Verkehrte Autowelt: Mercedes verkauft immer weniger Fahrzeuge und macht immer höhere Gewinne. Im ersten Quartal ist der Absatz des Herstellers um zehn Prozent gesunken, und die Gewinne sind um satte 19 Prozent gestiegen.
Der Autobauer wird immer rentabler
Damit wird der Stuttgarter Autobauer immer rentabler: 16,4 Prozent des Umsatzes landen als fünf Milliarden Euro schwerer Drei-Monats-Gewinn in den Kassen des Konzerns. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne die Marke allen Widrigkeiten trotzen, den pandemiebedingten Engpässen bei Chips, der sich abzeichnenden Rezession in der Industrie und der Energiepreiskrise. Ist also alles gut in der Welt mit dem Stern?
Wohl kaum. Tatsächlich dürfte Konzernchef Ola Källenius die Lage mit Unruhe verfolgen. Auf Dauer kann die Strategie, immer weniger Autos zu verkaufen und diese immer teurer zu machen, nicht aufgehen. Ihr Erfolg ist endlich.
Niemand will zurück zu den Zeiten, in denen sich die Hersteller Rabattschlachten lieferten und ihre Fahrzeuge mit geringen Gewinnen verscherbelten. Aber jeder Hersteller muss ein Interesse daran haben, dass seine Werke ausgelastet sind, und dass die Arbeiter am Band – die er ansehnlich entlohnt – auch produktiv sind. Das Kurzarbeitergeld, das noch immer die Solidargemeinschaft bei stehenden Bändern zuschießt, verzerrt den Blick auf die Lage zusätzlich.
Die Autoproduzenten sollten sich nicht in Sicherheit wähnen
Die Hersteller sollten sich durch das dicke Polster an Aufträgen nicht zu sehr in Sicherheit wähnen. Auch bei Luxusgütern, wie sie der Hersteller aus Untertürkheim vornehmlich vertreibt, ist die Geduld der Kunden endlich. Irgendwann springen sie ab.
Die Nachrichten aus China sind hochgradig alarmierend. Die neuerlichen Lockdowns in Peking und Shanghai werden dazu führen, dass sich die Lieferengpässe noch einmal verschärfen. Außerdem wird das Aufflammen der Epidemie Folgen für die Bestellungen haben – und das ausgerechnet in China, wo Mercedes ein Drittel seines Absatzes macht und besonders viele renditestarke Fahrzeuge verkauft.
Jetzt ist Einkaufsvorstand Markus Schäfer gefragt: Die Lieferketten müssen resilienter werden, Alternativen bei den Lieferanten werden dringend benötigt. Schon auf mittlere Sicht wird sich zeigen: Auch ein Premium-Hersteller kann nur dann wirtschaftlich Erfolg haben, wenn er es darauf anlegt, auch möglichst viele seiner ebenso hochklassigen wie hochpreisigen Fahrzeuge zu verkaufen.
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