Weil der Stadt Nächtliche Graffiti-Attacken nehmen zu

Tatort Bahnhof: Nachts machen sich dort Sprayer an den in Weil der Stadt  parkenden S-Bahnen zu schaffen. Foto: factum/
Tatort Bahnhof: Nachts machen sich dort Sprayer an den in Weil der Stadt parkenden S-Bahnen zu schaffen. Foto: factum/

Nachts parken die S-Bahnen in Weil der Stadt. Das zieht illegale Sprayer an.

Weil der Stadt - Erst Anfang dieser Woche meldete die Polizei wieder: Zwei Graffiti-Sprayer vorläufig festgenommen. In der Nacht waren Polizisten am Bahnhof Weil der Stadt Streife gefahren, als ihnen die beiden Männer auffielen. Bei der Personenkontrolle entdeckten die Beamten weiße Farbe auf einer Jacke. Daraufhin durchsuchten die Polizisten die Männer und fanden Vermummungsmaterial, eine Kamera, einen Handschuh mit Farbe, Gasmasken – und leere Farbspraydosen.

Im nächtlichen Weil der Stadt ist das kein Einzelfall. Im dortigen Bahnhof parken die S-Bahn-Züge der Linie 6, die ein offenbar immer attraktiveres Ziel für Graffiti-Sprayer sind. 80 Anzeigen wegen Sachbeschädigung erstattete die Bahn allein im vergangenen Jahr.

Zuständig für den Bahnhof ist die Bundespolizei. Sebastian Maus, der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart, bestätigt: 393 Anzeigen wegen Graffiti an S-Bahnen habe es allein von Januar bis Mai im Bereich des Stuttgarter S-Bahn-Netzes gegeben – ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. „Wir beobachten die steigenden Zahlen genau und müssen schauen, ob wir da einen Schwerpunkt setzen“, sagt Sebastian Maus.

Um acht Prozent sind die Fälle 2018 gestiegen

Leidtragende ist die Deutsche Bahn. Dort will man auf Nachfrage nur Zahlen für die gesamte Bundesrepublik verraten, aber auch die steigen. Um acht Prozent auf 20 100 sind die Fälle 2018 gestiegen. 13 Millionen Euro musste die DB für die Graffitibeseitigung ausgeben. Aber auch aus anderen Gründen betont der Bahnsprecher, dass Graffiti weder ein Kavaliersdelikt noch Kunst sei: „Täter bringen sich in Lebensgefahr“, sagt er. „Die Gefahren des Bahnbetriebs – wie durch rollende Züge oder durch Oberleitungen – werden immer wieder falsch eingeschätzt und führen zu schweren Unfällen.“

Abhalten lassen sich Täter davon nicht. „Bomben“ heißt es in der Szene, wenn man einen ganzen Zug besprüht. Auf einem Internetvideo ist zum Beispiel zu sehen, wie das fünf Graffiti-Sprayern innerhalb weniger Minuten gelingt. Weil der Wagen anschließend als „mobile Ausstellung“ durchs Land fährt, gilt das Bemalen von Zügen als die prestigeträchtigste Graffiti-Kunst. „Natürlich wäre es super, wenn das Piece für immer mit dem Zug herumfahren würde, aber schon alleine die Erinnerung macht mich glücklich“, erklärte ein Täter vor vier Jahren dem Magazin „vice.com“. „Das ist wie eine Sucht.“

All das weiß man auch bei der DB und reagiert dementsprechend. „Um das Erfolgserlebnis der Sprayer zu schmälern, beseitigen wir die Schäden möglichst innerhalb von 24 bis 72 Stunden“, sagt der Bahnsprecher. Für die Stuttgarter S-Bahnen gibt es dafür eine eigene Abteilung im Betriebshof in Plochingen. Besonders teuer ist die Reinigung übrigens, weil das Wasser anschließend als Sondermüll entsorgt werden muss.

Untätig sind Bahn und Bundespolizei deshalb nicht. „Die Bahnhöfe werden tags und nachts von Beamten in Uniform und Zivil überwacht“, berichtet Bundespolizei-Sprecher Sebastian Maus. Dabei kommen auch Hubschrauber zum Einsatz, die auch nachts fliegen können. Auch die Deutsche Bahn hat eigenes Sicherheitspersonal.

Zusammenarbeit mit der Landespolizei funktioniert gut

Und man kooperiert mit der Landespolizei. Das zeigt der eingangs geschilderte Fall von diesem Montag. Maus nennt noch ein anderes Beispiel vom Juli. Bei einer Verkehrskontrolle seien in einem Auto Graffiti-Dosen aufgefallen. „Den Fahrern konnten wir anschließend zwei Graffiti-Straftaten nachweisen, darunter auch eine in Weil der Stadt“, erzählt der Bundespolizist. „Die Zusammenarbeit mit der Landespolizei funktioniert also gut.“

Auch Rainer Kömpf, der Leiter des Weil der Städter Polizeipostens, beobachtet den Kampf gegen Graffiti – auch wenn er nicht direkt zuständig ist. „Wenn die Bundespolizei was unternimmt, ist in Weil der Stadt Ruhe“, stellt er fest, „und dann gehen die Täter eben nach Marbach.“ Vor ein paar Jahren habe man eine Offensive mit 18 Beamten gestartet und auch vier Täter festgenommen. Daraufhin habe ein Jahr Ruhe geherrscht.

Obwohl die Taten auf dem Bahnhof passieren und damit in die Zuständigkeit der Bundespolizei fallen, zählen sie trotzdem in die Kriminalstatistik der Stadt Weil der Stadt. Der Tatbestand der Sachbeschädigung ist von 123 Anzeigen 2017 auf 230 im vergangenen Jahr gestiegen.




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