Weil die Rewe-Tiefgarage in Stuttgart-Ost saniert wird: Kein Platz für den Wochenmarkt im Osten

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Die Rewe-Tiefgarage am Ostendplatz muss saniert werden. Ersatzparkplätze werden von Mitte Juli auf der Fläche in der Verlängerung der Holzinger-Gasse beim Jugendhaus und ehemaligen Depot angeboten. Deswegen muss ein Ersatzstandort für den Wochenmarkt, der dort jeden Freitag viele Kunden lockt, gefunden werden.

Walter und Sabine Schumacher (links) diskutieren an ihrem Obst- und Gemüsestand mit  Kunden über die Zukunft des Wochenmarkts am Ostendplatz. Vincenzo Paladino (rechts) würde am liebsten sofort eine Unterschriftenaktion für den Markt starten. Foto: Jürgen Brand
Walter und Sabine Schumacher (links) diskutieren an ihrem Obst- und Gemüsestand mit Kunden über die Zukunft des Wochenmarkts am Ostendplatz. Vincenzo Paladino (rechts) würde am liebsten sofort eine Unterschriftenaktion für den Markt starten. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - „Wenn der Markt stirbt, stirbt ein Teil vom Osten!“ Vincenzo Paladino ist empört. Er wohnt nicht weit vom ehemaligen SSB-Depot am Ostendplatz entfernt und ist Stammkunde beim Wochenmarkt in Ostheim. Seit mehr als 25 Jahren gibt es den Markt, jeden Freitag werden die Stände in der Verlängerung der Jakob-Holzinger-Gasse bis fast hinunter zum einstigen Depot aufgebaut. Der Markt, auf dem von 11 bis 17 Uhr verkauft wird, ist beliebt und für viele Menschen wie Vincenzo Paladino in Stuttgart-Ost unverzichtbarer Bestandteil ihrer Versorgung mit frischem Obst, Gemüse, Fisch und anderen Leckereien.

Der Markt muss für mindestens ein halbes Jahr verlegt werden

Aber schon von Mitte Juli an muss der Wochenmarkt von seinem angestammten Marktplatz weichen – weil die Fläche für Parkplätze benötigt wird. Das hat die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die Eigentümerin des gesamten Areals ist, auf Anfrage bestätigt. Der Grund dafür liegt nur wenige Meter entfernt unter der Erde. Die große mehrgeschossige Tiefgarage, die vor allem von Kunden des großen Rewe-Markts dort genutzt wird, muss saniert werden. Die erste Bauphase beginnt Mitte Juli und dauert nach SSB-Angaben etwa ein halbes Jahr. Die SSB sei ihren Mietern wie beispielsweise Rewe gegenüber vertraglich verpflichtet, Ersatzparkplätze zur Verfügung zu stellen, sagt einen Sprecherin des Unternehmens. Und dafür wird eben die Fläche benötigt, auf der immer freitags der Wochenmarkt stattfindet.

Schon seit Monaten wird ein Ausweich-Marktplatz gesucht, alle bisher geprüften Alternativen scheitern jedoch an Einwänden von ganz unterschiedlichen Seiten. Zum Beispiel beim Bereich der Schönbühlstraße vor der Stadtteilbücherei. Dort hat die Branddirektion Stuttgart Einspruch erhoben, weil der Markt ihrer Meinung nach die dortigen Brandschutzzonen blockieren würde. Ähnliche Bedenken gibt es bei einer Verlagerung des Marktes in die Landhausstraße und zwar in den Abschnitt zwischen Ostendplatz und Eduard-Pfeiffer-Platz. Zusätzlich müssten dort alle betroffenen privaten Stellplatzbesitzer einverstanden sein, zu Marktzeiten auf Zu- und Abfahrten zu verzichten. Dies müssten sie schriftlich bestätigen. Die Märkte Stuttgart GmbH als Veranstalter der Wochenmärkte hat aber offenbar Probleme, alle erforderlichen Einverständniserklärungen zu bekommen.

Die Marktbeschicker sind bisher nicht offiziell informiert

Der Bezirksbeirat hat mit einem einstimmigen Beschluss in seiner jüngsten Sitzung trotzdem für die Variante in der Landhausstraße plädiert, alternativ auch für die Schönbühlstraße, Hauptsache, der Markt kann stattfinden. „Wenn keine der Lösungen funktioniert, sehe ich den Markt in Gefahr“, sagt die Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier. „Er ist aber für die Nahversorgung sehr wichtig und von morgens bis abends gut besucht. Er darf einfach nicht wegfallen.“

Das Thema sorgt seit Wochen auch für Gesprächsstoff an den Marktständen und für Unsicherheit und Verärgerung bei den Marktbeschickern. Sie wissen davon bisher nur von ihren Kunden. „Von offizieller Seite wissen wir gar nichts“, sagen beispielsweise Sabine und Walter Schumacher. Die beiden sind von Anfang an mit ihrem Stand dabei und bieten ihr in Plieningen gezogenes Gemüse und Obst an. Walter Schumacher fürchtet das Schlimmste, sollte kein Ausweichplatz gefunden werden: „Das kann der Todesstoß für den Markt sein.“

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