Weissacher Dorfsommer Vanessa Mai heizt trotz Regen ein
An Tag vier des Weissacher Dorfsommers gibt es auf dem Platz vor der Strudelbachhalle Schlager und Ballermann-Hits zu hören.
An Tag vier des Weissacher Dorfsommers gibt es auf dem Platz vor der Strudelbachhalle Schlager und Ballermann-Hits zu hören.
Für all jene Gäste des Weissacher Dorfsommers, die am Montagabend nicht ganz so textsicher sind, hat Schlagersängerin Vanessa Mai einen passenden Ratschlag in petto: „Wenn ihr kein Schlagerfan seid, hilft nur Bier“, empfiehlt sie. Von der Bühne aus hat die 31-jährige Musikerin aus Backnang, die am vierten Tag des Festes unter dem Alias ihrer einstigen Schlagerband „Wolkenfrei“ auftritt, besten Blick über die Menge – und beobachtet alle ganz genau, wie sie berichtet. „Wie bin ich hier reingeraten?“ würde auf dem ein oder anderen Gesicht geschrieben stehen.
Mit Alkoholkonsum nachhelfen muss man bei den versammelten Konzertbesuchern dann aber eigentlich kaum. Vanessa Mai sagt, sie will Hände sehen – und die Hände gehen nach oben. Klatschen im Beat? Da machen alle mit. Streckt Mai das Mikrofon in Richtung Menge, erreicht diese beim Mitsingen für die vergleichsweise kleine Veranstaltungslocation ordentlich Volumen. Dass im Programm des Weissacher Dorfsommers für jeden etwas dabei ist, hatten die Veranstalter Lisa und Frank Bäuerle von pm event bereits vor Monaten versprochen – auf dem Platz vor der Strudelbachhalle findet der eingängige Schlager von Vanessa Mai tatsächlich ebenso seine Abnehmer wie der Jazz, Blues und Soul von Paul Carrack und der SWR-Bigband am Samstagabend. Auf den großen Auftritt der Sängerin eingestimmt hatten zuvor bereits die Band Rebell Tell und der Sänger Tobee, seit 17 Jahren Dauerbrenner im Bierkönig auf Mallorca.
Dabei läuft das Konzert von Vanessa Mai fast Gefahr, buchstäblich ins Wasser zu fallen – dank einiger kräftiger Schauer, die abends über Weissach ziehen. Das Wetter klart dann aber so pünktlich wieder auf, dass sich auch einer der Besucher in die Menge einen kleinen Witz über den Bandnamen „Wolkenfrei“ nicht verkneifen kann. Und auch den Ablauf des Abends bringt der Regen nicht durcheinander. Alles läuft nach Plan, berichtet Lisa Bäuerle während des Sets von Tobee, die Technik ist trocken geblieben.
Auch die zartbesaitetsten Schlagerfans lassen sich vom Wetter nicht aus der Bahn werfen und feiern selbst während der Umbauarbeiten zu Schlagerhits weiter. Vanessa Mai, die mit zweiköpfiger Band und Background-Sängerin in Weissach auftritt, singt und tanzt nicht nur souverän über die nasse Bühne, sondern erlaubt sich auch den ein oder anderen Plausch mit dem Publikum, das ihr mit Klatschen und Rufen antwortet. Aus der Tasche eines Fans wandert ein kleines Fläschchen Feigenschnaps über den Graben vor der Bühne, und bevor Mai den „Kurzen“ zu Ehren des Publikums leert, wird der Gassenhauer „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ angestimmt. Auch die anwesenden Sanitäter und Feuerwehrleute werden von Mai zum Mitmachen animiert. In der Menge wirbeln Konzertgänger beim Standardtanz zu Hits wie „Von Tokio bis Amerika“ und „Wolke 7“ umher, und selbst der unerfahrenste Schlagerkonzert-Besucher kann mitwippen, als Vanessa Mai und ihre Band eine Coverversion von Nenas „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ anstimmen.
Auch Vanessa Mai hat dabei sichtlich Spaß: „Es ist wirklich egal, wo man ist“, sagt sie gegen Ende des Konzerts, „wenn die richtigen Leute da sind.“ Mit lauten Zugaberufen lässt die Menge sie kaum von dannen ziehen. Macht nichts: „Wir wollen auch nicht nach Hause gehen“, so Mai. „Ihr seid so ein nettes Volk.“ Zum Schluss haben alle noch ein letztes Mal die Hände oben – und auch das Anfangs empfohlene Bier ausgetrunken.