Weinstadt-Beutelsbach Schlechte Apfelernte macht Safthersteller zu schaffen

Von Johannes Grau 

Frost im Frühling, Hitze im Sommer: Bei Beutelsbacher im Rems-Murr-Kreis ist man mit der diesjährigen Apfelernte nicht zufrieden. Wie die Firma darauf reagiert:

Matthias Maier verschwindet schier hinter den Flaschen, die bei Beutelsbacher Fruchtsäfte mit hochwertigem Inhalt gefüllt werden. Foto: Gottfried Stoppel
Matthias Maier verschwindet schier hinter den Flaschen, die bei Beutelsbacher Fruchtsäfte mit hochwertigem Inhalt gefüllt werden. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt - Fette Jahre, magere Jahre – angesprochen auf den Ertrag dieser Apfelsaison, erwähnt Michael Stuber vom Landwirtschaftsamt mehrmals den Begriff Alternanz. Auf ein erfolgreiches Jahr, wie 2018 eines gewesen sei, folge üblicherweise ein schwächeres. Der Frost im Frühjahr, die Hitze im Sommer und der Hagel am 20. Juni in Backnang hätten die Landwirte in der Region Stuttgart vor zusätzliche Probleme gestellt, berichtet er. Trotzdem lägen die Erträge über dem Durchschnitt der vorangegangenen Jahre. Zeitungsberichte bestätigen diesen Eindruck. Demnach erwarte man in Baden-Württemberg bis zu 20 Prozent geringere Erträge im Vergleich zum Vorjahr, aber elf Prozent mehr als im Schnitt zwischen 2013 und 2018.

Matthias Maier, der zusammen mit seinem Bruder Thomas Maier das Familienunternehmen Beutelsbacher Fruchtsäfte in Weinstadt führt, hat einen anderen Eindruck. Für den Streuobstanbau sei 2019 ein sehr schwaches Jahr gewesen. Am Firmensitz, der sich seit fast 20 Jahren in Weinstadt befindet, werden laut Maier drei bis vier Millionen Liter Apfelsaft pro Jahr produziert.

Komplett regionale Herkunft des Obsts nur in starken Jahren

Dabei setzt man laut Maier vermehrt auf Nachhaltigkeit. „In starken Jahren können wir unseren Saft komplett aus regionalen Äpfeln herstellen“, sagt Maier. Laut ihm haben 90 Prozent der verkauften Säfte Bio- oder Demeter-Qualität. „Energieeinsatz ist natürlich immer eine riesen Frage“, berichtet er. Früher habe man pro investierter Kalorie in der Landwirtschaft fünf Kalorien über die erzeugte Nahrung erhalten, während das Verhältnis heute fast ausgeglichen sei.

Dieser erhöhte Energieaufwand in der Landwirtschaft ist laut Maier aber kein Problem, wenn auf eine umweltschonende Stromgewinnung geachtet wird. So beziehe Beutelsbacher Fruchtsäfte Energie aus regenerativen Quellen, wobei 20 Prozent aus einer eigenen Fotovoltaikanlage kämen. Man verwende nur Glasflaschen, da die Qualität der Produkte sonst beeinträchtigt werden könne und weil Glas laut Maier das nachhaltigste Verpackungsmaterial ist.

Bio-Lebensmittel: Vom Nischenprodukt zum Mainstream

Die Beutelsbacher sind seit Jahren ein wachsendes Unternehmen, daher steigt auch ihr Bedarf an Früchten konstant. Das mache die gewünschte regionale Produktion immer schwerer, da die Ernten der näheren Umgebung nicht genug Streuobst hergeben würden. Regelmäßig müsse Obst aus Baden-Württemberg oder Italien angekauft werden, um den eigenen Bedarf zu decken. „Bio wächst aus der Nische heraus“, erzählt Maier, was zwar zu einem größeren Markt, jedoch auch zu mehr Konkurrenz führe – vor allem bei lokalen Äpfeln.

Dabei berichten viele Gemeinden, dass die Ernte weitaus größer ausfallen könnte. Viele Besitzer kleinerer Flächen würden diese nicht mehr ernten, wodurch viel Obst verloren ginge. Oft fänden sie keine Zeit, sei es wegen der Arbeit oder Freizeitaktivitäten. Das Alter der Inhaber steige, weshalb viele auch körperlich nicht mehr in der Lage seien, selbst zu pflücken. Diese Gründe führten dazu, dass viele verwertbare Äpfel ungenutzt blieben.

Schwere Zeiten für kleine Betriebe

Ein weiteres Problem ist in letzter Zeit ebenfalls zu beobachten. Viele kleinere Betriebe würden angesichts des steigenden Drucks aufgeben. Zwar wären lokale Waren im Trend, zum Leidwesen vieler Landwirte mache sich das beim Preis aber oft nicht bemerkbar. „Lebensmittel sind viel zu billig.“ Müsste man beim Kauf von Lebensmitteln auch die beim Anbau angerichteten Umweltschäden bezahlen, dann wäre der Preis laut Maier deutlich höher. Auch weil er die Situation in der Landwirtschaft kennt, fordert er trotzdem: „Lieber fördern statt verbieten.“

Man solle Anreize schaffen, um Probleme ohne deutlich strengere Regeln lösen zu können, obwohl auch Maier zugibt: „Ganz ohne Verbote wird es nicht gehen.“ Bei Beutelsbacher Fruchtsäfte erhielten Bauern, verglichen mit konventionellen Früchten für Bioäpfel den doppelten Preis. Für viele sei dieser finanzielle Anreiz ein guter Grund, in Zukunft Bio zu produzieren.

Zu großen Teilen sieht Maier aber auch die Verbraucher in der Pflicht. Jeder könne mit seiner Kaufentscheidung Einfluss auf die Produktion nehmen. Einen weiteren guten Grund, regionale Bioware zu kaufen, gäbe es außerdem. „Man schmeckt auch einen Unterschied“, meint der Fruchtsaftexperte Matthias Maier.