Jutta Gluiber und Jürgen Pfänder wissen, wo am Albtrauf es die schönste Aussicht gibt – und wo sich gut ein Gläsle Wein genießen lässt. Foto: Ines Rudel(2)/privat (1)
Rund um Neuffen (Kreis Esslingen) bieten Wanderwege tolle Ausblicke. Außerdem wird hier Wein angebaut. Jutta Gluiber und Jürgen Pfänder wissen, wie man beides verbindet. Unter dem Titel Albgehnuss führen sie Gruppen durch die Orte, Weinberge und Streuobstwiesen ihrer Heimat.
Greta Gramberg
08.08.2023 - 15:18 Uhr
Wein und Wandern – das passt zum Albtrauf rund um die Weinbauorte Beuren und Neuffen. Auf steile Schottersteige folgen schmale Waldpfade und breite Wirtschaftswege. Wanderbegeisterte und Spaziergänger kommen auf Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf ihre Kosten. Und zwischendrin immer wieder eine Bank, auf der sich kurz verschnaufen und die Aussicht genießen lässt. Vielleicht mit einem Glas Wein? „Zum Wandern muss man nicht ins Allgäu reisen“, sagt Jutta Gluiber, Natur- und Landschaftsführerin.
Wein und Wandern – das passt auch zu Gluiber und Jürgen Pfänder, ihr Geschäftspartner. Die beiden Beurener führen unter dem Titel Albgehnuss immer wieder Gruppen durch die Orte, Weinberge und Streuobstwiesen ihrer Heimat. Gluiber ist hauptberuflich Lehrerin. Sie hat sich als Natur- und Landschaftsführerin zertifizieren lassen, ist geprüfte Fachwartin für Obst und Garten sowie Streuobstpädagogin. Die 43-Jährige kennt Anekdoten zu vielen Wildkräutern am Wegesrand, zur Geschichte und Gegenwart der Kulturlandschaft am Albtrauf. Pfänders Familie macht „schon immer“ Wein, wie der 45-Jährige sagt. Der gelernte Bäcker und Konditor hat vor ein paar Jahren seinen Brotberuf wegen der Arbeitszeiten aufgegeben und ist nun als Winzer, Weinerlebnis- und Gästeführer tätig. 2019 hat sich das Duo, das sich aus dem Ort kennt, zu ersten Glühweinwanderungen zusammengetan. „Wir haben gemerkt, dass die Leute die Verbindung von Wandern und Genießen gerne mögen“, so Gluiber.
Start am Wanderparkplatz Schelmenwasen
An diesem Nachmittag geht es mit Schuhen mit Profilsohle und Proviant im Rucksack am Wanderparkplatz Schelmenwasen in Neuffen los auf die Tour „Hochgehkeltert“ – einer von mehreren Wanderwegen der regionalen Initiative „Hochgehberge“. „Toll ist, dass es sich um Rundwanderwege handelt, die gut ausgeschildert sind“, sagt Gluiber. Die Bezeichnung „Hochgehkeltert“ kann täuschen: Ein Spaziergang, auf dem man sich alle paar Meter ein Glas Wein gönnen kann, ist es nicht. Die Rundtour umfasst 7,2 Kilometer, mehr als 350 Höhenmeter werden überwunden. Eine gewisse Kondition sollten Wanderer laut Gluiber also mitbringen, ebenso Trittsicherheit, denn die Wege sind teils schmal, steil und uneben.
Schon nach wenigen hundert Metern werden die Mühen mit Aussicht belohnt. Zwischen den Reben öffnet sich der Blick auf Neuffen. Auf einer Bank bereiten Gluiber und Pfänder ein kleines Picknick. Pfänder reicht einen alkoholfreien Weißwein. Die Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, deren Vorsitzender er ist, lässt den „Libero“ gemeinsam mit Partnern aus der Region herstellen, da für das Entalkoholisieren größere Mengen nötig seien.
Jürgen Pfänder Foto: Ines Rudel/Ines Rudel
Der Blick geht auf die höchste Weinlage Württembergs und Rebstöcke einer neuen, pilzresistenten Rebsorte. „Die pilzresistenten Sorten sind immer mehr im Kommen, unter anderem wegen der Pflanzenschutzverordnung in der EU“, erklärt Pfänder. Diese schränkt den Einsatz von Spritzmitteln in den Weinbergen künftig stark ein. Weil es am Albtrauf kühler ist als im Neckartal, gibt es den schwäbischen Klassiker Trollinger hier übrigens kaum. Bis vor einigen Jahren waren auch Riesling-Trauben nicht reif geworden. Doch der Klimawandel habe das geändert. Typisch für die Gegend sind Weißweine wie Silvaner, Kerner oder Müller-Thurgau und rote Rebsorten wie Regent, Dornfelder und Burgunder. Für letztere seien die Juraböden der Gegend ideal, so Pfänder.
Wo der Wein am besten schmeckt
Der Libero mundet mit Blick auf Neuffen – warum Wein gefühlt immer am besten dort schmeckt, wo er ausgebaut wird? Er habe sich damit nicht wissenschaftlich auseinander gesetzt, räumt Jürgen Pfänder ein. „Ich vermute, es hängt einfach mit den Eindrücken der Landschaft und der Luft zusammen“, sagt er. „Da ist man gerade gern, sieht wo das Erzeugnis wächst und verbindet den Geschmack des Weines mit etwas Positivem.“ Ihm persönlich gehe es genauso.
Zum Wein gibt es fluffige Flachswickel aus dem Backofen von Jutta Gluiber – sie halten sogar dem kritischen Urteil des Fachmanns stand. „Sonst würde ich sie das nicht machen lassen“, scherzt Konditor Pfänder. Auf ihren Touren bieten die beiden üblicherweise selbst gemachte schwäbische Snacks, Säfte aus heimischem Streuobst und auch Weine mit Alkohol von der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck – letztere meist erst zu einem späteren Zeitpunkt, damit die Wanderung durchgestanden wird.
Höchster Punkt ist der Hohenneuffen
Denn nach dem ersten Stop wird es anstrengend. Die Tour führt bergauf. Erst durch einen Buchenwald, eine sogenannte Kernzone wie Gluiber erklärt. Diese wird ähnlich einem Bannwald sich selbst überlassen. Es folgt der steile Anstieg zur Burgruine Hohenneuffen. Im weiteren Verlauf geht es bergab entlang der Albtraufkante, über die Neuffener Heide sowie durch die Weinberge zurück zum Start. Die Tour lässt sich abkürzen, dabei helfen Wegweiser. Wer nicht ganz trittsicher ist, kann auch einfach einen Spaziergang über die Wirtschaftswege in den Neuffener Weinbergen machen.
Der schönste Teil der Wanderung? Gluiber und Pfänder tun sich schwer mit der Antwort. Highlights seien der Ausblick vom Hohenneuffen und vom Startplatz der Gleitschirmflieger. Besonders genießt Pfänder den Abschluss, wenn er sich mit Freunden im Weinberghäusle trifft und sie gemeinsam ein Vesper und einen guten Wein genießen.
Weitere Infos unter www.albgehnuss.de
Unterwegs in der Region
Serie Urlaub daheim ist alles andere als langweilig. Die Region bietet vielfältige Möglichkeiten für abwechslungsreiche Tage ohne weite Anreise – für Kulturinteressierte wie für Naturfreunde, für Sportbegeisterte wie für Genießer. In unserer Serie „Der Ferientipp“ stellen wir Ausflugsziele vor. Wetten, dass für Sie etwas dabei ist?
Anreise Mit dem Auto ist die Anfahrt bis zum Wanderparkplatz Schelmenwasen in Neuffen möglich. Es gibt Regionalzüge nach Neuffen, vom örtlichen Bahnhof fahren Busse bis zur Haltestelle Max-Planck-Straße, etwa 400 Meter vom Startpunkt entfernt. Weitere Informationen zu der Tour gibt es auch online unter: www.hochgehberge.de
Wein und mehr An vielen Wochenenden im Sommer veranstalten die Weingärtnergenossenschaft und private Winzer einen Ausschank in Neuffen – weithin sichtbare Fahnen weisen den Weg zum richtigen Weinberghäusle. Einkehrmöglichkeiten gibt es auf dem Hohenneuffen und in der Stadt. Entlang der Wegstrecke liegen auch das Freibad und die Burgruine Hohenneuffen. Über Eintrittspreise und Öffnungszeiten sollte man sich vorab online informieren.