Wege aus der Wohnungsnot Esslingerin bringt ihr Tiny-House-Projekt voran

Angelina Haug geht es um mehr als die Schaffung von Wohnraum. Foto: /Philipp Braitinger

Seit einem Jahr kämpft Angelina Haug aus Esslingen für ihren großen Traum vom kleinen Haus. Die EWB möchte die Idee nun im Rahmen eines Pilotprojekts verwirklichen. Am 1. März berichtet die ZDF-Sendung „37 Grad“ über das Engagement der 39-Jährigen.

Esslingen - Die Menschheit steht vor vielen großen Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen in der Region Stuttgart ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Mit der Idee, kleine Wohnungen in einer Modulbauweise auf ungenutzten Flächen in Esslingen zu bauen, machte sich Angelina Haug vor einem Jahr auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück.

 

„Ich bin einfach losgegangen. Ich habe nicht überlegt, ob es schwer wird“, erinnert sich Angelina Haug. Seitdem hat sie viele Gespräche geführt, viele Netzwerke gesponnen und für ihr Projekt geworben. Die gesetzlichen Hürden konnte sie bislang allerdings nicht überwinden. „Das letzte Jahr war eine Achterbahnfahrt“, sagt Angelina Haug. Am Dienstag, den 1. März, wird die Fernsehsendung „37 Grad“ um 22.15 Uhr im ZDF über das Engagement der Esslingerin ausführlich berichten.

Technisch kein großer Aufwand

Aus Angelina Haugs Sicht gäbe es in Esslingen noch viele Flächen, auf denen Wohnraum in Modulbauweise geschaffen werden könnte. Auf Garagen oder anderen Flachdächern beispielsweise, sagt sie. Technisch wäre das oft ohne einen besonders großen Aufwand machbar. Die notwendigen Anschlüsse für Wasser und Strom wären meist in der Umgebung vorhanden. Es müssten noch nicht einmal neue Flächen versiegelt werden, wie dies bei Neubauprojekten sonst nötig ist, so Haug.

Das Problem der Wohnungsnot würden diese Bauten zwar nicht lösen, aber sie könnten einen Beitrag zur Entspannung leisten. „Es ist ein Mosaiksteinchen“, sagt die 39-Jährige. Inzwischen habe sie auch Kontakt mit der Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) aufgenommen. „Wir können Wohnen neu denken“, findet Angelina Haug.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Scharfe Kritik an Esslinger Wohnungspolitik

Der EWB-Geschäftsführer Hagen Schröter steht Angelina Haugs Projekt aufgeschlossen gegenüber. „Wir finden die Idee interessant“, sagt er. Die EWB verfüge über eine Vielzahl von Flächen, beispielsweise Garagendächern, die bautechnisch vermutlich noch aufgestockt werden könnten. Auf bestehenden Wohngebäuden stocke die EWB bereits auf. Für Angelina Haug hat die Wohnbaugesellschaft zwei Garagendachflächen in St. Bernhardt und Berkheim näher unter die Lupe genommen. Derzeit arbeite man an einer Bauvoranfrage, erklärt Luca Handel. Er ist bei der EWB der Projektverantwortliche.

Zusammenarbeit mit der EWB

Die technischen Herausforderungen wären aus Sicht der EWB zu meistern. Die größere Herausforderung ist die Landesbauordnung, die diese Art der Nachverdichtung bisher nicht kennt. Die EWB hofft deshalb, die Garagendächer in St. Bernhardt und Berkheim als Pilotprojekt bebauen zu können. Für ein Pilotprojekt könnten vielleicht Ausnahmen von der Landesbauordnung gemacht werden.

Derzeit werden Modulhäuser formal wie gewöhnliche Wohngebäude gesehen. Das bedeutet, man bräuchte für ein Tiny House einen normalen Bauplatz. Auf einem normalen Bauplatz ergibt ein Modulhaus allerdings keinen Sinn mehr. Die Modulbauten sollen schließlich gerade dort zum Einsatz kommen, wo es keinen normalen Bauplatz gibt.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wer will sein Haus eintauschen?

Angelina Haug, die als Therapeutische Clownin und Lebenswegbegleiterin arbeitet, geht es aber inzwischen nicht mehr allein um das Thema Wohnen in der Stadt. Vielmehr möchte sie mit anderen Bürgerinnen und Bürgern einen umfassenden Wandel ermöglichen – im sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und im ökologischen Bereich. „Das Leben fordert uns zu einem Wandel auf. Sonst ist die Erde für uns Menschen in naher Zukunft kein lebensfreundlicher Ort mehr“, sagt Angelina Haug.

Deshalb hat sie das Projekt „Wandelstadt“ ins Leben gerufen. Das Bündnis möchte als Plattform dienen und Menschen zusammenbringen, die etwas verändern wollen. Dafür soll es sowohl eine noch zu erstellende Internetplattform geben als auch regelmäßige Treffen zu unterschiedlichen Themen. „Im Moment läuft vieles nebeneinanderher“, findet Angelina Haug.

Projekt „Wandelstadt“

Ein Glücksfall für Angelina Haug ist, dass die befürchtete Kündigung ihrer Mietwohnung derzeit vom Tisch zu sein scheint. Die Sorge vor dem Verlust der Mietwohnung war vor einem Jahr der Auslöser dafür, dass sie sich Gedanken um einen neuen Ort zum Wohnen in Esslingen machen musste. Sie entschied sich, ein Tiny Haus in der Stadt zu bauen. Die aktuellen Mietpreise waren Haug zu hoch.

Auch der Kauf einer Wohnung in Esslingen schied für sie aus finanziellen Gründen aus. Ein Wegzug ins Umland kam für sie ebenfalls nicht in Frage. Die Angst, die angemietete Wohnung nach einer Kernsanierung des Gebäudes bald verlassen zu müssen, bestehe derzeit aber nicht mehr, berichtet Angelina Haug. An ihrem großen Traum vom kleinen Haus in Esslingen hält sie dennoch weiter fest.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Wohnungsmarkt