Weltwirtschaft in Turbulenzen Populisten schicken Börsen auf Talfahrt

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Der US-Präsident legt sich mit China, seiner Notenbank und dem IWF an. Auch Italien sorgt für Nervosität.

Die Händer an der Wall Street trauten ihren Augen kaum. Foto: AP
Die Händer an der Wall Street trauten ihren Augen kaum. Foto: AP

Frankfurt - Die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits hat einen Ausverkauf an den Aktienmärkten ausgelöst. Der Deutsche Aktienindex (Dax) setzte seine Talfahrt am Donnerstag fort und fiel um 1,5 Prozent auf 11539 Zähler, das ist der niedrigste Stand seit Februar 2017. Auch an der Wall Street ging es erneut bergab, nachdem die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 am Mittwoch um jeweils drei Prozent eingebrochen waren. US-Präsident Donald Trump drohte unterdessen mit weiteren Schritten gegen chinesische Importe: „Ich habe noch eine Menge zu tun“, sagte er dem Sender Fox News mit Blick auf die Handelspolitik. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bekräftigte seine Warnung, eine Ausweitung des Handelsstreits könnte das Wirtschaftswachstum gefährden. „Deeskalieren, das System verbessern und nicht zerstören“ – so laute ihre Botschaft an alle Beteiligten, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde.

Der Dax befinde sich jetzt im „Crash-Modus“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa den Analysten Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel. Utschneider präzisierte im Gespräch mit unserer Zeitung allerdings, bis zum Jahresende erwarte er eine Beruhigung. „Es ist ein Mini-Crash, noch sehen wir aber keine Gefahr, in eine Baisse zu laufen.“ Utschneider rechnet mit einer Stabilisierung des Dax „oberhalb der Marke von 10500 Punkten“.

Kurskorrektur ja, Crash eher nein

Auch die Chefvolkswirtin der hessisch-thüringischen Landesbank Helaba, Gertrud Traud, hält eine Korrektur um weitere 1000 Punkte für möglich. „Anleger sollten deshalb aber nicht panisch werden“, mahnt sie. Bei einer weiteren Vergünstigung der Kurse böten sich vielmehr Zukäufe an. Mit einer schärferen Korrektur sei in den USA zu rechnen, wo noch bis vor einer Woche Hochstimmung an den Börsen herrschte. „Während es an den europäischen Märkten schon seit dem Frühjahr abwärtsgeht, haben die US-Märkte im Trump-Rausch bislang alle Risiken ignoriert“, sagte Traud.

Dabei zeichneten sich die vom IWF benannten Gefahren – eine Abkühlung des weltweiten Wirtschaftswachstums und steigende Zinsen in den USA – schon länger ab. Vergangene Woche hatte Notenbankchef Jerome Powell angedeutet, er könnte den Leitzins langfristig über die Marke von drei Prozent heben. US-Präsident Trump übte deshalb scharfe Kritik an der Notenbank: „Ich denke, die Fed ist verrückt geworden“, sagte er am Mittwoch. „Diese Aussage von einem nicht ganz unwichtigen Politiker hat für Hysterie an den Märkten gesorgt“, sagte Analyst Utschneider.

Auch die Regierungskoalition aus Links- und Rechtspopulisten in Italien verursacht seit Wochen Nervosität an den Märkten, weil ihre Haushaltspläne die Sanierung der maroden Staatsfinanzen gefährden. Für Investitionen in italienische Staatsanleihen fordern Anleger deshalb steigende Risikoprämien, was die Zinslast des hochverschuldeten Landes vergrößert.