Weichenstellung für neuen Schlachthof in Gärtringen Wichtige Pläne für einen skandalfreien Schlachthof

Noch steht der Schlachthof in Gärtringen still. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Vom einfachen Grundstück zum Industriegebiet: Gärtringen will für den Umbau der Einrichtung alles richtig machen. Dafür soll der Bebauungsplan geändert werden. Das hat auch finanzielle Konsequenzen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Wie der neue Schlachthof in Gärtringen aussehen wird, das entscheidet der Kreistag in seiner Sitzung am 24. Juli. Welches Baurecht für ihn gelten soll, das wird ein Bebauungsplan festlegen, dessen Vorentwurf der Gemeinderat Gärtringen in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag gebilligt hat. Jetzt wird er ausgelegt, damit die Träger der öffentlichen Belange gehört werden können.

 

Für die Gemeinde ist es wichtig, beim Schlachthof Rechtssicherheit herzustellen. Schließlich liegt der Schlachthof im Außenbereich der Gemeinde, weswegen ein Bebauungsplan zwingend erforderlich ist. Dabei ist zu beachten, dass der Plan zunächst wenig aussagt, wie der Schlachthof später einmal baulich aussehen soll. Das wird dann konkret, wenn die Betreiber bei der Gemeinde einen Bauantrag gestellt haben werden.

Hoher Wasserbedarf

Die späteren Betreiber hätten mit dem Plan gewisse Vorteile, so sieht es Thomas Riesch, der Bürgermeister von Gärtringen. Wenn sie sich an die Auflagen im Plan halten, dann dürfte ihr Bauvorhaben ohne viel Federlesens genehmigt werden, und der derzeit stillgelegte Betrieb könne zügig umgebaut werden.

Einen weiteren Vorteil sieht Thomas Riesch darin, dass durch den Bebauungsplan die Wertigkeit des Grundstücks gesteigert werde. Entscheidend dabei ist, dass das Gelände als Industriegebiet ausgewiesen wird. Bislang war nur ein Schlachthof genehmigt. Durch die Änderung wird das Areal vielseitiger nutzbar. Dort könnten sich also auch andere industrielle Betriebe ansiedeln. Damit, so Riesch, bekomme der Boden einen Wert von mehr als 200 Euro pro Quadratmeter. Diese Wertigkeit ist gleichzeitig auch ein Gegenwert – und zwar für den Landkreis, der ein Darlehen für den Schlachthof in Aussicht gestellt habe, sagt Thomas Riesch.

Natürlich ist die Gemeinde nicht nur was ihren Grund und Boden betrifft mit dem künftigen Betrieb verbunden. Weil ein Schlachthof einen hohen Wasserbedarf hat, könnte es sich je nach Schlachtzahlen ergeben, dass die Gärtringen die Kapazität der Kläranlage vergrößern muss.

Mehrfach in den Schlagzeilen

Der Schlachthof ist in den letzten Jahren mehrfach in den Schlagzeilen gewesen. Im Jahr 2020 hatte der Verein Soko Tierschutz mit versteckter Kamera Misshandlungen von Tieren und Fehler bei der Betäubung festgestellt und öffentlich gemacht. Deswegen und wegen weiterer Mängel hatte der Landrat den Betrieb geschlossen. Daraufhin traf sich eine Expertenrunde, die bauliche Verbesserungen, eine Videoüberwachung, sowie eine Reorganisation des Betriebes mit neuem Geschäftsführer und ordentlichen Stundenlöhnen für die künftigen Arbeitskräfte festlegte. Einer der Eckpunkte dabei war, dass zukünftig dort auch Tiere geschlachtet werden, die bislang nach Rottenburg gebracht wurden.

Just als das neue Konzept stand, musste die Politik feststellen, dass sie die Rechnung ohne den Bürger gemacht hatte. Denn Anfang dieses Jahres entschieden die Rottenburger, ihren alten Schlachthof zu erhalten – was eine neue Planungsrunde nötig machte.

Bei einer Informationsveranstaltung anfang Juli berichtete das Landratsamt über das neue Konzept: Die Investitionssumme ist nun deutlich geringer als ursprünglich veranschlagt. Anfangs hatten die Kosten bei 10 bis 10,5 Millionen Euro gelegen Allein aufgrund von Inflation und der Auswirkungen der Ukrainekrise auf die Baukosten war die Summe auf 13,7 Millionen Euro geklettert. Nun liegen die Kosten wiederum bei 9,9 Millionen. Diese Reduzierung ist möglich, weil einige geplante bauliche Erweiterungen – unter anderem bei den Kühlräumen oder im Kuhstall – vorerst zurück gestellt werden können.

Weniger Schlachtungen

Die Anbauten waren der angedachten Steigerung bei den Schlachtzahlen geschuldet. Diese fallen nun niedriger aus. Nicht nur, weil keine zusätzliche Kundschaft aus Rottenburg zu erwarten ist, sondern auch, weil zwei größere Fleischhändler jetzt in einem anderen Betrieb schlachten. Dennoch, versicherte der Landrat, bleibt die Wirtschaftlichkeit gegeben. Bei der abgespeckten Version seien die Kapazitäten reduziert worden, am Tierwohl sei aber nicht gespart worden. Auch Josef Hecht, Metzgermeister und Vorsitzender der Fleischerinnung Böblingen-Ludwigsburg, unterstrich: „Unser Schlachthof soll ein Vorzeigeprojekt für den Tierschutz werden. Wir haben aus den Vorkommnissen gelernt, und wollen es künftig besser machen“, sagte er.

Nachdem der Zuschuss des Landes in Höhe von knapp vier Millionen Euro laut Landrat gesichert ist, steht auch die Finanzierung. Vom Landkreis sind – wie bisher – ein Zuschuss sowie ein Darlehen über jeweils drei Millionen Euro geplant. Die Genossenschaft ist mit einem Eigenanteil von 300 000 Euro dabei. Auch der Kreis Calw beteilige sich mit 500 000 Euro, berichtete Bernhard.

Der Landrat gab sich zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird für die daran geknüpfte finanzielle Beteiligung des Landkreises Böblingen an der Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn.

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