Weinkontrolleur aus Fellbach Viel mehr als nur Viertelesschlotzen

Der 55-jährige Wolfgang Hehner hat ein feines Näschen. Foto: Michael Käfer
Der 55-jährige Wolfgang Hehner hat ein feines Näschen. Foto: Michael Käfer

Wolfgang Hehner ist einer von drei Weinkontrolleuren am Fellbacher CVUA und besucht pro Jahr rund 370 Betriebe zwischen Heilbronn und Bodensee.

Fellbach - Wenigstens mit einem Klischee räumt Wolfgang Hehner nachdrücklich auf: Nicht die Nase oder die Zunge mit ihren Geschmacksknospen sind das wichtigste Körperteil eines Weinkontrolleurs, sondern immer noch der Kopf samt Inhalt. Wer sich die Tätigkeit des 55-Jährigen als beständiges Viertelesschlotzen vorstellt, der liegt gründlich daneben, auch wenn der Weinexperte sagt: „Die sensorische Qualitätskontrolle vor Ort ist ein nicht unwesentlicher Teil unserer Arbeit.“

Wolfgang Hehner und seine beiden Kollegen vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) überwachen den gesamten Lebenszyklus weinbaulicher Produkte von der Erzeugung über die Weinbereitung bis hin zur Kennzeichnung und Vermarktung. Dabei kümmern sie sich nicht nur um den in Fachkreisen wegen der fehlenden Kohlensäure als „Stillwein“ bekannten vergorenen Rebensaft, sondern auch um perlenden Sekt, Schaumwein oder den Federweißen.

Bei fünf Prozent der Betriebe gibt es Beanstandungen

„Ein Teil der Kontrollen findet als reine Dokumentationskontrolle statt“, sagt Wolfgang Hehner. Im Dickicht von Weinbuch, Kellerbuch, Behälterlisten, Herbstdokumentation und vorgeschriebenen Meldungen an die Weinbauanstalten in Weinsberg und Freiburg verirrt sich immer mal wieder ein Weinbauer. „Bei fünf Prozent der Betriebe gibt es Beanstandungen“, sagt der Fachmann, der bereits seit gut 20 Jahren am Fellbacher CVUA tätig ist und zuvor bei einem anderen Untersuchungsamt als Weinkontrolleur arbeitete. Unabhängig davon, dass die meisten Mängel rein formale Fehler bei der Dokumentation und der Kennzeichnung der Erzeugnisse sind, bedeutet das nicht, dass fünf Prozent der Betriebe schlecht arbeiten würden, denn die Statistik täuscht. „Wir versuchen unsere Proben zweck- und zielgerichtet zu nehmen“, sagt Wolfgang Hehner.

Der diplomierte Getränketechnologe und Wirtschaftsingenieur hat rund 500 Betriebe in seinem Kontrollbezirk, der neben Fellbach auch den Stadt- und Landkreis Heilbronn, den Hohenlohekreis, den Main-Tauber-Kreis sowie die Bodenseeregion zwischen Überlingen und Kressbronn umfasst. 370 Kontrollen bewältigt der Weinsachverständige pro Jahr, wobei manche Betriebe zu wechselnden Jahreszeiten bis zu viermal Besuch bekommen. Das müssen nicht zwangsläufig besonders schlechte Unternehmen sein, denn die Betriebsgröße, das Produktspektrum und die schiere Menge der Erzeugnisse spielen bei der Kontrollfrequenz neben eventuellen Mängeln aus der Vergangenheit eine Rolle. Außerdem haben Wolfgang Hehner und seine Kollegen eine Beratungsfunktion und werden immer wieder von Winzern gezielt angefordert.

Die Lage soll vermehrt im Mittelpunkt stehen

Immerhin ist das Weinrecht nicht ganz ohne Fallstricke und wurde erst im vergangenen Jahr geändert. Eine weitere Novellierung hängt derzeit im Gesetzgebungsverfahren zwischen Bundesrat und Bundestag. Während hierzulande die Sortenbezeichnungen im Fokus stehen, interessiert etwa beim Champagner oder beim Portwein die Rebsorte nur am Rande. Das künftige Weinrecht will auch deswegen die Lage vermehrt in den Mittelpunkt stellen. Je kleinräumiger sie auf dem Etikett beschrieben ist, desto höher der Qualitätsanspruch.

Was die Weinqualität generell angeht, sieht Wolfgang Hehner die Wengerter auf einem guten Weg. Unter anderem die verbesserte Ausbildung der Winzer, der Trend zur Professionalisierung, aber auch Marktmechanismen tragen dazu bei. „Schlechte Weine lassen sich heute nicht mehr vermarkten“, sagt der Fachmann. Ein wenig zur Qualitätsverbesserung haben sicherlich auch Wolfgang Hehner und seine Kollegen vom Fellbacher CVUA beigetragen, obwohl er das aus Bescheidenheit so nie sagen würde. Bei seinen Kontrollen trifft er jedenfalls ebenso regelmäßig ins Schwarze wie im Hobby die goldene Mitte sein Ziel ist: Wolfgang Hehner ist Vorsitzender des Neuenstadter Bogen- und Armbrustvereins und startet in der Württembergliga.




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