Z wie Zwischennutzung – oder Z wie Zimmermann. Die Eheleute Heidrun und Stefan Zimmermann sind die Inhaber der renommierten Galerie Z, die lange Zeit im Stuttgarter Westen beheimatet war und sich dort einen guten Namen im Kunsthandel gemacht hat. Die Pandemie führte dazu, dass am zentral gelegenen Standort des Dorotheen-Quartiers einige Geschäfte aufgaben. Damit der Leerstand nicht sichtbar wird, hat Breuninger die frei gewordenen Flächen zu deutlich ermäßigten Mieten Pop-up-Geschäften überlassen.
Die hohe Besucherfrequenz im Dorotheen-Quartier hat die Galerie Z erfreut
So sind die beiden Zimmermanns im November 2021 an einen exklusiven, aber temporären Standort gleich gegenüber der Markthalle gekommen, was sie als „Freude“ erlebten, wie sie sagen: „Es ist sehr schön, was für eine hohe Besucherfrequenz man hat, wenn die Räume zentral, offen und gut zugänglich sind.“ Zu den üblichen Mietkonditionen könnte sich eine regional ausgerichtete Galerie eine Eins-a-Lage nicht leisten. Nach anderthalb Jahren ist nun aber Schluss. Denn Breuninger hat einen solventen Mieter gefunden, der den vollen Preis bezahlt. Am 1. Juli eröffnet das als Online-Kunstgalerie gestartete Unternehmen Singulart sein analoges Stuttgarter Standbein, wie Breuninger-Kommunikationschef Christian Witt unserer Redaktion bestätigt.
Zu den Singulart-Gründern, die als Onlinestars des Kunsthandels gefeiert werden, zählt die 32-jährige Mannheimerin Véra Kempf, die ohne Abschluss der Kunstgeschichte im Kunsthandel zunächst auf Widerstand gestoßen ist. Nach Paris war sie aus persönlichen Gründen gezogen und wollte dort eigentlich ein Konditorenprojekt entwickeln. Dann lernte sie aber zwei junge Franzosen kennen, mit denen sie bereits vor der Pandemie eine Onlineplattform geschaffen hat, „die zeitgenössische Kunst einfach und digital weltweit zugänglich macht“.
Im Corona-Lockdown gingen die Umsätze stark nach oben. Auf der Homepage von Singulart steht: „Wir wollen Künstlerinnen und Künstler sowie Designerinnen und Designer fördern, die ihre Leidenschaft für Ästhetik mit uns teilen und ihre Spuren in der ganzen Welt hinterlassen möchten.“
Die temporäre Galerie Z feiert am Samstag Abschied mit Künstlern
Kunst und Designmöbel sollten „zu bezahlbaren Preisen“ angeboten werden, erklärt Mitgründerin Véra Kempf. Durch die weltweite Vernetzung ist das Unternehmen rasch groß geworden und expandiert immer weiter. In Berlin betreibt Singulart bereits einen „Flagship-Store“. Dieses Konzept soll nun auf Stuttgart übertragen werden.
Für die temporäre Galerie Z, die bei den marktüblichen Mieten nicht mithalten kann, heißt das nun: Nach anderthalb Jahren im Dorotheen-Quartier muss Abschied gefeiert werden. Für diesen Samstag sind dafür zahlreiche Künstlerinnen und Künstler sowie weitere Freunde des Hauses eingeladen. Seine alten Räume hatte das Ehepaar Zimmermann zum Jahresende 2022 aufgegeben – vielleicht in der Hoffnung, dass Breuninger so schnell nicht einen „regulären“ Mieter findet. Jetzt steht die Galerie Z also ohne Ladengeschäft da und sucht eine neue Bleibe.
Dank an Breuninger
Spätestens zum nächsten Galerie-Rundgang im September will sich die Galerie Z mit einem neuen Standort zurückmelden. „Bis dahin versuchen wir, mit Veranstaltungen in unserer Wohnung an der Johannesstraße 21 Künstler und Kunden bei Laune zu halten“, sagt Stefan Zimmermann.
Sein Dank gilt dem Unternehmen Breuninger, das die Galerie „fair“ empfangen habe. Das Dorotheen-Quartier habe ihn „zumindest von der Anzahl der Besucher“ verwöhnt. „Viele waren zum ersten Mal in einer Kunstgalerie“, berichtet Zimmermann, „das hat in den Gesprächen viel Spaß gemacht.“ Man habe „tatsächlich auch vereinzelt neue Kunden“ gewonnen – „unterm Strich“ sei dies allerdings weniger gewesen, als man dies „anhand der Positionierung des Quartiers erwarten könnte“. Die höhere Frequenz und „Intensivierung der Beziehung zu unserem bestehenden Kundenkreis“ habe er als Pluspunkte wahrgenommen.
Nach der Kunst ist vor der Kunst: Singulart will „die beste zeitgenössische Kunst aufstrebender und international anerkannter Künstler“ präsentieren. In Kunstkreisen heißt es, das Unternehmen habe sich bewusst für das Do-Qu entschieden, weil dort ein Luxusdreieck aus Louis Vuitton, Porsche und Breuninger samt Sansibar lockt.