Die Vorfreude steigt mit jedem kalten Tag, den ich ertragen muss. Bei derart lausigen Temperaturen muss der Mensch natürlich mal an den Sommer denken. Seit gefühlt hundert Jahren bin ich zu dieser Jahreszeit immer auch mal am Bodensee. Und mit dieser ganzen Erfahrung kann ich unumwunden sagen: verdammt schöne Gegend. Mitten in den Weinbergen darf man da sitzen, die Sonne genießen, auf Segelboote und den See schauen und im Hintergrund die Berge in der Schweiz bestaunen.
Was ich auch in den vielen Jahren gelernt habe, durch fleißige Verkostungen: Der Wein vom See hat einen absoluten Qualitätssprung gemacht. Ich bin eher in Meersburg unterwegs, aber das ist ja Baden. Einen ebenso großen Sprung haben aber die Weingüter in Bayern gemacht, die allerdings zum Anbaugebiet Württemberg gehören. Passend zum Württemberger Weinwunder! Auch dort übernimmt die nächste Generation, junge Leute, die eine sehr gute Ausbildung genossen haben. Zum Beispiel Jonas Kurek. Vor fünf Jahren erst ist der Betrieb gegründet worden. Natürlich, weil der Sohn große Ziele hat. Der Vater baut noch Obst an, machte aus seinen Trauben keinen eigenen Wein.
Der Sohn nun dreht am großen Rad. Seine Lehre machte er beim Weingut Bernhard Huber, einem der allerbesten in ganz Deutschland. Dann studierte er in Geisenheim und lernte noch beim Weingut Fürst in Franken. Für Weinwisser: Das sind die beiden wohl besten Produzenten von Spätburgunder in der Republik. Da wundert es nicht, dass auch Jonas Kurek bei dieser Sorte aufdreht: Beim deutschen Rotweinpreis hat er in der Kategorie unter 20 Euro den dritten Platz belegt mit einem großartigen Tropfen. Jung, wild, eher aus dem Burgund denn aus dem alten Bodenseegebiet. Dies sei auch unbedingt sein Ziel, sagt er, das Burgund sei Vorbild. Was er allerdings auch sagt: Der Wein hat ein großes Lagerpotenzial – was leider nicht hilft, denn er ist ausverkauft. Im August wird der nächste Jahrgang abgefüllt. Wir können uns also auf den Sommer freuen.