Wegen hoher Investitionen in Wärmenetze Stadtwerke hoffen auf Hilfe von außen
Die Thüga soll in Konstanz bei der Energiewende helfen. Doch ist ein Unternehmen, das mit Gas viel Geld verdient, wirklich eine gute Wahl?
Die Thüga soll in Konstanz bei der Energiewende helfen. Doch ist ein Unternehmen, das mit Gas viel Geld verdient, wirklich eine gute Wahl?
Die Hoffnung ruht auf dem See, wie so oft in Konstanz. Dort soll ein guter Teil der Wärme herkommen, wenn die 85 000-Einwohner-Stadt wie geplant von 2035 an klimaneutral wird. Gegenwärtig läuft zu der Wärmegewinnung mit Seewasser eine Studie. Doch das größere Problem liegt an Land. Denn bisher fehlt es an einem Wärmenetz, mit dem vor allem die historische Altstadt versorgt werden könnte. Mit einem Investitionsbedarf von 500 Millionen Euro rechnet der Geschäftsführer der Stadtwerke, Norbert Reuter. „Alleine schaffen wir das nicht“, sagt der Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU).
So wie ihm geht es vielen Kollegen im Land. Im Angesicht der großen Aufgabe und schwindender Gewinne beim bisher so einträglichen Gasgeschäft wird es ihnen angst und bange. Ein Rezept ist die Flucht in Kooperationen. Es gebe in den Mitgliedsunternehmen gerade unterschiedlichste Bestrebungen hinsichtlich einer Zusammenarbeit, sagt der Geschäftsführer des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft in Baden-Württemberg, Torsten Höck. In der aktuellen Stadtwerke-Studie des Bundesverbandes gaben 67 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Kooperationen immer wichtiger würden. Ein Jahr zuvor waren es nur 59 Prozent gewesen.
Es wäre eine interessante Trendwende. Denn zuletzt waren viele Teilprivatisierungen, die seit 2000 Geld in städtische Kassen spülen sollten, sich aber als problematisch erwiesen, rückgängig gemacht worden. Auch Konstanz hatte mit dem Cross-Border-Leasing des Wassernetzes schlechte Erfahrungen gemacht. Doch jetzt hat man einen gut beleumundeten Wunschpartner für einen Einstieg gefunden. Es ist die Thüga, ein Energiedienstleister, der mehreren großen und vielen kleinen Stadtwerken gehört und an ihnen beteiligt ist. Die Badenova in Freiburg gehört dazu, ebenso die Stadtwerke Radolfzell oder das Stadtwerk Tauberfranken. Dem „größten Netzwerk kommunaler Energieunternehmen in Deutschland“ sollen 25,1 Prozent – und damit eine Sperrminorität – an einer neu zu gründenden Stadtwerke-Tochter Energie überlassen werden.
Doch dass der Gemeinderat am Donnerstag grünes Licht für Verhandlungen gibt, ist offen. Man hoffe auf zusätzliches Knowhow, aber auch auf eine bessere Bewertung bei der Aufnahme von Krediten, wirbt der OB. Doch SPD, Grüne und Linke sind davon bisher nicht überzeugt. Externes Wissen könne man sich ebenso einkaufen, den Fachkräftemangel werde jedoch auch die Thüga nicht beheben, sagt der SPD-Stadtrat Jan Welsch. Und ob sich die Kreditwürdigkeit wegen einer 25-Prozent-Beteiligung wirklich verbessere, sei nicht gesagt. „Es wird sowieso staatliche Hilfen geben müssen.“
Auch Nabu, BUND und Fridays for Future warnen vor dem Deal. Es drohe der Ausverkauf der einzig verbliebenen profitablen Sparte. Die Thüga sei zu wenig innovativ und könnte als Besitzer von 90 000 Kilometern Gasnetz die Wärmewende eher verhindern, denn fördern. Ein Thüga-Sprecher hat zumindest eingeräumt, dass das Unternehmen kein Interesse daran habe, „dass die Gasnetze von heute auf morgen entwertet werden“. Noch wird dort das Geld verdient, auch für die vielen nötigen Groß-Investitionen.