Wechsel in der Ditzinger Stadtbibliothek Eine Kultureinrichtung am Puls der Zeit

Beate Meinck (links) verlässt Ditzingen, Stefanie Schütte folgt ihr nach. Foto: factum/Granville
Beate Meinck (links) verlässt Ditzingen, Stefanie Schütte folgt ihr nach. Foto: factum/Granville

Wechsel an der Spitze der Stadtbibliothek: nach zehn Jahren übergibt Beate Meinck die Leitung des Hauses an Stefanie Schütte. Beide verbindet die Suche nach der Antwort auf die Frage, welcher Lesestoff und welche Medien im Ort gebraucht werden.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Ditzingen - Fraktionsübergreifend Beifall, Lob und Anerkennung für die scheidende Bibliotheksleiterin Beate Meinck: die Ditzinger Stadträte haben der 40-Jährigen am Montagabend für ihr Wirken in der Stadt gedankt. Meinck hat die Bibliothek zehn Jahre lang geleitet und wechselt nun nach Reutlingen. Ihre Nachfolgerin ist Stefanie Schütte. Die 36-Jährige ist zuletzt stellvertretende Bibliotheksleiterin in Böblingen gewesen und beginnt im Oktober an ihrer neuen Wirkungsstätte.

Andere Bedingungen als vor zehn Jahren

Schütte trifft in Ditzingen nun völlig andere Bedingungen an als Beate Meinck vor zehn Jahren. Damals, nach dem plötzlichen Tod der Bibliotheksleiterin und einer langen Vakanz sei es zunächst vor allem darum gegangen, eine gemeinsame Struktur zu finden. „Die Einrichtungen waren sehr selbstständig geworden. Nun mussten die Stadtteilbibliotheken wieder zusammen finden. Denn wir sind vier Häuser, aber eine Stadtbibliothek“, sagt Beate Meinck über das Selbstverständnis der Einrichtung, die in allen Stadtteilen vertreten ist, in der Kernstadt aber ihre Zentrale hat. Alle Häuser sollten fortan dieselben Dienstleitungen anbieten, zudem sollte der Veranstaltungsbereich gestärkt werden: die Leseserie „Sommer im Hof“ – die wegen des Leitungswechsels dieses Jahr allerdings ausfällt; zudem das literarische Frühstück, selbstverständlich ist die Teilnahme an der „Glemskultour“ und Ditzingen unplugged.

Meincks Leitungsfunktion hatte viel mit Qualitätsmanagement zu tun: die Einrichtung sollte die Bedürfnisse der Politik, der Stadtverwaltung, der Kunden widerspiegeln. „Es sind viele interne Arbeiten, die der Kunde nur so mitbekommt, dass er zufrieden ist“, fasst sie dieses Streben nach Qualität zusammen. Dass die Ditzinger ihre Bibliothek schätzen, hatten sie deutlich gezeigt: Wegen Bauarbeiten musste das Haus geräumt werden, man bat die Nutzer, möglichst viele Medien auszuleihen. Binnen kürzester Zeit war das Haus leer.

Ein Ort, der Magie entfaltet

Natürlich sei die Einrichtung im Wandel, allerdings nicht nur der elektronischen Medien wegen, sagt Meinck. Die Frage sei doch stets, was in der Stadt gebraucht werde. Es sei kein Ort, der zum Konsum zwinge, vielmehr ein Ort, der Anreize schaffe, um neue Themen zu entdecken. Gewiss gefalle dieses Ja zur Vielfalt nicht jedem Nutzer. Aber einen Autor wie Thilo Sarrazin müsse im Regal stehen, die Einrichtung habe nicht zu belehren. „Artikel fünf im Grundgesetz gilt auch für uns“, sagt Meinck. Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Meinck wie Schütte sehen die Bibliothek als besonderen Ort, der eine gewisse Magie entfalte. Neues könne hier entdeckt werden, gleichzeitig biete er den Menschen Sicherheit und Orientierung. Das gelte weiterhin, die Einrichtung aber dürfe nicht dort stehen blieben. Serious Games, also digitale Lernspiele mit unterhaltenden Elementen, könnten eine weitere Kooperationsmöglichkeit mit Schulen bieten. Warum solle man sich nicht stärker dem generationenübergreifenden Lernen widmen, fragt Schütte. Warum sich nicht mit Ortsgeschichte befassen und anschließend einen Artikel für Wikipedia erstellen: „Der Enkel tippt und der Opa hinterfragt die Formulierungen.“ Das Buch, darin sind sich beide einig, werde bleiben. „Es verliert nicht an Wirkung“, sagt Schütte.




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