Weinkolumne Lesestoff Grundsolide

Von Harald Beck 

Der StZ-Weinkolumnist Harald Beck hat diesmal einen Spätburgunder aus gutem Hause, aber im unteren Preissegment aufgemacht.

Geradlinig-solide und mit ordentlich Säure: dem StZ-Weinkolumnisten Harald Beck schmeckt der Spätburgunder aus dem Remstal. Foto: dpa
Geradlinig-solide und mit ordentlich Säure: dem StZ-Weinkolumnisten Harald Beck schmeckt der Spätburgunder aus dem Remstal. Foto: dpa

Stuttgart - Der Spätburgunder gilt als die Königsdisziplin des Weinmachens. Allein die weltweit für ihn verwendeten Namen füllen locker ein DIN-A4-Blatt, am bekanntesten ist er als Pinot noir. Der Vorzeige-Rote der kühleren Weinwelt stammt aus dem Burgund. Und er ist auch einer, der mit seinem französischen Namen an die Heimat anknüpft. Pinot, wie „pin“, der Kiefern- oder Pinienzapfen, erinnernd an die typische Form der Traube des Spätburgunders. Als Clävner (Klevner) hat die von Kaiser Karl II. eingeführte Sorte anno 884 den Bodensee erreicht. Und der Spätburgunder hat den Ruf, keine einfache Sorte zu sein, sondern eher ein empfindliches Gewächs mit wenig Toleranz für Frühjahrsfrost und recht dünnhäutigen Früchten, die anfällig sind für Verletzungen in der Reifephase. Mehltau, Rohfäule, Fadenwürmer – der Spätburgunder kennt manchen intimen Feind, aber er schmeckt halt verdammt gut, wenn der Ausbau gelingt.

Grund genug für viele Wengerter, daraus einen Tropfen fürs obere Angebotssegment zu kreieren. Angesichts der knapp 12 000 Hektar Spätburgunder in Deutschland (Württemberg rund 1300) finden sich aber auch im Basissegment diverse bezahlbare Vertreter der Art. Etwa der 2014er Winterbacher Spätburgunder aus dem Hause Jürgen Ellwanger. Ein gradlinig-solider, nicht zu anschmiegsamer Wein – mit genügend Säure, um klarzumachen, dass im Remstal die Nettigkeit nicht die hervorragendste aller Tugenden ist.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Kathrin Haasis So wurde einst schwäbischer Spätburgunder in Massen produziert: Süß und sauer gleichzeitig ist diese Exemplar von den Ellwangers, dünn und duftlos. Ich hatte gehofft, dass es diesen Typ Spätburgunder längst nicht mehr gibt!

Holger Gayer Ein harsches Urteil, das die Kollegin fällt – aber leider ein berechtigtes. Auch mir ist vor allem die süßsaure Disharmonie dieses Weins im Gedächtnis geblieben, wobei am Ende vor allem das Süße bleibt. Insgesamt sehr schade!

2014 Winterbacher Spätburgunder,7,90 Euro, Weingut Jürgen Ellwanger, Winterbach, 0 71 81/4 45 25, www.weingut-ellwanger.de