Weil der Stadt Keine Versteigerung gegen Höchstgebot

Von Florian Mader 

Auftakt zur Bürgerbeteiligung: In den neuen Quartieren soll nicht einfach drauflos gebaut werden.

Volles Haus: Die Weiler wollen wissen, was mit ihrer Stadt geschieht. Foto: Mader
Volles Haus: Die Weiler wollen wissen, was mit ihrer Stadt geschieht. Foto: Mader

Weil der Stadt - Richtig kämpferisch klingt der Bürgermeister da: „Weil der Stadt ist die fünftgrößte Stadt im Kreis Böblingen“, sagt Thilo Schreiber. „Wir haben das Zeug, da noch eine Schippe draufzulegen!“ Sein Ziel: Neue Bürger müssen her. Und neue Bürger brauchen neue Baugebiete.

Vor allem in Münklingen und in Schafhausen hat die Stadt in den vergangenen Jahren Gebiete erschlossen hat. „Merklingen und die Kernstadt sind bisher unangetastet geblieben“, stellt die Erste Beigeordnete Susanne Widmaier bei einem Informationsabend im Klösterle fest. „Das wollen wir ändern.“ Einen richtig großen Brocken hat die Stadtspitze deshalb ins Auge gefasst: 13,3 Hektar Felder und Wiesen umfasst das Gebiet Häugern. Auf Merklinger Seite sollen nochmals fast fünf Hektar an der Schwarzwaldstraße bebaut werden.

Ein gemeinsamer Weg

Aber was genau soll dort entstehen? Was wollen die Weil der Städter, was brauchen sie? „Die Erschließung von Baugebieten ist ein gemeinsamer Weg von Ihnen, der Bevölkerung, dem Gemeinderat und der Verwaltung“, sagt Inge Horn, die frühere Baubürgermeisterin von Leonberg, die als Planerin die Stadt berät. Als Auftakt dafür hat sie am Dienstagabend eine Infoveranstaltung für alle Beteiligten organisiert – und die Weil der Städter sind gekommen. Noch in den hintersten Reihen drängen sich die Zuhörer im Klösterle und lauschen, was mit ihrer Stadt geschehen soll.

„Wie viele Einwohner kommen da zusätzlich in unser Städtle?“, ist die erste Frage, als das Mikrofon herum geht. Hierfür gibt es Flächenvorgaben vom Verband Region Stuttgart. 70 Einwohner müssen es pro Hektar sein – bei den geplanten Gebieten also etwa 1000 neue Weil der Städter. In der Gestaltung der Neubaugebiete hat die Stadt dagegen viele Freiheiten, und die will sie auch nutzen.

„Deshalb hat sich der Gemeinderat einstimmig für das Ankaufsmodell entschieden“, sagt Susanne Widmaier, die verantwortliche Baudezernentin. Ankaufsmodell bedeutet, dass die Stadtverwaltung zunächst alle Grundstücke im Häugern aufkauft, dann das Gebiet erschließt und anschließend die fertigen Bauplätze wieder verkauft. „Der Vorteil dafür ist, dass wir das komplette Gebiet nach städtebaulichen Gesichtspunkten gestalten können, wenn wir im Besitz des Gebietes sind“, erklärt Susanne Widmaier. Zudem werden sich die Käufer verpflichten müssen, innerhalb von sieben Jahren zu bauen – so können Baulücken verhindert werden.

Städtebauliche Gesichtspunkte

„Wir wollen die Grundstücke eben nicht einfach gegen Höchstgebot versteigern, wie das andere Kommunen in der Region tun“, erklärt Inge Horn. Was das aber für städtebauliche Gesichtspunkte sind, das will der Gemeinderat nun zusammen mit den Bürgern in Planungswerkstätten ausarbeiten. In Arbeitsgruppen, die sich etwa um Mobilität, um Wohnkonzepte oder um die Ökologie kümmern, sollen Bürger und Grundstückseigentümer ihre Ideen einbringen.

Schon jetzt steht aber fest, dass sich die Stadtverwaltung eine breite Durchmischung wünscht. „Wir brauchen Einfamilienhäuser, wir brauchen aber auch dringend sozialen Wohnungsbau in der Stadt“, sagt die Erste Beigeordnete Widmaier. All das soll neben Mehrgenerationenhäusern und behindertengerechten Wohnungen im Häugern Platz finden.

Bis all das möglich ist, muss die Stadtverwaltung allerdings versuchen, in den Besitz der mehr als 100 Grundstücke im Häugern kommen. Auch einige der Eigentümer sind zu der Infoveranstaltung gekommen. „Was bieten Sie uns, damit wir da mitmachen?“, will einer wissen. Das Ankaufsmodell will die Stadtverwaltung aber nicht mehr zur Disposition stellen.

„Seit einem Jahr schon sprechen wir mit jedem einzelnen Eigentümer“, sagt Bürgermeister Thilo Schreiber. Und die allermeisten von ihnen hätten bereits ihre Verkaufsbereitschaft signalisiert. „Bei dem Gebiet wollen wir die Wünsche aller Bürger mit einbeziehen, nicht nur die Interessen einzelner Eigentümer.“