Weinstadt Neue Stadtbücherei kommt bei Besuchern gut an

Edda Lämmle ist die Gründerin des Literarischen Gesprächskreises. Foto: Gottfried Stoppel

Seit der Wiedereröffnung in neuen Räumen verzeichnet man in der Stadtbücherei Weinstadt einen großen Zulauf. Verlängerte Öffnungszeiten sowie Veranstaltungsangebote locken. Ein Besuch.

Morgens in der neuen Stadtbücherei von Weinstadt: Die ersten Besucher sind bereits auf der Suche nach neuem Lesestoff. „Die neuen Öffnungszeiten werden gut angenommen“, sagt die stellvertretende Büchereileiterin Julia Schiemann über den Zulauf schon in der Früh. Mit der Wiedereröffnung der städtischen Einrichtung in ihren neu gebauten Räumen auf dem ehemaligen Bleistiftareal – benannt nach einer Schreibwarenhandlung, die sich einst im Vorgängerbau an dieser Stelle befand – sind die Öffnungszeiten ausgeweitet worden, unter anderem dienstags vom Nachmittag auf durchgehend den gesamten Tag.

 

Das findet offenbar regen Zuspruch. „Im Durchschnitt kommen 200 Besucher pro Tag.“ Noch um ein Fünffaches darüber lag der Eröffnungstag. Rund 1000 Interessierte seien zum Start Anfang März gekommen, berichtet Schiemann. Zahlreich seien seither auch die Neuanmeldungen, die 100er-Marke bald geknackt. Kaum hat Schiemann das ausgesprochen, kommt eine Familie herein, um sich Leihausweise machen zu lassen.

Seit 15 Jahren gibt es den Literarischen Gesprächskreis

In dem neuen Veranstaltungssaal der Stadtbücherei sammeln sich derweil die Teilnehmer des Literarischen Gesprächskreises. Seit 15 Jahren gibt es das Angebot. Am neuen Büchereistandort besteht es nicht nur unverändert fort, es ist auch das Erste, das nach der Eröffnungsfeier wieder an den Start geht. Vorwiegend sind es ältere Damen, die sich um Edda Lämmle, die Gründerin des Gesprächskreises, sammeln. Eine Altersgrenze gebe es bei den Lesezeichen, so der Name des Gesprächskreises, indes nicht und Jüngere seien ebenso willkommen, merkt Lämmle im Gespräch mit dieser Zeitung an.

Wie kam es zur Gründung des Gesprächskreises? „Der Stadtseniorenrat hat für seine Aktion Aktiv im Alter Leute gesucht, die sich in die Seniorenarbeit einbringen wollen“, berichtet Lämmle. Frisch in den Ruhestand gekommen habe sie sich auf diesen Aufruf hin gemeldet und vorgeschlagen, einen Lesekreis zu machen – „rein aus privater Lesefreude“. Denn gelesen habe sie schon immer gern, doch während ihres Erwerbslebens als Apothekerin habe sich ihre Lektüre meist auf Fachbücher und -zeitschriften beschränkt.

Die Stadtbücherei griff Lämmles Vorschlag auf und stellte ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Seither kommt der Literarische Gesprächskreis einmal monatlich zusammen – viele Jahre lang im Lesecafé der früheren Büchereiräume, jetzt mit mehr Ruhe und Raum im Saal des Neubaus. Gut angenommen worden sei er von Anfang an, berichtet Lämmle: „Die Zahl liegt relativ konstant bei rund 20“ – in wechselnder Besetzung. So seien manche von Beginn an dabei, andere ausgeschieden und dafür neue Teilnehmer dazugekommen.

Zu den Teilnehmern der ersten Stunde gehört Uta Volk. An diesem Dienstag ist sie diejenige, die in das Gesprächsthema einführt. In den vergangenen Wochen seit dem vorangegangenen Treffen hat Volk sich die Biografien von Pearl S. Buck vorgenommen. Statt eines konkreten Werks wolle sie ihnen die Schriftstellerin selbst vorstellen, die 1892 in den USA als fünftes Kind einer amerikanisch-holländischen Missionarsfamilie geboren, ihre Kindheit in China verbrachte, kündigt Volk an. Gespannt lauschen die anderen ihren Ausführungen. Jedes Mal sei jemand anderes dran, ein Buch vorzustellen, das im Anschluss daran gemeinsam besprochen werde, erklärt Lämmle den Ablauf.

Meist sind es Werke zeitgenössischer Schriftsteller

Wer mit welchem Buch an die Reihe komme, werde im vorausgehenden Gesprächskreis festgelegt. Bis zum nächsten Treffen habe so jederzeit, die ausgewählte Lektüre selbst zu lesen. Meist seien es Werke zeitgenössischer Schriftsteller unterschiedlicher Genres von der Autobiografie bis zum Kriminalroman. Die lese sie auch am liebsten, verrät Edda Lämmle, vor allem jene, die von Autoren in ihrem Alter oder nur wenig jünger geschrieben seien. Weshalb? „Weil das, was diese im Laufe ihres Lebens erlebt und verarbeitet haben, meinem eigenen Lebenslauf ähnlich ist“, sagt sie.

Und was macht den Reiz aus, die gelesenen Bücher mit anderen zu besprechen? „Wenn man danach darüber redet, macht dies das Gelesene intensiver“, antwortet Lämmle. So stelle man gemeinsam Besonderheiten fest, merke, ob das eigene Leseverständnis dem anderer entspreche oder abweiche. „Dabei tauschen wir uns nicht nur über den Lesestoff aus, sondern auch über den Schreibstil“, sagt Lämmle, „denn es gibt langweilige Bücher über spannende Themen. Umgekehrt, ein spannendes Buch über ein langweiliges Thema zu schreiben, ist viel schwieriger.“

Veranstaltungen in der Stadtbücherei

Lesezeichen
 Immer am letzten Dienstag im Monat – außer während der Sommerferien – trifft sich der Literarische Gesprächskreis von 10 bis 11.30 Uhr im Saal der neuen Stadtbücherei, das nächste Mal am 30. April.

Lesung
 Die erste Autorenlesung in den neuen Räumen in der Ulrichstraße 35 in Weinstadt-Beutelsbach findet am 17. April statt. Von 19.30 Uhr an stellt Jürgen Seibold seinen Kriminalroman „Sherlock ist ausgeflogen“ vor. Karten gibt es im Vorverkauf für 5 Euro in der Stadtbücherei, telefonisch unter 0 71 51 / 6 93- 3 22 oder per E-Mail an stadtbuecherei@weinstadt.de.

Vorlesezeit
 Mittwochs ist Vorlesezeit für Kinder von drei bis sechs Jahren, von 15.30 bis 16 Uhr, von 16 bis 16.45 Uhr für Sieben- bis Neunjährige. Anmelden muss man sich nicht. Der Eintritt ist frei.

Kindertheater
 Für Kinder ab vier Jahren spielt die Wolfsburger Figurentheater Compangie am 18. April „Cowboy Klaus und sein Schwein Lisa“. Die Vorstellungen beginnen um 14.30 und 16 Uhr und dauern etwa 45 Minuten. Der Eintritt kostet drei Euro, ermäßigt zwei. Karten gibt es nur im Vorverkauf.

Kinderkonzert
 Unter dem Motto „Hurra, wir spielen ein Konzert“ ist am 5. Mai als neues Angebot in der Weinstädter Stadtbücherei ein Mitmach-Konzert für Kinder von vier bis neun Jahren geplant. Das Duo The Twiolins erzählt in der Zeit von 16 bis 16.45 Uhr eine Geschichte über Freundschaft, Mut und die Kraft der Musik.

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