Anzeige

Weiers Weinlese Arsch huh!

Von Michael Weier 

Der normale Mensch mag von Regen reden, angesichts der kurzen Schauer dieser Tage. Unser Weinkolumnist Michael Weier verzweifelt dagegen wegen der andauernden Trockenheit. Acht Regentropfen im Anflug verdampft, meinte er mit Blick auf die Risse im Boden seines Weinbergs.

Wie in der Wüste: Der  Boden im Weinberg unseres Weinkolumnisten Michael Weier Foto: Weier
Wie in der Wüste: Der Boden im Weinberg unseres Weinkolumnisten Michael Weier Foto: Weier

Stuttgart - Es ist Dienstagabend, die Hitze hängt noch in meiner Wohnung, ich sitze unterm Dach und träume wieder von Regen. Am Wochenende war ich am Bodensee. Ich wollte Sonne, ich erlebte ein Gewitter, das sich mit einem fröhlichen Landregen abwechselte. Eigentlich ein Grund, sich zu ärgern. Im speziellen Fall dachte ich mir: Super! Dann regnet es auch bei uns zu Hause! Meine sofortige Anfrage übers Taschentelefon war niederschmetternd: Mein Nachbar sagte mir, dass die Wolken direkt an Rotenberg vorbeigerauscht sind. Mein Ex-Kollege E. hat das mal so formuliert: Drei Regentropfen im Anflug verdampft!

Sie merken: Das Thema Wasser hat’s mir angetan, ich mache mir Sorgen um meine kleinen Pflänzchen. Am Montag haben wir einen Schlauch vom Nachbarn gelegt und vier Stunden lang Wasser an die armen Stöcke gebracht. Der Weinberg sieht ­inzwischen aus wie Ackerboden in der Wüste Kalahari. Gewaltige Risse klaffen im Boden, die Erde ist steinhart. Regen bringt Segen, habe ich deshalb schon vor Wochen geschrieben. Leserin A. hat mir daraufhin geantwortet: „SICH regen, bringt Segen! Das war die Devise unserer Vorfahren. Was macht diese Jugend von heute daraus? Regen bringt Segen! Unglaublich. Im Rheinland sagt man ‚Arsch huh un Zäng ussenander‘ oder so ähnlich.“

Sie hat noch ein Grinsegesicht dazu gemacht, weshalb ich heute mit einem Grinsen antworten kann: Ja. Habe ­meinen Hintern hochgekriegt, laut ­geflucht und Wasser in den Ritzen ­versenkt. Die Klimaveränderung hat mir zuerst die Glasflügelzikade gebracht, danach die asiatische Kirschessigfliege, nun eine wüstenähnliche Trockenheit.

Am Sonntag habe ich deshalb ein nettes Grillfest bei meinem Weinberg geplant. Dafür bräuchte ich natürlich gutes Wetter – und das scheint mir eine ziemlich gute Garantie dafür, dass es am Wochenende endlich ordentlich regnet.

PS: Jetzt ist es Mittwochabend, gerade zog ein Gewitter übers Pressehaus. Mein Ex-Kollege würde wohl sagen: Acht ­Regentropfen im Anflug verdampft.