sei eine Konsequenz aus den Entbehrungen der Coronazeit – und der Versuch, den Wünschen vieler Jugendlicher nach Angeboten speziell für sie Rechnung zu tragen. „Wir haben versucht, alle jugendkulturellen Ausdrucksformen einzubeziehen, um möglichst viele zu erreichen.“

Nachhaltiger Schmuck und Kleidung

Ein Thema, das vielen jungen Menschen derzeit auf den Nägeln brennt, ist der Klimaschutz. Klar, dass das Thema beim Jugendfestival nicht unbeachtet blieb: So lernten die Teilnehmer eines Workshops mit dem Titel „How to be a Changemaker“, wie sie selbst sich rund um die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz engagieren können.

Am Stand von Cuba Skate wurde derweil handwerklich gearbeitet: Aus alten Boards entstanden Ringe, Kästchen und andere hübsche oder nützliche Dinge in der typischen Furniersperrholz-Optik. Die Organisation ist weltweit aktiv und will Jugendliche global vernetzen. Die Idee hinter den Holzprodukten, erklärt die Projektmanagerin Tuva Holm Nymo, sei es, kaputten Skateboards ein neues Leben zu schenken – und damit Geld einzunehmen, damit sich die Skater im ressourcenarmen Kuba neue Boards leisten können.

Upcycling-Mode und Plausch mit dem Landrat

Am Stand von Nick Kirschbacher und Andrusch Blühdorn war ebenfalls Nachhaltigkeit angesagt: Während Kirschbacher für sein Label „Unick“ beispielsweise alte Lederjacken upcycelt, indem er sie mit Aufnähern und Siebdruck zu neuen Kleidungsstücken macht, schafft der Sauerländer Blühdorn mit seinem Label „Ablüh“ Mode mit außergewöhnlichen Motiven aus fairem Handel aus Bio-Baumwolle, aber auch aus Viskose, die aus Bambus oder Holz aus zertifiziertem Anbau hergestellt wird.

Auch das Landratsamt hatte einen Stand: Der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel und der Waiblinger OB Sebastian Wolf luden dort zum Jugenddialog ein. Als Anreiz gab es ein Gratis-Eis und ein Freigetränk für jeden, der mitmacht. Sigel selbst, in Jeans, Polohemd und Sneakern, machte es sich auf einem der Klappstühle bequem. Die Anliegen der jungen Leute waren vielfältig: Viele wünschten sich eine bessere Anbindung über die öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem zu späterer Stunde.

Auch der Zustand und die Ausstattung der Sportanlagen war ihnen wichtig. „Wir fänden es cool, wenn man bei uns in Winnenden den Skatepark verbessern würde – der ist ziemlich kaputt“, wünschten sich zwei Jungs. Der Waiblinger OB versprach ihnen, das Anliegen an seinen Kollegen weiterzugeben. Auch untereinander kamen die Teilnehmer in Diskussionen: „Wir finden es schade, dass vor dem Waiblinger Rathaus keine Regenbogenflagge aufgehängt wurde“, merkte eine Frau an. Woraufhin OB Wolf betonte, im vergangenen Jahr sei dies geschehen. „Ich finde aber, man braucht für so etwas einen guten, konkreten Anlass.“ Ein Junge pflichtete ihm bei: „Für Muslime gibt es ja auch nicht extra so etwas, und die werden doch auch oft diskriminiert.“

Lorena Reci aus dem Waiblinger Jugendgemeinderat wünschte sich indes, dass ihr Gremium ein Mitspracherecht im Erwachsenen-Gemeinderat bekommt – was Wolf ihr nicht zusagen konnte, er verwies sie allerdings darauf, dass sich in der Kommunalpolitik auch 16-Jährige zur Wahl stellen können.

Gibt es 2024 wieder ein „We are the Future“-Festival?

Nach dem Festival bleibt nun die Frage: Wird es all das im nächsten Jahr wieder geben? „Ich war total happy mit dem Besucherandrang“, sagt Thomas Vuk, „es hat mich auch gefreut zu sehen, dass viele Familien da waren“. Nun werde man in die Auswertung gehen – und entscheiden, ob die Skatebowl auch 2024 zur Festival-Location wird.

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