Weiler Steckentäler feiern Geburtstag 44 Jahre Schabernack im Blättergewand

Wuscheliger Waldgeist mit freundlicher Fratze: Der Steckentäler. Foto: Narrenzunft AHA

Die diesjährige Fasnetsaison ist für die Weil der Städter Steckentäler auch mit einem besonderen Anlass verbunden: Die Gruppe wird 44 Jahre alt. Häs und Maske gehen auf eine alte Geistergeschichte zurück.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Einst, so erzählt man es sich in Weil der Stadt, wurden Waldarbeiter im nahen Steckental von der Dunkelheit überrascht. Früher war die Gegend um die Keplerstadt noch weitestgehend unbewaldet und wurde erst später, im 18. Jahrhundert aufgeforstet. Nur im Steckental drängten sich die Bäume, zwischen denen sich die Waldarbeiter laut Legende im schwindenden Licht verirrten – bis schließlich freundliche Waldgeister die Arbeiter fanden und aus dem Wald herausführten.

 

Vor 44 Jahren diente ebendiese Geistergeschichte schließlich als Inspiration für die Gründung einer neuen Fasnetsgruppe. Die Steckentäler waren geboren – und sind bis heute nicht mehr wegzudenken aus der Weiler Fasnet. Beim großen Umzug am Fasnetsonntag sind die mit eigenem Wagen unterwegs, auf dem Zuschauer aus dem Publikum in der Schaukel durch die Lüfte fliegen, oft dicht gefolgt von der dicken Wurzel auf vier ungleichen Rädern, auf denen schon so mancher Weiler eine holprige Fahrt hinter sich gebracht hat.

Aus 800 Blättern wird das bunte Häs

Unverkennbar ist auch das Häs der Steckentäler, das aus rund 800 ausgetanzten, heimischen Laubblättern nachempfundenen Filzblättern besteht. Per Hand werden diese an eine Latzhose und eine Arbeiterjacke genäht, verrät Gruppenboss Ciro Langella. Ein Gruppenmitglied würde das zwar teilweise übernehmen. Viele Neu-Mitglieder nähen das aufwendige Häs aber auch selbst. Ebenso zum Häs gehören die hölzernen Schuhe, importiert aus den Niederlanden. Ob das die wohl unbequemsten Schuhe unter allen Weiler Fasnetsgruppen sind? „Das hängt von der Person ab, die sie trägt“, scherzt Langella. Mit Schaumstoff in den Schuhen und gepolsterten Socken lässt sich der Holzschuh schon leichter tragen. Und noch ein Pluspunkt: „Man hat immer warme Füße“, so der 34-jährige Steckentäler-Chef. Holz isoliert gut gegen Kälte.

Und dann wäre da noch die Maske: Handgeschnitzt werden sie von Gernot Zechling, der auch die Masken für die anderen AHA-Gruppen herstellt. Mit expressiven Augenbrauen, roten Wangen und einer Krone aus Blättern und Ästen ist die hölzerne Maske der Steckentäler versehen, nach dem Schnitzen wird sie noch bunt angemalt und das Fell einer Heidschnucke wird angenäht. Vor allem ist die Maske aber: Immer lächelnd und keineswegs gruselig oder angsteinflößend, ganz nach dem Ursprungsmythos der freundlichen Waldgeister.

Freundliche Geister, die einen Schelm in sich tragen

Und das prägt auch das närrische Treiben der „Steckis“. So machen Schabernack treiben sie beim Umzug mit den Menschen am Straßenrand. „Wir sind eigentlich immer gut drauf und interagieren gerne mit den Zuschauern“, erzählt Langella. Bei der Fasnet, da haben die Steckentäler Spaß – und teilen das auch, streifen durch das Publikum und wuscheln dem ein oder anderen Gast durch die Haare. „Wir haben auch einen kleinen Schelm in uns“, sagt Langella.

Für die Steckentäler ist die diesjährige Fasnetsaison eine besondere – denn der 44. Geburtstag der Gruppe wird zelebriert, wie bei den Narren üblich zählt hier die Schnapszahl. Zu Ehren der Gruppe läuft im Weiler Narrenmuseum derzeit eine Sonderausstellung. Vor der Stadtmauer ist den Steckentälern seit Kurzem auch eine neue Holzbank mitsamt Kupferblatt gewidmet, direkt neben einer Linde, die 2002 zum 22. Gruppenjubiläum gepflanzt wurde. Und mit einem eigenen Brauchtumsabend wurde auch schon gefeiert. 103 Mitglieder haben die Steckentäler aktuell. „Und jedes Jahr kommen ein paar dazu“, berichtet Langella, der inzwischen siebte Chef der Gruppe. Ein Nachwuchsproblem haben die Steckentäler, wie die restliche Narrenzunft auch, keineswegs.

Viel gelernt habe auch er im Zuge des Jubiläums, besonders über die Ursprünge und die Gründungszeit der Steckentäler, erzählt der Gruppenchef. Zum Beispiel habe man alte Mitgliederlisten in der Gruppe durchforstet und sortiert – und dabei auch einiges über die Mitglieder und die Historie der Fasnetsgruppe erfahren.

Ciro Langella selbst ist seit 2017 bei den Steckentälern. Der 34-Jährige, der eigentlich aus Leonberg kommt, fand über seine Frau und seine Schwiegermutter, beide selber Gruppenmitglieder, zu den Steckentälern. Es folgte ein rascher Aufstieg zum Vize-Chef – und im vergangenen Jahr dann schließlich auch auf den Chefsessel. „Ich bin ein Vereinsmensch“, erzählt Langella, habe sich von Anfang an einbringen wollen. Den Start in sein Amt legt er nun gleichzeitig mit dem Jubiläum hin. „Aufregend und anstrengend“ sei das. „Aber es macht viel Spaß“, sagt er. „Ich kriege auch sehr viel Unterstützung aus der Gruppe.“

Das Gruppengefühl macht die Steckentäler aus

Und das ist es schließlich auch, was die Steckentäler für Ciro Langella auszeichnet – der Zusammenhalt. „Das Gruppengefühl ist sehr stark“, berichtet er. „Es gibt Meinungsverschiedenheiten, das ist überall so. Aber man kann bei uns auf jeden Einzelnen zählen.“ Bei der Gründung sei ein starkes Wachstum gar nicht das Ziel gewesen. Dass es inzwischen trotzdem über 100 Mitglieder gibt, spreche für die Steckentäler. „Das hat weniger etwas mit dem Häs zu tun“, sagt Langella. „Sondern, dass das Gruppengefühl einfach passt.“ Und wie geht es weiter für die Steckentäler? Nach bewährtem Rezept: „Als Gruppe stark sein, Brauchtum und Tradition hochhalten“, so zählt es Langella auf. „Und bei der Fasnet eine gute Zeit haben.“

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