Ab und an hat Dino Rex so ein Gefühl in seinem Dinobauch
Doch ab und an hat er da so ein Gefühl in seinem Dinobauch. In solchen Momenten ist alles komisch, und er möchte brüllen, bis die Bäume wackeln und hüpfen, bis die Erde bebt. Hunde-Kumpel Einstein erzählt er von seinen Empfindungen. Und der bringt es direkt auf den Punkt und erklärt Rex ohne Umschweife, dass er ja auch ein Dinosaurier sei und sich nicht wundern müsse. Also macht Rex sich auf die Suche nach Gleichgesinnten.
Bei der Hauptperson hat Elena Kressler Vorgaben von ihrem Sohn bekommen
Die Geschichte hat sich Elena Kressler alleine ausgedacht – beziehungsweise sie war einfach plötzlich in ihrem Kopf. Vielleicht dank der Dino-Phase ihrer zwei Jungs. Beim Dino-Prototyp Rex sah die Sache schon anders aus, da gab es strenge Vorgaben von ihrem jüngeren Sohn Jona. „Ihm war sehr wichtig, dass der Dino nicht zu gruselig wird. Im Gegenzug sollte er aber auch auf keinen Fall zu niedlich rüberkommen, schließlich ist ja die Rede von einem Dinosaurier“, sagt Elena Kressler, die ein schlimmer Schicksalsschlag in der engsten Familie wieder zum Zeichnen gebracht hat: Ihre jüngere Schwester erkrankte während der Pandemie an Krebs. „Aus dem Grund konnten wir uns in der schweren Zeit ewig nicht sehen, das wäre ja viel zu gefährlich gewesen wegen der Ansteckung. Aber die Jungs lieben ihre Tante sehr.“ Also fing Elena Kressler an, Zeichnungen anzufertigen und ihre beiden Söhne vertonten sie. „Nach jeder Chemo haben Jona, Ben und ich ihr eine kleine Geschichte mit Bildern geschickt, in der eine Heldin ein Monster besiegt, um ihr Mut zu machen.“
Und plötzlich sahen die Kinder, dass ihre Mama zeichnen kann – und Elena Kressler merkte, wie sehr sie es vermisst hatte. Denn bis dahin hatte der zweifachen Mutter, die Kunst und Mathematik studiert hat, einfach die Zeit gefehlt. „Während des Kunststudiums habe ich meine Liebe für Bilderbücher entdeckt und die auch gesammelt. Aber das Mathestudium hat dann so viel Zeit gefressen, dass fürs Zeichnen keine Zeit mehr blieb“, erklärt Elena Kressler, die eigentlich mal Gymnasiallehrerin werden wollte. Stattdessen hat sie dann aber Kurse an einer freien Kunstschule gegeben und sich erst mal um die Kinder gekümmert. „Auch da haben Bücher von Anfang an eine große Rolle gespielt. Ein perfektes Vorlesebuch muss tolle Bilder haben, spannend und lustig und nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein“, erklärt die 37-Jährige.
Diese Kriterien will die Frau, die gebürtig aus der Nähe von Künzelsau stammt, künftig in ihren eigenen Kinderbüchern umsetzen. „Mein Ziel ist es, dass ich mehrere Projekte an den Start bringe. Als Kinderbuchautorin und Illustratorin bin ich freischaffend und kann mir alles mit meinem Mann flexibler einteilen im Familienalltag.“
Von der Familie bekommt sie volle Rückendeckung
Apropos Familie: Von ihren Männern bekommt Elena Kressler volle Rückendeckung. Der einzige Kritikpunkt, den sie sich regelmäßig anhören muss, ist der, dass sie zu perfektionistisch ist und nicht loslassen kann. „Es stimmt schon, ich will es tadellos und fehlerfrei haben. Da habe ich teils mehrmals die gleichen Zeichnungen bearbeitet, um sie noch besser hinzukriegen. Und ich sitze auch immer ganz schön lange an einer Zeichnung dran.“
Kein Wunder: Die 37-Jährige benutzt ausschließlich Holzstifte für die bunten, detailverliebten Bilder von Dino Rex, den Hundefreunden und seinen Dino-Kumpels – denn ja, seine Suche ist irgendwann doch noch von Erfolg gekrönt. Jede Figur hat einen eigenen Charakter und eigene Farben, die als Stifte in vielen Gläsern bei ihr auf dem Schreibtisch stehen. Schaut man sich in dem Arbeitszimmer der Weinstädterin um, sieht man neben jeder Menge Dino-Bildern auch schon eine neue Themenidee an der Wand hängen. „Ich hab einiges in der Pipeline, also im Kopf. Aber erst mal will ich als Nächstes zusammen mit meiner Schwester ein Projekt veröffentlichen, bei dem es um Geografie und Wissensvermittlung gehen soll.“ Der 37-Jährigen, die – wenn man sie lässt – am liebsten nachts arbeitet, wird also nicht langweilig. Denn sie bringt ihr erstes Buch im Eigenverlag raus – Geschichte, Bilder, Layout, Buchsatz, Marketing – alles muss sie im Blick haben. Das langfristige Ziel von Elena Kressler ist es, einen eigenen Verlag zu gründen. „Alles selbst zu machen, ist schwierig, aber auch toll. Mir schwätzt keiner rein, und ich lerne so viel und wachse an den Aufgaben. Es macht mega Spaß. Die Zeichnungen sollen mein Markenzeichen werden“, sagt die zweifache Mutter, die hofft, dass ihr Buch, das im Oktober gedruckt werden soll, dann auch in einigen Läden zum Kauf ausliegen wird. „Mein Wunsch wäre, dass ich irgendwann mit meinen Büchern in Kitas und an Schulen gehe, und die Kinder über die Geschichten ins Gespräch kommen.“
Dino Rex kann endlich brüllen und hüpfen
Und Dino Rex? Der ist wunschlos glücklich. Denn nachdem er jede Menge Tiere um Rat gefragt hatte und jedes Mal, passend zum Buchtitel „Dinosaurier sind lääängst ausgestorben“ zu hören bekam, hat er doch noch weitere Dinos gefunden. Gemeinsam mit ihnen kann er endlich seinen Gefühlen freien Lauf lassen und brüllen und hüpfen.
Nähere Infos zu Elena Kressler und ihren Buchprojekten gibt es bisher nur auf Instagram unter #kekikinderbuch. Zeitgleich zur Verwirklichung des Buches (es soll rund 18 Euro kosten und spätestens um die Vorweihnachtszeit an verschiedenen Stellen erhältlich sein) soll dann aber auch die Homepage www.keki-kinderbuch.de an den Start gehen.