Manche Großeltern meinen es an Weihnachten vielleicht zu gut mit ihren Enkelkindern. Sollen Eltern einschreiten, wenn ihnen alles zu viel erscheint? Die Redakteurinnen Regine Warth und Simone Höhn haben unterschiedliche Auffassungen dazu.

Stuttgart - Die Spielwarenbranche profitiert von der Pandemie, melden die Marktforscher. Rund zehn Prozent der Verbraucher wollen zu Weihnachten mehr Geld für Spielzeug, Brettspiele und Puzzle ausgeben. Das dürfte alle Kinder freuen. Doch manchen Eltern läuft es kalt den Rücken hinunter. Wann ist viel zu viel? Die Redakteurinnen Regine Warth und Simone Höhn haben unterschiedliche Auffassungen dazu.

Stuttgart - Die Spielwarenbranche profitiert von der Pandemie, melden die Marktforscher. Rund zehn Prozent der Verbraucher wollen zu Weihnachten mehr Geld für Spielzeug, Brettspiele und Puzzle ausgeben. Das dürfte alle Kinder freuen. Doch manchen Eltern läuft es kalt den Rücken hinunter. Wann ist viel zu viel? Die Redakteurinnen Regine Warth und Simone Höhn haben unterschiedliche Auffassungen dazu.

Simone Höhn meint: Einfach mal die Spaßbremse sein

Für Eltern heißt es in der Vorweihnachtszeit: rein ins Kostüm des „bösen Polizisten“ und rauf auf die Spaßbremse. Unbedingt sollte man Oma und Opa und andere wohlmeinende Verwandten darum bitten, sie mögen den Kindern nicht zu viel schenken. Ungeachtet dessen, dass es für vernünftige Menschen sowieso selbstverständlich sein müsste, die Jüngsten nicht im Unverstand mit Geschenken zu überhäufen. Aber zur Weihnachtszeit ist ja schon so mancher Verstand ausgefallen.

Ist es schon unter dem Jahr erste Pflichtübung, dem Nachwuchs zu vermitteln, dass es sich bei Nachhaltigkeit, Wegwerfgesellschaft und Umweltschutz nicht bloß um Trendvokabeln handelt, muss man jetzt auch noch die Erwachsenen mit erziehen. Auch wenn es schwer fällt: In der emotional überladenen Vorweihnachtszeit ist es wichtiger denn je, zu seinen guten Erziehungsabsichten zu stehen. Den Konsumrausch zu zügeln (auch den eigenen) ist da eine diplomatische Mammutaufgabe. Oft steckt hinter dem unbändigen Schenkungswillen nicht bloß der Wunsch, dem Kind eine Freude, sondern sich selbst beliebt zu machen. Menschlich verständlich, aber zu kurz gefühlt.

Zur Not muss man als Eltern die Rute schwingen. Man muss der Verwandtschaft ein wenig Glanz aus den Augen wischen – im Sinne des Kindes, das mit geschärftem Blick fürs Wesentliche in unsere hoffentlich pädagogisch wertvollen Fußstapfen treten soll. Das Leben ist kein Wunschzettel.

Regine Warth meint: Gelassen bleiben

Geschenkt wird, was gewünscht – außer es ist gefährlich, lebendig, nicht altersgemäß oder alles zusammen. Wer nach diesem Grundsatz an Weihnachten handelt, geht einer Sache aus dem Weg, die dem Fest der Liebe einen Strich durch die Rechnung machen könnte: Frust unterm Christbaum – und zwar sowohl bei den Kindern als auch in der ganzen Familie.

Ja, Weihnachten verführt zum übermäßigen Schenken. Und ja, manche Dinge, die dem Nachwuchs überreicht werden, entsprechen garantiert nicht dem pädagogischen und ökologischen Wertekatalog, nach dem Eltern so gerne handeln würden. Aber auch hier siegt die Gelassenheit: Das Kind wird es überleben, auch mal mit weniger hochwertigem Spielzeug zu spielen. Das Schenken soll den Beschenkten im Blickfeld haben, nicht Richtlinien von Elternratgebern folgen.

Nimmt die Zahl der Geschenke überhand, kann ein einfaches Ritual helfen: das Spielzeug-Fasten. Nach den Feiertagen werden dem Kind nur die Dinge überlassen, mit denen es gerade bevorzugt spielt. Das andere Spielzeug, für das sich der Nachwuchs gerade weniger interessiert, wird weggepackt. Kommt dann ein verregneter Nachmittag, an dem sich das Kind langweilt, kann man das Geschenk wieder hervorholen. Wichtig ist ohnehin, dass man zu Nintendo, Barbie, Lego und Co auch Zeit schenkt. Um spielen zu können, braucht das Kind ein Gegenüber – jemanden, der mit ihm in die Fantasiewelt reist. Davon aber kann man dem Kind nicht genug geben.