VfB-Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle (links) und Moderator Jens Zimmermann unterstützen als neue Gesellschafter Mancika Kohler-Kesinovic, die Chefin der Weinstube Fröhlich. Foto: 24passion/Tom Weller
Als „Perle der Altstadt“ sieht VfB-Chef Alexander Wehrle die Weinstube Fröhlich: Künftig ist er dort mehr als nur Stammgast. Mit Jens Zimmermann, dem Vorsitzenden des Vereins Pro Stuttgart, wird er Besitzer einer Institution. Wie kam es dazu?
Läuft bei ihm! Der VfB Stuttgart steht so gut da wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Alexander Wehrle, seit 2022 Vorstandsvorsitzender der weiß-roten AG, ist aber auch abseits des Fußballs nicht untätig. Bei Großereignissen der Stadt wie beim CSD oder Weindorf sieht man ihn – und wenn er gut essen gehen will, steuert er gern das Leonhardsviertel an.
In der Weinstube Fröhlich ist zwischen den Laufhäusern vor vielen Jahren schon mal ein Stammgast zum Inhaber geworden. Hans Fröhlich, der frühere Feuilletonchef der Stuttgarter Nachrichten, übernahm 1988 das Restaurant, in dem er am liebsten saß.
Für den in Bietigheim-Bissingen geborenen Alexander Wehrle war es „Liebe auf den ersten Blick“, wie er sagt. In der traditionsreichen Weinstube des Leonhardsviertels seien Gastfreundlichkeit, Ambiente und Küche „herausragend“. Als ihn Chefin Mancika Kohler-Kesinovic, die seit 2001 eines der sympathischen Gesichter des Lokals ist, fragte, ob er nicht Teilhaber werden wolle, entschied er sich rasch dafür, dies gemeinsam mit Moderator und Sportmanager Jens Zimmermann zu tun, dem Vorsitzenden des Weindorf-Vereins Pro Stuttgart, der auf der Liste der Grünen für den Gemeinderat kandidiert.
Die drei Besitzer im Inneren der Weinstube Fröhlich. Foto: 24passion/Tom Weller / 24passion
Die operative Leitung des Lokals bleibt bei der geschäftsführenden Gesellschafterin Mancika Kohler-Kesinovic, genannt „Manci“. Ihre beiden neuen Geldgeber sehen ihren Platz im Hintergrund. „Gerne bringe ich mich beratend mit ein, so gut es meine Zeit zulässt“, sagt Wehrle.
„Manci“, die 2000 ins Lokal zu der langjährigen Chefin Christina Beutler kam, erst als Kellnerin, seit 2008 als Mitinhaberin, freut sich, dass sie nach Beutlers Abschied zwei namhafte Persönlichkeiten gefunden hat, die helfen wollen, die Erfolgsgeschichte der Weinstube „mit Freude und Leidenschaft weiterzuführen“, wie Kohler-Kesinovic sagt.
Einst ist die 1963 eröffnete Weinstube Widmer, benannt nach der Chefin, zu der die Gäste auch „„Mammi“, „Medi“ oder „Widmerin“ sagten. Damals lag’s nicht unbedingt an der Küche, dass Künstler, Medienleute und Intellektuelle das Lokal so sehr schätzten. Aber hier durften sie bis um 2 Uhr morgens bleiben, um sich die Zunge wundzureden über „Wehmeiers Che-Guevara-Inszenierung, über die Vorschulerziehung oder das Liebesleben der Linksradikalen“, wie sich der Journalist Hans Fröhlich erinnerte, dessen Aufstieg vom Kulturjournalisten zum Altstadtwirt führte.
Seit 15 Jahren ist Andreas Neu der Chefkoch
1988 hatte Fröhlich mit der nun nach 35 Jahren ausgeschiedenen Christina Beutler, 63, die bereits in der Bar der Liederhalle seine Angestellte war, die Weinstube Widmer übernommen, die mitten im Rotlichtviertel seit Längerem leer stand. Nur acht Jahre war es ihm vergönnt, sein einstiges Stammlokal zu führen, das zu einer für schwäbische Küche hochgeschätzten Adresse geworden ist. Nach Fröhlichs Tod 1996 ist Christina Beutler die Chefin geworden, hat die Aufs und Abs der Altstadt erlebt, viele treue Gäste kommen und gehen sehen, für die das Lokal das zweite Wohnzimmer war.
Mit seinem Einstieg in der Weinstube Fröhlich, in der Chefkoch Andreas Neu seit 15 Jahren für die gleichbleibend hohe Qualität in der Küche verantwortlich ist und in der es regionale und überregionale Weine gibt, wandelt Alexander Wehrle nun auf den Spuren seines Vorgängers. Thomas Hitzlsperger ist Teilhaber des französischen Restaurants L’Escargot im Londoner Stadtbezirk Soho. Jens Zimmermann war dort auch schon Gast und fand’s sehr gut.
„Die Gastronomie beschäftigt mich schon seit meiner Kindheit“, erklärt Zimmermann, der Inhaber einer Marketing- & Eventagentur ist. Seine Eltern betrieben drei Skilifte mit Skihütten an der Schwarzwaldhochstraße und eine Schnapsbrennerei. „Die Weinstube Fröhlich ist ein magischer Ort in der Altstadt, das spürt man schon beim ersten Besuch“, schwärmt der Moderator, der mit dem Verein Pro Stuttgart das Stuttgarter Weindorf veranstaltet.
Das neue Eigentümer-Trio will künftig an manchen Tagen das Kulturprogramm früherer Jahre wieder aufleben lassen. Als „Reminiszenz“ an die große Zeit der Kulturschaffenden an diesem Ort sind Themenabende mit interessanten Gästen geplant.
Die Weinstube Fröhlich hat dienstags bis donnerstags von 17.30 bis 23.30 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 17.30 Uhr bis Mitternacht. Sonntag und Montag sind Ruhetage.