Weil der Stadt Wie Lemon Tree die Band nach oben bringt

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Einem Lied, dem die Band selbst zwar Potenzial, aber wenig Bedeutung zumaß. Michael Mattuschik fasste einen kühnen Plan und wollte dieses Lied ins Radio bringen. „Er hat per Hand die CD einfach in seiner Sendung eingespielt – am Musikredakteur vorbei“, schmunzelt Thomas Mangold. Das gab zwar Riesenärger – aber auch eine gigantische Resonanz. Die Telefonleitungen glühten, alle wollten wissen: Was ist das für ein cooler Song? Wer ist die Band?

Der nächste Schritt: Telefonkette für die SWF-3-Hitparade. „Alle mussten anrufen, sogar die Oma“, sagt Roland Röhl. „Lemon Tree“ stieg auf Platz eins der Hörercharts, dann wurde auch der Stuttgarter Partnersender SDR auf ihn aufmerksam.

Und dann gab es kein Halten mehr.

Der Song war vier Wochen bis März 1996 auf Platz eins, erhielt dreifach Gold in Deutschland, Platin in Norwegen und Irland, Gold in der Schweiz, Österreich, Belgien, Dänemark und Frankreich. Auch das Album verkaufte sich blendend, sogar in Singapur, Hongkong und Malaysia.

Beatle-Mania in Darmstadt

Wie eine Welle überschwappte die jungen Männer der Ruhm. Zuvor hatten zig Plattenfirmen das Lied abgelehnt. „Das wird nie was, hieß es“, sagt Mangold lachend, „Deutsche, die Englisch singen, und dann noch aus Schwaben, also nee.“ Plötzlich waren sie in der Harald-Schmidt-Show, in Hamburg wurde das Video zu „Lemon Tree“ gedreht.

Es ging zu MTV nach London, zum Frühstücksfernsehen nach Berlin, auf die Donauinsel nach Wien. „Das war schon ein komisches Gefühl“, erinnert sich Roland Röhl. Die fünf Jungs wurden plötzlich Teenie-Stars. Die beiden erinnern sich gut an eine Autogrammstunde in einem Darmstädter Kaufhaus: „Als wir raus kamen, sind plötzlich 5000 Leute auf uns zugelaufen.“ Ein wenig Beatle-Mania, die fünf ergriffen panisch die Flucht, die Security-Kräfte konnten sie in letzter Sekunde hinter einer Tür ins Treppenhaus zerren. Wahnsinn.

So stellte sich die Frage: Werden wir Profimusiker? Die Plattenfirma hatte für 1996 ein vorsichtiges Programm zusammengestellt – 100 Konzerte, was jedem Bandmitglied ein Auskommen von 1500 Mark im Monat garantieren sollte. „Als wir das kalkuliert hatten, haben wir alle unsere Jobs aufgegeben“, erzählt Röhl.

Die 1500 Mark wurden um ein Vielfaches übertroffen. Die Konzerthallen wurden schnell zu klein. Etwa in Heidenheim, der kleine Club Mouse on Mars fasste gerade mal 60 Zuhörer – davor standen 10 000. „Wir haben trotzdem gespielt, weil wir es versprochen hatten“, erinnert sich Mangold, „das war romantisch, aber dumm.“ Hätte man abgesagt und die Konventionalstrafe bezahlt, dann hätte Fools Garden in einer großen Halle am gleichen Abend das 40-fache verdienen können.




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