Als einzige Partei setzt die CDU im Wahlkampf auf eine Werbeagentur aus dem Land. Ihr Name: Panama. Die anderen Landtagsparteien beauftragen Berliner Profis – SPD und FDP erprobte Crews, die Grünen eine junge Truppe namens Wigwam.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Das Foto ist sorgsam komponiert. Im Mittelpunkt steht, wie es sein muss, der Spitzenkandidat. Von der Krawatte befreit, eine Hand lässig in der Hosentasche, lächelt Guido Wolf freundlich-verschmitzt in die Kamera. Flankiert wird er von fünf Damen und Herren mit silbernen Standventilatoren, an denen Bändchen in CDU-orange flattern. Damit jeder die Botschaft versteht, hat die Partei das Bild untertitelt: „Rückenwind aus Panama“ für ihren Vormann sei darauf zu sehen.

Panama – das ist der Name der Stuttgarter Werbeagentur, die helfen soll, aus dem Spitzenkandidaten Wolf einen Ministerpräsidenten Wolf zu machen. In einem Auswahlverfahren habe sie sich mit einem „modernen, frischen und ansprechenden Konzept“ gegen mehrere Agenturen aus ganz Deutschland durchgesetzt, berichtete die CDU per Pressedepesche. Was sonst eigentlich nur Insider aus Politik und Werbung interessiert, verband sie diesmal mit einem politischen Signal. „Uns liegt Panama näher als die Berliner Agenturen der politischen Mitbewerber“, verkündete Wolfs Wahlkampfleiter Thorsten Frei. „Wir setzen auf den Südwesten“, sekundierte der Kandidat selbst. Und der Agenturchef Günter Steinort zeigte sich überrascht, dass in einem baden-württembergischen Wahlkampf „nur eine Agentur von hier in den Ring steigt“. Die Nähe zu Menschen und Themen im „Ländle“ sei ein Standortvorteil, „den wir für die CDU natürlich voll ausspielen werden“.

Profis aus der Hauptstadt beauftragt

Tatsächlich haben die drei anderen Landtagsparteien, ohne dies medial zu vermarkten, jeweils Berliner Agenturen engagiert: Wigwam heißt jene der Grünen, NWMD die der SPD und Heimat die der Liberalen. In der Hauptstadt sitzen eben viele Werbeprofis, die Erfahrung mit Wahlkämpfen und politischer Kommunikation haben. Für die künftige CDU-Agentur ist die Kampagne für 2016 hingegen eine Premiere: in ihrer Kundenliste finden sich reihenweise klangvolle Firmennamen, von Adidas bis Zeiss, aber bisher keine Partei. Doch die Werber zieht es offenbar mit Macht in die politische Arena. Bevor es bei der CDU klappte, sollen sie schon bei einer anderen Partei im Rennen gewesen sein. Dort gab wohl die mangelnde einschlägige Erfahrung den Ausschlag gegen sie. Die Christdemokraten hingegen suchten gerade jemanden, der ihre Kampagne mit dem frischen Blick von außen konzipiert. Gefragt waren neue, unkonventionelle Ideen. Die Chemie mit den Panama-Leuten habe gestimmt, hört man, auch oder gerade weil sie ganz anders tickten als Politstrategen.

Suche nach schwäbischen Großmüttern

Während die CDU erstmals aus der Opposition heraus antritt, müssen die Grünen mit Winfried Kretschmann zum ersten Mal die Macht verteidigen. Auch die Wahl ihrer Agentur hat die Fachöffentlichkeit überrascht. Wigwam heißt die Berliner Kommunikationsberatung, auf die sie diesmal setzen. Wigwam? Selbst manche Branchenkenner mussten da erst einmal nachsehen, um wen es sich handelt. Bisher war die junge Agentur mit zwei Dutzend Leuten vor allem für Non-Profit-Organisationen wie Caritas oder Welthungerhilfe tätig, weniger im politischen Feld. Einer der Geschäftsführer, Matthias Riegel, aber kommt aus der einschlägig ausgewiesenen Agentur Zum goldenen Hirschen.

Die Wigwam-Crew war offenbar selbst etwas erstaunt, dass ausgerechnet sie gegen starke Konkurrenz das Rennen machte. Amüsiert berichtete Riegel der „tageszeitung“, wie eifrig die Bewerber ihren Bezug zu Baden-Württemberg herausstellten: Während das Schwäbische in Berlin sonst ja gerne versteckt werde, hätten die Teammitglieder stolz auf ihre schwäbischen Großmütter verwiesen.

Auf Nummer sicher gehen SPD und FDP: sie setzen auf Berliner Agenturen, mit denen die Partei bereits kooperiert. Bei den Südwest-Genossen ist das die NWMD - Gesellschaft für Kommunikation, eine Tochter des Vorwärts-Verlages; der Geschäftsführer Guido Schmitz war einst Referent Gerhard Schröders. Schmitz und sein Team sind gleichsam in Übung: für die SPD konzipierten sie die Landtagswahlkämpfe 2014 in Sachsen und Thüringen. Ersterer sei in der Presse als vielleicht beste Kampagne „seit Willy Brandt“ gerühmt worden, heißt es auf der NWMD-Homepage.

FDP freut der Erfolg ihres „Köders“

Die von der Landes-FDP verpflichtete Berliner Agentur Heimat hat gerade erst gezeigt, wie man seine Kunden ins Gespräch bringt. Sie war es, die das traditionelle blau-gelb der Liberalen um einen Magenta-Ton à la Telekom ergänzte. Auf ihrer Internetseite zeigen sich die Heimat-Leute halb stolz, halb belustig darüber, welch großen Widerhall der Farbwechsel fand: Öffentlichkeit und Medien hätten sich wie geplant auf den „Köder“ gestürzt.

Man darf gespannt sein, welche Köder die Werber im Südwesten auslegen.